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Benedikt XVI.: Des Papsts neue Kleider

Bisher sorgte Benedikt XVI. mit seinen Kleidern für mehr Furore als mit angekündigten Reformen. Die feuerroten Schuhe, die von Prada geschustert sein sollen, haben's seinen Schäfchen besonders angetan.

Von Claudia Pientka

Eigentlich haben Kleriker nicht wirklich große Auswahl, was ihre Garderobe betrifft. Am allerwenigsten wohl der Papst. Tagsüber trägt er weiße Soutane, darüber seinen weißen Schulterumhang, die Mozzetta, auf dem Kopf thront die weiße Scheitelkappe. Ziemlich eintönig, wäre da nicht noch die etwas farbenfrohere liturgische Kleidung, seine Ausgehkleidung für die Messfeiern. Variationen in rot, gold, violett und grün sind hier möglich, je nach Feiertag und Festzeit. Doch trotz des Einheitslooks hat es Papst Benedikt XVI. geschafft, seine Kluft mit einer persönlichen Note zu versehen. So sehr, dass italienische Medien ihn zum Prada-Papst beriefen.

Denn Benedikt hat einige kreative Schlupflöcher gefunden. So wurde er in Schuhen des Herstellers Geox gesichtet, die man ihm natürlich kostenlos hatte zukommen lassen - als Spende sozusagen. Im Alpenurlaub zeigte sich der Pontifex in Sportjacke und Basecap von Adidas, der Marke, die auch Popstar Madonna in ihrer Freizeit bevorzugt. Auch bei der Auswahl seiner Accessoires lässt seine Heiligkeit große Sorgfalt walten: Die Marke seiner Sonnenbrille ist "Serengeti Glasses", die Form topmodern mit dunklem Metallrahmen und doppeltem Nasenbügel. Sein Pectorale, das an einer Kette hängende Brustkreuz überm Ornat, ist filigran und dennoch reich verziert mit Smaragden. Welch' ein Unterschied zum betont schmucklosen Goldkreuz Papst Johannes Pauls II.. Und auch die Arbeits- und Alltagskleidung Benedikts hat anderen Ursprung als die des Polen. Statt sich weiterhin von der römischen Privatschneiderei Gammarelli einkleiden zu lassen, die immerhin seit Ende des 18. Jahrhunderts prächtige, klerikale Gewänder in den Vatikan lieferte, wechselte Benedikt zum sportlicheren Konkurrenten Euroclero, wie die italienische Zeitung "Corriere della Sera" berichtete.

Dass er nicht nur modisch, sondern auch modern ist, demonstriert Benedikt mit seiner persönlichen Unterhaltungselektronik. Er besitzt einen schneeweißen, bleistiftdünnen Ipod-Nano, dessen Rückseite mit einer Widmung graviert ist: "Seiner Heiligkeit, Benedikt XVI". Das gute Stück war ein Geschenk der vatikaneigenen Radiostation. Darauf zu hören: Auszüge des päpstlichen Radioprogramms und Werke von Benedikts Lieblingsstar Mozart. Und mit einer neuen Küche und Waschmaschine kehrte das nächste Jahrtausend auch in die päpstliche Küche ein - zur Freude der der Haushalt führenden Nonnen.

Doch wie heikel das Terrain der Mode sein kann, musste seine Heiligkeit an Weihnachten erleben. Obwohl seit dem 11. Jahrhundert päpstliche Tradition, empörten sich einige Tierschützer über seine Kopfbedeckung. Denn am 28. Dezember 2005 schützte Benedikt seine Ohren mit der Kamauro vor Kälte, einer fellbesetzten und mit Hermelin gefütterten roten Samtmütze. Andere Beobachter waren eher amüsiert über die dadurch entstandene Ähnlichkeit zum Nikolaus. Für noch größere Furore sorgt ein knallrotes Paar nahtloser Slipper, das der Papst gelegentlich trägt. "Prada" posaunte die englische Boulevard-Presse heraus und ganz Italien war entzückt. Seitdem hat Benedikt seinen Spitznamen weg: Prada-Papst. Dass der Vatikan diese Herkunft dementiert und stattdessen den päpstlichen Schumacher Adriano Stefanelli als Designer benannte, stört viele indes nicht. Er bleibt dennoch der modischste Papst auf dem heiligen Stuhl.