Was macht eigentlich... Julie Andrews


Die Sängerin und Schauspielerin wurde als Kindermädchen in "Mary Poppins" weltberühmt. Nach einer missglückten Operation 1997 verlor sie für ein Jahr völlig die Stimme.

Zur Person:

Julie Andrews, 69, wurde als Julia Elizabeth Wells im englischen Walton-on-Thames geboren. Als sie acht Jahre alt war, entdeckten die Eltern das außergewöhnliche Stimmtalent der Tochter und förderten sie. Bereits als Zwölfjährige sang Andrews öffentlich Opernarien. Mit 19 feierte sie ihr Debüt am Broadway, es folgte die Eliza Doolittle in "My Fair Lady". Später kamen Engagements beim Fernsehen und im Film dazu. 1965 erhielt sie den Oscar für "Mary Poppins" (kleines Foto), 1966 eine Oscar-Nominierung für ihre Darstellung der Maria von Trapp in "The Sound of Music". Wegen dieser Rollen aber hatte sie lange das Image einer altbackenen Gouvernante, was sie erst Anfang der 80er Jahre in Filmen ihres Mannes Blake Edwards ändern konnte. Seit Anfang der Neunziger lebt das Paar in Los Angeles. Sie haben fünf Kinder, zwei davon sind adoptierte vietnamesische Waisen

Das Interview mit Julie Andrews führte Andreas Renner

Auch 40 Jahre nach "Mary Poppins" sind Sie für viele noch das singende Kindermädchen. Nervt das nicht?

Nein, für diese Rolle habe ich immerhin meinen einzigen Oscar bekommen. Ich bin Walt Disney ausgesprochen dankbar, dass er mich damals für die Rolle ausgesucht hat ...

... die sie fast nicht angenommen hätten.

Ich hatte mich gleichzeitig für die Rolle der Eliza Doolittle in der Verfilmung von "My Fair Lady" beworben, die ich schon am Broadway gespielt hatte. Aber die Produzenten meinten, ich sei zu unbekannt, und gaben Audrey Hepburn den Vorzug. Ich war enttäuscht - und habe Disneys Angebot angenommen. Tja, das Schicksal wollte es, dass ich für Mary Poppins den Oscar bekam, und Audrey Hepburn für die Eliza nicht mal nominiert war.

Nach den Musicalfilmen "Mary Poppins" und "The Sound of Music" traute man Ihnen keine ernsthaften Rollen zu, und Sie mussten in Nachtclubs auftreten.

Das klingt krasser als es war. Da Musik meine größte Leidenschaft ist, habe ich halt gesungen; übrigens habe ich durchaus andere Rollen gespielt, etwa bei Alfred Hitchcock. Aber es stimmt schon, ich wurde lange als Musicalstar abgestempelt. Als Ende der 60er Jahre die Musical-Ära vorbei war, musste ich mich neu orientieren, dabei hat mir mein Mann Blake Edwards sehr geholfen. Ich spielte zum Beispiel in seinen Filmen "10" oder "S.O.B.". Übel nehme ich ihm nur, dass er meinen kleinen Auftritt neben Peter Sellers in einem der "Pink Panther"-Filme herausgeschnitten hat.

Haben Sie eigentlich gerne mit Ihrem Mann zusammengearbeitet?

Ja. Problematisch war das nur bei Liebesszenen. Da sagte er immer: "Schatz, ich weiß doch, dass du das besser kannst."

Ihre Karriere als Sängerin scheint nach einer missglückten Stimmbandoperation 1997 beendet. Werden Sie je wieder vier Oktaven schaffen können?

Man hat mir damals mein größtes Talent geraubt. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. So habe ich für den zweiten Teil des Filmes "Plötzlich Prinzessin" jetzt erstmals wieder einen Song beigesteuert - allerdings konnte ich nur eine Oktave singen.

Sie haben mittlerweile das Fach gewechselt...

Ich schreibe. Angefangen hat alles vor vielen Jahren mit einem Gesellschaftsspiel, das ich gegen meine Tochter Jennifer verlor. Ich musste ihr einen Wunsch erfüllen, eine Gutenachtgeschichte wünschte sie sich. So fing ich an, Geschichten aufzuschreiben, und es entstand mein erstes Buch "Mandy". Heute schreibe ich mit meiner anderen Tochter Emma Kinderbücher. Ich habe fünf Kinder großgezogen und habe sechs Enkel - der beste Grundstock für jede Menge Inspirationen.

Zieht es Sie auch noch vor die Kamera?

Ich bin froh, dass man mich mit meinen 69 Jahren noch als vornehme, wenn auch mittlerweile gesetzte Dame in Filmen sehen möchte. So spiele ich in "Plötzlich Prinzessin 2" wieder eine hippe Adelige. Und in "Shrek 2" leihe ich der Königin Lillian meine Stimme, auch einen TV-Film habe ich gerade abgedreht.

Von Königin Elizabeth II. wurden Sie 2000 zur "Dame" ernannt und damit in den Adelsstand erhoben. Wie britisch sind Sie eigentlich noch?

Ich habe noch meinen britischen Pass und zeige mich britisch, wo immer ich kann, etwa bei der Teestunde am Nachmittag. Ich bin gern Vertreterin der alten europäischen Eleganz; die tut dem verhältnismäßig jungen Amerika ganz gut.

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