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Benedikts Kleider Was hat der denn an?


Es sieht aus wie ein simples Zwiebelprinzip, doch es bleibt nichts dem Zufall überlassen: Umhang, Stola, Schuhe - die Gewänder des Papstes sind sorgfältig ausgewählt. stern.de erklärt das Papst-Outfit.
Von Jens Maier

Den Papst anzuziehen ist gar nicht so einfach: Zeremonienmeister Guido Marini wacht mit Argusaugen über seine Kleidung. Ein grünes Messgewand mit goldenen Stickereien hatte das Berliner Erzbistum dem Pontifex für seine Predigt im Olympiastadion überreicht. Von Hand genäht versteht sich, gefertigt von einem Amberger Traditionsunternehmen für Kirchenbedarf. Doch selbst mit Geschenken ist das beim Papst nicht so einfach. Marini segnete den Entwurf persönlich ab. Und auch sonst bleibt bei den Gewändern des Papstes nichts dem Zufall überlassen.

Während der Messfeiern richtet sich die Kleiderordnung streng nach der Liturgie. Da wäre zum einen die Farbe: Weiß, rot, grün, violett, schwarz und rosa können die Messgewänder sein. Wann welche Farbe getragen wird, richtet sich nach dem Kirchenjahr. Violett wird zum Beispiel zur Advents- und Fastenzeit angelegt, rot am Karfreitag und an Pfingsten, in der restlichen Zeit meist grün. Doch nicht nur die Farben, auch die Anordnung der Kleider des Papstes ist streng geregelt.

Zwiebelprinzip, so ließe sich das Outfit von Benedikt XVI. bei seiner Berliner Messe wohl am einfachsten umschreiben. Als er den Arm zum Segen hebt, ist gut zu erkennen, dass er fünf Kleiderschichten übereinander trägt - angefangen vom Hemd bis zum Brokatumhang. War ihm vielleicht kalt? Nein! Was ausschaut, als habe der Papst wahllos Kleidungsstücke übereinander angezogen, ist kein Zufall.

Die Kleiderschichten des Papstes von innen nach außen:

1. Eine weiße Albe. Sie ist das liturgische Grundgewand. Knöchellang erinnert sie oft an ein Taufkleid. Sie ähnelt allerdings auch einem Nachthemd.

2. Eine weiße Soutane.

Das Alltagsgewand eines Papstes. Dazu gehört ein weißer Schulterumhang mit Knopfleiste, die sogenannte Mozzetta, eine mit dem Wappen des Papstes verzierte weiße Stola und das Zingulum, ein weißer, breiter Gürtel. Die Soutane ist ein außerliturgisches Kleidungsstück, deshalb wird sie bei Gottesdiensten nur als Untergewand getragen.

3. Ein weißer Chorrock.

Er ist meist aus feiner Spitze genäht und knöchellang. Oft lugt er unter der restlichen Kleidung wie ein weißer Unterrock hervor.

4. Eine grüne Dalmatik.

Sie ist das festlich geschmückte Obergewand und war eigentlich etwas aus der Mode gekommen. Erst Papst Benedikt hat sie als festen Bestandteil seiner liturgischen Kleidung wieder eingeführt.

5. Eine grüne Kasel.

Sie ist ein ärmelloser Überwurf mit Kopfausschnitt. Auf der Vorder- und Rückseite ist ein in Gold gehaltenes Kreuz zu sehen. Zudem zeigt es das Symbol PX für Jesus Christus und die griechischen Buchstaben Alpha und Omega. Darüber liegt das sogenannte Pallium mit sechs roten Kreuzen. Es ist das Abzeichen des Papstes und eine Insignie seiner Vollgewalt. Drei der aufgestickten Kreuze sind mit Nadeln durchstochen und symbolisieren die die drei Kreuzesnägel Jesu.

Der Teufel trägt Prada, der Papst nicht

Als Kopfbedeckung trägt Benedikt XVI. außerdem eine als Pileolus bezeichnete weiße Scheitelkappe, darüber die reich verzierte Mitra, die im Gottesdienst zwischen Gesang und Kommunion abgenommen wird. Das Messgewand komplett machen die roten Lederschuhe. Oft wird fälschlicherweise behauptet, dass diese von der italienischen Designer-Marke Prada für den Papst angefertigt werden. Das stimmt allerdings nicht. Sie stammen von dem in Rom ansässigen peruanischen Schuhmacher Antonio Arrelano. Insgesamt gleicht das Papstgewand damit dem eines Bischofs.

Dass Benedikt in seiner Freizeit keine Jogginghosen oder Jeans trägt, versteht sich von selbst. Aber auch im Anzug ist er niemals zu sehen. Er wird von der weißen Soutane mit Schulterumhang, Gürtel und Scheitelkappe ersetzt. Wie unpraktisch dieses Kleidungsstück auf Reisen sein kann, zeigte sich bei der Ankunft des Papstes am Berliner Flughafen. Benedikt hatte alle Mühe, die Mozzetta (Umhang) bei starken Windböen zu bändigen.


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