was-macht-eigentlich Alfred Sauter

Der CSU-Politiker wurde 1999 im Rahmen der LWS-Affäre als bayerischer JUSTIZMINISTER gefeuert. Seine harschen Vorwürfe gegen Edmund Stoiber sorgten bundesweit für Furore

Der CSU-Politiker wurde 1999 im Rahmen der LWS-Affäre als bayerischer JUSTIZMINISTER gefeuert. Seine harschen Vorwürfe gegen Edmund Stoiber sorgten bundesweit für FuroreZur Person :

SEITENWECHSEL Alfred Sauter, 50, gut gelaunt auf dem Oktoberfest. Der Rechtsanwalt sitzt für seinen Wahlkreis Günzburg weiter im bayerischen Landtag. In seiner offiziellen Rücktrittserklärung am 13. September 1999 hatte Sauter, der sich als »Menschenopfer« Stoibers verstand, dem Ministerpräsidenten völligen Mangel an Anstand, Stil und Menschlichkeit vorgeworfen

stern: Vor einem Jahr kam der Handy-Anruf von Stoiber: »Das Maß ist voll, Alfred!« Dann mussten Sie Ihren Hut nehmen. Bereuen Sie Ihren lautstarken öffentlichen Protest von damals?

Sauter: Auf die gesammelten Gemeinheiten Stoibers gab es nur eine Reaktion: Mut und Standhaftigkeit im Interesse der Wahrheit. Mir haben viele Menschen geschrieben, diese Auseinandersetzung und meine Position hätten ihnen wieder Vertrauen in die Politik gegeben.

stern: Gibt es den Politiker Sauter noch?

Sauter: Ich bin Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der CSU. Mein Handy klingelt genauso oft wie letztes Jahr, nur sind die Anrufe erfreulicher. Außerdem arbeite ich gelegentlich als Rechtsanwalt in der Kanzlei meiner Frau.

stern: Ein Glück, dass dort Platz für Sie war.

Sauter: Wenn ich nichts zu tun gehabt hätte, wäre ich verrückt geworden. So ist mein beruflicher Zeitaufwand gleich geblieben. Und ich kann mir ein bisschen mehr Gedanken darüber machen, wie es mit der Parteienlandschaft weitergehen wird.

stern: Eine Kostprobe?

Sauter: Die Union hat nur noch einen möglichen Koalitionspartner, und der heißt SPD.

stern: Wie bitte?

Sauter: Die PDS kommt nicht in Frage, für die Grünen ist es noch zu früh, die FDP ist auf dem Weg in Schröders Arme.

stern: Hatten Sie je Zweifel, in der CSU zu bleiben?

Sauter: Nein. Wechsler werden ja auch nie besonders glücklich.

stern: Unter dem CSU-Vorsitzenden Stoiber können Sie sich keine Hoffnung mehr machen.

Sauter: Was Stoiber anbelangt, bleibt abzuwarten, was für eine Entwicklung er nimmt. Er ist aus meiner Sicht weiterhin nachhaltig daran interessiert, in Berlin die entscheidende Rolle der Union zu spielen

stern: dann kommt in Bayern Sauter wieder?

Sauter: Nein, darauf spekuliere ich nicht. Ich habe noch nicht so viel Abstand zu den Geschehnissen des vergangenen Jahres, dass ich mit bestimmten Leuten wieder zusammenarbeiten könnte. Gott sei Dank habe ich keine Entzugserscheinungen. Was ich kann, muss ich niemandem mehr beweisen.

stern: Aber Sie würden sich einer möglichen Rückkehr nicht verweigern?

Sauter: Ich betrachte meine jetzige Zeit als eine kreative Pause.

stern: Welche Probleme hat einer, der von heute auf morgen nicht mehr Minister ist?

Sauter: Meine Familie, meine Freunde und ein paar alte Kumpel haben mir geholfen, relativ schnell rauszukommen aus dem Grübeln, warum alles so gekommen ist.

stern: Und die finanzielle Seite?

Sauter: Es war keine einfache Zeit für meine Frau. Die hat damals bei ein paar Mandanten plötzlich eine gewisse Zurückhaltung zu spüren bekommen. Aber das ist längst überwunden. Als Übergangsgeld habe ich für drei Monate effektiv zirka 11000 Mark netto erhalten. Bis September 2001 kann ich monatlich noch ungefähr die Hälfte beanspruchen. Dies werde ich jedoch nicht tun.

stern: Der LWS geht es weniger gut.

Sauter: Eines ist klar: Die Art und Weise, wie die LWS von höchster politischer Stelle niedergemacht wurde, hat ihr erst endgültig den Todesstoß versetzt. Seitdem nimmt keiner mehr ein Stück Brot von denen.

stern: Sieht das auch Stoibers Umgebung so?

Sauter: Ich habe keinen Kontakt zu denen, die damals die Daumenschrauben angesetzt haben.

stern: Duzen Sie sich noch mit Edmund Stoiber?

Sauter: Zu meinem 50sten Geburtstag im August hat er mir zwei oder drei Sätze geschrieben. Die Anrede war: »Lieber Alfred«, aber unten hieß es nicht wie früher »Dein Edmund«, sondern: »Mit freundlichen Grüßen Edmund Stoiber«. Nachdem er nicht mit mir redet und ich nicht mit ihm, ist die Frage müßig, ob wir uns Duzen.

stern: Sie haben tatsächlich seit Ihrer Entlassung nicht mehr miteinander gesprochen?

Sauter: Kein Wort. Kein Gruß. Kein Blick.

Interview: Georg Wedemeyer

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