Balenciagas Erben Spaniens Designer wollen wieder nach oben


Immer mal wieder brachten die Spanier große Namen hervor: Fortuny, Balenciaga oder Paco Rabanne. An diesen Glanz anknüpfen zu können, das hoffen die spanischen Designer.

Agatha Ruiz de la Prada ist optimistisch gestimmt: "Die spanische Mode befindet sich in einer Aufbruchstimmung. Allmählich entwickeln unsere Designer ein Selbstbewusstsein." Sie selbst gehört zu den zurzeit wenigen Modemachern des Landes, die auch international eine Rolle spielen. Immer mal wieder brachten die Spanier große Namen hervor: Fortuny, Balenciaga oder Paco Rabanne. An diesen Glanz anknüpfen zu können, das hoffen die Teilnehmer der am Freitag zu Ende gegangenen Madrider Defilees "Pasarela Cibeles".

Vier Tage lang stellten dort 27 Designer der heimischen Modeszene ihre Damenkollektionen Frühjahr/Sommer 2004 vor. Dass Agatha Ruiz de la Prada der Star unter ihnen ist, hat seinen Grund. Sie kann sich mit einer eigenen Handschrift positionieren. Farben mit der Kraft eines Tornados sowie Muster aus der zeitgenössischen Kunst und in kindlicher Verspieltheit finden vor allem in Südeuropa ihre Fans.

Nicht schlechter, aber auch nicht anders

Diese Individualität fehlte den meisten Teilnehmern der "Pasarela Cibeles". Was sie zeigten, war nicht schlechter als das, was in Mailand oder Paris über den Laufsteg geht, aber eben auch nicht zwingend anders. Nur weniger pompös inszeniert, selbst wenn mit dem englischen Topmodel Stella Tennant ein renommiertes Aushängeschild für die diesjährige Veranstaltung verpflichtet wurde.

Gelang es in den 80er und 90er Jahren bis dato als Modenation unbedeutenden Ländern wie Japan oder Belgien, sich mit neuen Sichtweisen einen Platz am Markt zu sichern, können die Spanier ähnlich Revolutionäres nicht bieten. Ihr gemeinsamer Nenner ist mit der Lust am Dekorativen und dem Betonen der Weiblichkeit weit weniger markant.

Mediterran-üppige Farben und Muster

Javier Larrainzar etwa glänzte in Madrid in Seide, Brokat und Satin, setzt seine Tweedkostüme mit dekorativen Blenden ab und versieht lange Blumenkleider mit Rüschenborten. Jesus del Pozo greift auf die Silhouette der 40er Jahre zurück, virtuos spielt er dabei mit Falten, wickelt und knotet. Der Weg in eine eigene Modesprache scheint für die spanischen Designer über ihr mediterran-üppiges Farb- und Musterverständnis laufen zu können.

Neben Agatha Ruiz de la Prada brachten diese Stilmittel auch Custo Barcelona durchaus beachtliche Erfolge ein. Das Label zeigte seine Kollektion allerdings nicht in Madrid, sondern in New York. Wer weltweite Aufmerksamkeit erzielen will, muss sich die immer noch in den etablierten Modemetropolen holen. Denn auf den Zuschauerrängen der "Pasarela Cibeles" saß zum großen Teil spanisches Fachpublikum.

Konkurrenz zwischen Barcelona und Madrid

Zudem fanden vor zwei Wochen schon einmal Modenschauen in Spanien statt, die "Pasarela Gaudi" von Barcelona, was den Wunsch nach einem umfassenden Überblick erschwert. Beide Städte ringen um die Vorherrschaft, versuchen, die bekanntesten Namen an sich zu binden.

Aktuell ruhen die Hoffnungen der spanischen Designer-Gilde auf einen neuen Aufschwung ausgerechnet auf Zara, der weltweit erfolgreich agierenden Bekleidungskette aus La Coruna. Sie hat das Image der spanischen Mode kräftig modernisiert. Zara gilt zwar als flink, modisch und clever, aber auch als einer der größten Kopisten. Der Madrider Designer Angel Schlesser sieht hier jedoch eher eine Motivationshilfe: "Die sind so gut, sie zwingen uns, noch besser zu werden."

Von Axel Botur, dpa


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