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Whitney-Houston-Tour: Hechelnd, krächzend, rülpsend

Die gute Nachricht vorweg: Whitney Houston singt live. Hörbar. Doch auch beim letzten Auftritt ihrer aktuellen Tournee in Deutschland versagt am Montag in der Frankfurter Festhalle ihre Stimme. Das Publikum spürt: Die Sängerin hat Sehnsucht nach Liebe.

Krächzend singt Whitney Houston irgendwas von "always love you". Sie macht eine kurze Handbewegung, bricht die Liebeshymne ab. Ein Fan ruft in die Stille: "Versuch es!" Doch die Diva kann nicht mehr. Mit Stücken, bei denen sie nicht um jeden Ton kämpfen muss, setzt sie das Konzert am Montagabend in der Frankfurter Festhalle fort. Während ihrer Europa-Tournee präsentiert sie ihr neues Album "I look to you". Und dabei sucht sie - auch bei ihrem letzten Deutschland-Auftritt während der Tour - ganz offensichtlich vor allem nach Liebe.

Während des Klassikers "I wanna dance with somebody" wiederholt sie die Textzeile "who loves me" ("der mich liebt"). Sie ergänzt immer wieder "who really loves me" ("der mich wirklich liebt") und "who loves only me" ("der nur mich liebt"). Sie wird immer lauter, zeigt auf sich, fordert das Publikum zu mehr Beifall auf - und verzieht das Gesicht, wenn ihr der zu leise ausfällt.

Ins Mikro rülpst Houston zwar nicht - wie beim Auftakt in Berlin. Aber die einst so gefeierte US-Soulstimme ertönt nicht annähernd mehr so wie früher. Die 4200 Fans bejubeln die 46-Jährige dennoch. Für jeden halbwegs getroffenen Ton gibt es Szenenapplaus. Ab und zu lässt die Sängerin anklingen, dass sie durchaus noch Kraft für mehr hätte.

Minutenlang badet sie geradezu im Beifall ihrer Fans. Sie strahlt, wirkt gerührt. Trotz einiger vermasselter Auftritte, trotz schlechter Kritiken lockt die Sängerin immer noch tausende Leute an. Sie lassen die Kassen der Konzertveranstalter klingeln. Zwischen 64 und 114 Euro kosteten die Tickets für das Konzert in der Festhalle.

Ohne die Unterstützung guter Background-Stimmen, der Liveband und vier Tänzern wäre der Houston-Auftritt mehr Debakel als Show. Ihr Team rettet, was zu retten ist - und im Applaus atmet die Diva auf. Denn die Luft fehlt spätestens seit dem zweiten Lied. Hechelnd stakst die Sängerin in einer sehr engen, sehr silbrigen, sehr funkelnden Hose über die Bühne. Immer wieder wischt sie mit einem Tuch Schweiß aus dem Gesicht. Dabei nuschelt sie ins weiße Mikrofon - irgendetwas über Liebe.

Sie kann es nicht mehr wirklich auf der Bühne - aber noch weniger kann sie ohne. Das habe Whitney Houston mit vielen Promis gemeinsam, wie Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen, sagt. Viele Stars treibe Narzissmus, gepaart mit mangelnder Selbstkritik an. Bei Marilyn Monroe, Elvis Presley und Michael Jackson sei es genauso gewesen, sagt der Autor des Buchs "Celebrities. Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein". Allerdings: "Wer selbst Probleme hat, kann Gefühle authentischer rüberbringen."

Marco Krefting, DPA / DPA