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was-macht-eigentlich: Egon Wellenbrink

Zehn Jahre lang brachte er uns in der TV-Werbung das Kaffeetrinken näher und avancierte als Melitta-Mann zur Kultfigur. 1999 wurde er in Rente geschickt.

Zehn Jahre lang brachte er uns in der TV-Werbung das Kaffeetrinken näher und avancierte als MELITTA-MANN zur Kultfigur. 1999 wurde er in Rente geschicktZur Person :

Seit sieben Jahren lebt er mit Ehefrau Lisa und den gemeinsamen Kindern Nico, 8, und Clarissa, 5, auf einer Finca in den Bergen der Balearen-Insel. Wellenbrinks Tochter aus erster Ehe, Susanna, machte ihn vor zwei Jahren zum Großvater. Zu Beginn seiner Fernsehkarriere arbeitete der gebürtige Wolfsburger als Redakteur bei Radio Bremen und war dann Wetterfrosch im Regionalfernsehen - bis ihn die Kaffeefirma entdeckte. Für die gab er von 1989 bis 99 den Melitta-Mann. Wellenbrink produziert heute internationale Bands und hat eine eigene CD mit meditativer Musik aufgenommen: »Reflexiona«

Ich hab schon fast mit Ihnen gerechnet.

Tatsächlich?

Jetzt wollen Sie sicher wissen, was der Wellenbrink so macht.

Eigentlich wollten wir uns nach dem Melitta-Mann erkundigen.

Ach, der...

Nervt es, ewig der Kaffee-Onkel zu sein?

Den Melitta-Mann werde ich sicher nie ganz los. Auch wenn das Image nicht unbedingt dem entsprach, was ich mir gewünscht hätte. Aber ich bin diesem Herrn sehr dankbar: Ich konnte nach Mallorca ziehen. Meine Finca und das Musikstudio hier - ohne ihn würde ich all das nicht besitzen.

Dank Ihnen steigerte Melitta den Umsatz um über 30 Prozent. 1999 wurden Sie nach zehn Jahren quasi pensioniert. Hat Sie das gekränkt?

Nein. Es war doch klar, dass das irgendwann mal enden musste. Wer hat schon so lange Werbung gemacht, außer vielleicht Klementine und der Herr Kaiser?

Wie wurden Sie zum Melitta-Mann?

Nach acht Jahren als Redakteur bei Radio Bremen wurde ich wegen meiner Kalauerei in den Konferenzen als Wetterfrosch vor die Kamera geschubst. Als Egon Wetterbring durfte ich jeden Tag im Regionalfernsehen neue Gags rund ums Wetter erfinden. Das kam hervorragend an und machte schließlich die Kaffeefirma auf mich aufmerksam.

Haben Sie damals gedacht, dass die Werbung ein so großer Erfolg werden würde?

Nein. Ich war nie Fan von Werbung, aber das durfte ich ja nicht laut sagen. Es war eigentlich das Geld, was mich gelockt hat. Und die Arbeit mit Emil Steinberger...

...dem Schweizer Komiker, der die Texte schrieb und Regie führte.

Emil bürstete mit seinem Konzept total gegen den Strich. Meine erste Frage war: Gibt's keine Musik dazu? Nein, sagte Emil, wir machen das ganz ruhig, nur mit dir.

Einmal fragten Sie die Zuschauerinnen: »Magst du auch Melitta-Auslese? Dann schreib mir, mit Bild.« Gab's viel Post?

Körbeweise! Fotos im Neglige oder noch freizügiger. Ob ich nicht mal zum Kaffeetrinken vorbeikommen könnte. Ich fand es sehr skurril, dass normale Menschen nicht zwischen Werbung und Realität unterscheiden können.

Nach Ihrer Werbezeit gestanden Sie, in den 60ern »alle Drogen ausprobiert« zu haben.

Ich hatte damals einen Schallplattenladen in München. In dieser Zeit ging's ja noch um Bewusstseinserweiterung. Da nahm man nicht Drogen, um vor irgendwas zu fliehen oder den Spaßfaktor zu erhöhen. Wenn man LSD ausprobierte, wollte man einfach wissen: Was macht das mit einem? Ich hab dann aufgehört mit dem Zeug, nachdem ich auf Ibiza war und die Moskitos so groß wurden wie Hubschrauber und ihre Stachel wie Speere.

In den 70ern waren Sie mal Musiker bei Roy Black.

Psst! Das hab ich immer ganz gern unter dem Tisch gehalten...

Nach dem Motto: Ich war jung und brauchte das Geld?

Klar, ich musste eine Familie ernähren. Ich war Saxofonist in einer Band, und als Roy Black fragte, ob wir mit ihm auf Tournee gehen... Na ja, es gab 8000 Mark pro Nase - für zwei Wochen.

Was für Musik machen Sie heute?

Nur noch solche, die mir Spaß macht. Wie die Arbeit hier in meinem Studio mit der Jazz-Funk-Band »BAG«. Besonders aber liegen mir Geschichten und Lieder für Kinder am Herzen, wie »Bimmy, das rote Riesenkänguru«, ein Hörspiel, das ich mit meiner Frau und unseren Kiddies aufgenommen habe. Die Kinder sind unsere Zukunft!

Interview: Ulrike von Bülow