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Was macht eigentlich...: Susen Tiedtke

Die Weitspringerin aus Berlin wurde 1993 Vize-Weltmeisterin in der Halle und galt in den neunziger Jahren als das glamour girl der deutschen Leichtathletik

Zur Person:

Die 34-Jährige lebt mit ihrem Freund Alexander von Nida auf einem Bauernhof im rheinland-pfälzischen Albig. Tiedtke begann ihre Sportkarriere in den achtziger Jahren als Kunstturnerin in der DDR. Als sie fürs Turnen zu groß wurde, wandte sie sich dem Weitsprung zu. Die blonde Athletin, die sportlich meist im Schatten von Heike Drechsler stand, wurde wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt und machte mit erotischen Aufnahmen im "Playboy" auf sich aufmerksam. 2004 will sie bei den Olympischen Spielen in Athen noch einmal antreten - im Dreisprung.

Wie viele Hot Dogs haben Sie heute morgen schon verkauft, Frau Tiedtke?

Noch nicht viele. Ich hab unseren Würstchen-Wagen gerade erst aufgemacht. Aber bis heute abend um acht läuft bestimmt noch einiges. Der Wal-Mart in Groß-Gerau ist ein guter Platz, um Hot Dogs unter die Leute zu bringen.

Wissen Ihre Kunden eigentlich, wer ihnen den "Heißen Hund" über die Theke reicht?

Logisch, dass ich erkannt werde. Ich hab immer Autogrammkarten dabei. Besonders wenn wir vor Schulen stehen. Da sprechen mich die Kiddies an. Machen Sie keinen Sport mehr und so.

Was antworten Sie denen?

Mit dem Weitsprung bin ich fertig. Da hab ich meine Möglichkeiten ausgeschöpft. Jetzt probier ich was Neues aus.

Würstchen braten als neue Herausforderung. Kann man da viel falsch machen?

Das Braten selbst ist einfach. Schwierig ist die Organisation. Einige Zutaten importieren wir direkt aus den USA. Weil es hier in Deutschland keine Hot-Dog-Kultur gibt. Außerdem bewerben wir uns um Stände bei Volksfesten und Veranstaltungen.

Hilft der Name Susen Tiedtke dabei?

Den benutzen wir nicht. Der Laden läuft unter Alexander von Nida. Das ist mein Freund. Alexander hatte auch die Idee mit den Hot Dogs. Das ist hier eine echte Marktlücke. Wir haben schon einen zweiten Wagen bauen lassen, um alle Termine besetzen zu können.

Gehen Sie irgendwo besonders gern hin?

Mein Lieblings-Event ist American Football. Die Mannschaft von Rhein Fire Düsseldorf spielt ja jetzt in der Arena auf Schalke. Tolle Stimmung da.

Zum Sport zieht es Sie also doch noch.

Klar. Im Sommer greife ich auch noch mal an. Diesmal im Dreisprung. Da ist noch was drin für mich. Ich will unbedingt bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen dabei sein.

Und wer brät derweil die Würstchen?

Mein Freund und ich. Dreisprung-Training ist eigentlich ein Full-Time-Job. Ich muss irgendwie versuchen, es auf halbtags zu komprimieren. Aber für ein Jahr sollte das gehen.

Welche Weite haben Sie angepeilt?

Hinterherhüpfen will ich nicht. Um die 15 Meter traue ich mir schon zu.

Geht dann der Rummel um die hübsche Susen wieder los? Mit "Playboy"-Fotos und allem Pipapo?

Die Presse hat das immer hochgespielt. Bei mir sieht Springen einfach ein bisschen eleganter aus als bei denen, die alles nur mit Kraft machen. Ich komme vom Kunstturnen. Da lernst du, dich anmutig zu bewegen.

Warum haben Sie mit dem Turnen aufgehört? 1984 standen Sie in der Olympia-Auswahl der DDR.

Ich wurde zu groß und passte nicht mehr durch die Geräte. Die Turn-Küken dürfen kaum was essen, damit sie nicht wachsen. Das ist schon heftig.

Und als Dreispringerin darf man sich ruhig Hot Dogs reinziehen?

Klar. Bietet sich doch bei mir an. Oder ich gehe rüber zum Hähnchen-Stand. Tausche Broiler gegen Hot Dog. Nur fett wer-den darfst du nicht.

Sie gehen ziemlich locker mit dem Abschied vom Sport um. Von Absturz keine Spur?

Viele Leistungssportler denken, es geht immer so weiter. Sie wollen nach dem Rücktritt denselben Lebensstandard haben. Aber das geht nun mal nicht. Man muss sich dem normalen Leben unterordnen.

Interview: Werner Schmitz