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Was macht eigentlich...: Katja Bogdanski

Zickezacke Hühnerkacke: Als pummeliges Spießerkind Dicki Hoppenstedt wurde die gebürtige Bremerin Ende der siebziger Jahre in den Sketchen von Loriot bekannt.

Zickezacke Hühnerkacke: Als pummeliges Spießerkind DICKI HOPPENSTEDT wurde die gebürtige Bremerin Ende der siebziger Jahre in den Sketchen von Loriot bekannt. Katja Bogdanski, inzwischen Verkaufsleiterin einer Kosmetikfirma, lebt in Seevetal bei Hamburg zusammen mit ihrem Freund Marco, 37, und Sittich "Rocky". Ende der siebziger Jahre wurde Bogdanski durch Sketche von Loriot bekannt. Legendär ihr Auftritt als Pummelchen Dicki in der Episode "Weihnachten bei Hoppenstedts", in der Dicki als Weihnachtsgedicht "Zickezacke Hühnerkacke!" vorschlägt und der Familie die Zunge rausstreckt - obwohl die lieben Verwandten dem Kind immerhin ein kleines Atomkraftwerk zum Fest geschenkt hatten.

Das Interview mit Katja Bogdanski führte Michael Kruse

Offen gesagt: Sie sehen gar nicht aus wie Dicki Hoppenstedt. Sie sind ja schlank!

Das war damals aber anders. Als kleines, mopsiges Mädchen hatte ich in der Schule nicht viel zu lachen. Kinder können ja ziemlich grausam sein. Aber als Dicki war ich dann der Star.

Wir dachten immer, Dicki sei ein Junge.

Loriot hat das bewusst offen gelassen. Die Figur war so angelegt, dass der Zuschauer darüber rätseln sollte, ob Dicki ein Zipfelchen hatte oder keins. Dicki war kein Er oder Sie, sondern ein Es - mit dickem Bäuchlein in zu engen Hosen.

Wie kamen Sie zu Ihrer Rolle?

Radio Bremen suchte ein kleines, dickes Kind, das auch noch ein bisschen frech sein sollte. Die riefen bei meiner Grundschule in Bassen an, und der Hausmeister sagte sofort: "Ja, da kenn ich eine. Die würde passen!" Ich war acht und wahrscheinlich das dickste Kind der Schule.

Wie war das Vorsprechen?

Ich musste ein bisschen vor Loriot auf und ab gehen, mich drehen und einen Text aufsagen. Übrigens hatte sich damals auch ein Junge namens Hape Kerkeling um die Rolle beworben. Der ist heute noch eingeschnappt, weil ich ihn ausgestochen habe.

Haben die Dreharbeiten Spaß gemacht?

Loriot wusste auf den Punkt genau, was er wollte. Jede Szene wurde so lange wiederholt, bis er endlich zufrieden war. Da war diese Einstellung, bei der Dicki gegen den Fernseher tritt. Das haben wir 25 000-mal wiederholt. Grauenvoll! Entweder habe ich zu kräftig getreten, sodass der Apparat runterfiel, oder aber es war ihm zu lasch. Da wurde er dann richtig streng.

Haben Sie ihn danach noch mal getroffen?

Ja, vor zehn Jahren bei den Dreharbeiten zu seinem 70.Geburtstag. Da erst habe ich gemerkt, was für ein Genie das ist. Er hat den Schalk, dieses Glitzern in den Augen.

Und haben Sie noch Kontakt zu den anderen Schauspielern?

Nein, eigentlich schade, denn besonders Evelyn Hamann war immer sehr nett zu mir und brachte mir oft kleine Stofftiere in die Garderobe mit. Unangenehm in Erinnerung geblieben ist mir Heinz Meyer, der den Papa Hoppenstedt gespielt hat. Der war muffelig und hat kein Wort mit mir gesprochen. Wenn in einer Szene mal was schief lief, hat er ständig mir die Schuld in die Schuhe geschoben, obwohl er das selber verpatzt hatte.

Womit verdienen Sie heute Ihr Geld?

Ich arbeite in der Kosmetikbranche als Verkaufsleiterin im Außendienst. Das mache ich ganz gern, aber wenn sich was anderes ergibt - warum nicht?

Bedauern Sie, dass Sie keine Schauspielerin mehr sind?

Ich hätte das damals weiter verfolgen sollen. Aber meiner Mutter war die Schule wichtiger. Sie fand es nicht gut, dass ich wegen der Dreharbeiten für ein paar Wochen den Unterricht verpasste. Sie stand bei den Aufnahmen immer hinter dem Kameramann und winkte mir zu. Ich war ein richtiges Mamakind.

Nach Loriot gab`s keine Angebote mehr?

Ich habe als Kind noch einmal in einem Krimi mitgespielt, musste dabei aber nur fünfmal durchs Bild huschen. Und einmal war ich bei Rudi Carrells "Am laufenden Band". Ich gehörte zur Kulisse und schaukelte da auf einem Holzpferdchen.

Apropos Schaukelpferdchen. Wollen Sie keine Familie gründen?

Seit zweieinhalb Jahren lebe ich mit Marco zusammen. Vielleicht klappt es ja bald mit Nachwuchs. Aber eines weiß ich mit Sicherheit: So spießig wie bei den Hoppenstedts wird es bei uns nicht. Und meine Kinder kriegen auch kein Atomkraftwerk zu Weihnachten.

Interview: Michael Kruse / print