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was-macht-eigentlich: Irene Epple

Die Tochter eines Zimmermanns aus Seeg im Ostallgäu war eine der erfolgreichsten deutschen SKILÄUFERINNEN. Nach langer Verletzungspause beendete sie 1985 ihre Karriere

Die Tochter eines Zimmermanns aus Seeg im Ostallgäu war eine der erfolgreichsten deutschen SKILÄUFERINNEN. Nach langer Verletzungspause beendete sie 1985 ihre KarriereZur Person :

FAMILIENLEBEN - Irene Epple, 43, ist mit dem früheren Bundesfinanzminister Theo Waigel, 61, verheiratet. Ihr Sohn Konstantin ist inzwischen fünf Jahre alt. Nach ihrer Sportkarriere studierte Irene Epple Medizin, arbeitete bis zur Geburt des Kindes als Unfallärztin in Füssen. 1978 gewann Irene Epple die Silbermedaille bei der WM-Abfahrt in Garmisch

Wie geht's Ihrem Knie?

Ich habe eine schwere Arthrose als Folge der früheren Sportverletzungen. Ich bin leider, ohne es zu wissen, sechs Jahre mit gerissenem Kreuzband Ski gefahren. Damals war die Medizin noch nicht auf dem heutigen Stand. Vor ein paar Monaten bin ich noch einmal operiert worden - auf lange Sicht droht mir wohl ein künstliches Gelenk.

Und das lässt sich nicht verhindern?

Vielleicht. Wenn Konstantin im Kindergarten ist, trainiere ich auf meinem Trampolin und mache Krankengymnastik - jeden Tag zwei Stunden. Ich kann zum Glück wieder schmerzfrei Treppen gehen.

Sie treten nie im Fernsehen als Co-Kommentatorin oder Skiexpertin auf. Warum?

Ich habe mit dem Skisport kaum noch Berührungspunkte. Die Zeit damals war schön, aber manchmal auch mit Enttäuschungen verbunden.

Skisport fördere Egoismus und Narzismus, haben Sie am Ende Ihrer Karriere gesagt.

Ich komme aus einer Handwerkerfamilie und habe meine Wurzeln nie vergessen. Das hat geholfen. Trotzdem war der Abschied von der Skibühne schwer: Den Pensionsschock hatte ich mit 27.

Sie haben Medizin studiert und als Ärztin gearbeitet. Wollen Sie in Ihren Beruf zurück?

Vielleicht. Im Moment sind meine Prioritäten die Familie und die Stiftung Kindergesundheit. Wir unterstützen Kampagnen zur Vorbeugung und Behandlung von Allergien und Übergewicht. Ich halte Grußworte und Vorträge und bin auf Benefizveranstaltungen präsent, damit genug Spenden zusammenkommen.

Sind die deutschen Kinder zu dick?

Ja, leider zu viele. Bewegungsmangel und falsche Ernährung fordern ihren Tribut. Kinder essen zu viel und zu fett, statt Pommes frites müsste es Pellkartoffeln geben. Die Stiftung hat mit Experten ein Übungsprogramm entwickelt, das sich »Power-Kids« nennt. Das funktioniert wie ein Spiel: »Fettpunkte« müssen durch »Activity-Punkte« ausgeglichen werden - und die gibt's ganz bestimmt nicht für Fernsehgucken.

Treibt Konstantin genug Sport?

Der rennt sowieso den ganzen Tag herum. Wir fahren auch viel Fahrrad und gehen zum Mutter-Kind-Turnen. Zum Leidwesen des Papas mag er aber keinen Fußball.

Sie kämpfen auch gegen den sexuellen Missbrauch von Kindern.

Man kann nicht nur erschüttert sein, man muss auch was tun. 1997 habe ich mit Detlef Drewes von der »Augsburger Allgemeinen« den »Gipfel für Kinder« gegründet. Wir haben etliche Fachtagungen organisiert, bis zur Kinderschutz-Konferenz 1998 in Bonn. Jetzt versuche ich gerade, im Allgäu einen Runden Tisch zu initiieren.

Sie haben mal gesagt, man muss Kinderschänder ächten. Soll man deren Adressen bekannt geben?

Der Wunsch ist aus der Sicht von Eltern verständlich. Auch deswegen, weil es sich oft um Rückfalltäter handelt. Juristisch ist das aber sehr problematisch. So wie in England, wo Kinderschänder beinahe gelyncht worden wären, geht es natürlich nicht.

Ist es schwierig, sich für das Thema zu engagieren?

Ja. Immer dann, wenn ein Kind ermordet oder missbraucht wird, ist die Erschütterung groß. Und danach gerät es wieder in Vergessenheit. Wir dürfen aber nicht müde werden.

Seit Ihr Mann nicht mehr Minister ist, muss das Leben ruhiger geworden sein.

Wir haben jetzt wesentlich mehr Zeit für uns. Das freut mich - uneingeschränkt. Als ich im Krankenhaus war, hat er sich um Konstantin gekümmert. Das wäre früher nicht möglich gewesen.

Hören Sie noch Cassetten über positives Denken wie damals als Skistar?

Die brauche ich schon lange nicht mehr. Theo ist mein Kompass geworden.

Aber er sagt nicht immer das Gleiche wie die Cassetten.

Gott bewahre! Theo bringt mich oft zum Lachen, er hat unglaublich viel Humor. Als Finanzminister konnte er ihn nicht so zeigen.

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