HOME

Bushido: Socken vom Rüpelrapper

Die einen halten es für Ausverkauf, die anderen für Geschäftssinn, und dem großen Rest ist es egal. In Berlin hat ein "Bushido-Store" eröffnet. In dem wohldesignten Laden können Kinder Autogrammwünsche abgeben, während Mama Sekt schlürft und Papa Bushido-Socken ersteht. Das Ghetto muss jedenfalls draußen bleiben.

Von Sophie Albers

Es ist ein gepflegtes Ambiente, viel Weiß, viel Platz, und an der Decke hängt sogar ein Kronleuchter. Nichts auf den 350 Quadratmetern Verkaufsfläche am Alexanderplatz erinnert im entferntesten daran, worauf der Laden gebaut ist: auf Geschichten aus dem Gangsta-Ghetto, auf Sex, Drogen und Gewalt, um mal die Reizworte zu bemühen. Es ist einfach so: Der Berliner Rapper Bushido ist der einzige Vertreter seiner Art, der in Deutschland tatsächlich das geschafft hat, was seine amerikanischen Kollegen seit Jahren vorleben: von der Straße in die Business-Lounge mit 180 Stundenkilometern.

Angesehener Bürger

Auch Bushido hat sich mit dreckigen Raps reingewaschen. Mit den handelsüblichen Asphalt-Fantasien zu harten Beats hat er ein Vermögen gemacht. Und Geld erinnert sich nicht daran, wo es herkommt. So ist der perspektivlose Junge aus Tempelhof, der einst Drogen vertickte und sich auf dem Hermannsplatz prügelte, ein angesehener Bürger im deutschen Unterhaltungsland geworden. Er sitzt bei Kerner und neben Harald Schmidt, seine Biografie ist "Spiegel"-Bestseller, und am liebsten schneidet er die Hecken im Garten seiner Villa in Dahlem, wie er erzählt. Nun hat er eben auch eine eigene Bekleidungslinie. Die heißt Ferchichi, das ist Bushidos bürgerlicher Nachname.

So hat es ja auch schon Puff Daddy gemacht, der seiner Modelinie seinen Vornamen Sean John verpasste. Es ist die endgültige Rehabilitierung. Es ist der Name, unter dem sie vor den Richter gerufen wurden, unter dem sie außerhalb der Gesellschaft standen. Sie haben sich selbst reingeholt. Wie Sean John ist auch der Ferchichi-Style eher distinguiert. Zwar sagt Bushido, er habe sich von der Kleidung inspirieren lassen, die er selbst gerne trage, doch ist es eben die, die er heute als gemachter Mann an seinen Körper lässt: Wollpullis mit V-Ausschnitt, Oberhemden und Poloshirts haben nichts zu tun mit dem Neukölln-Style, der ihn berühmt gemacht hat. Die Bad-Boy-Marken Picaldi und Cordon Sport müssen Ferchichi als Konkurrenz nicht fürchten. Das verhindern schon die Preise.

Bushidos Jugendzentrum

Bleibt das große "Warum?", das einen überfällt, wenn man an der weißen Cocktailbar Platz genommen hat und Bushidos Auszeichnungen bewundern darf, die darüber fein säuberlich aufgereiht sind. "Eine weitere Facette meiner Persönlichkeit" sagt der Rapper, zu dessen großen Talenten gehört, für alles und jeden eine Erklärung zu finden, die noch dem letzten Idioten gefällt und plausibel erscheint. Hier kommt die für den Laden: Er wolle sein eigenes Jugendzentrum aufmachen, sagt Bushido. "Die Leute können hier chillen", Fans Autogrammwünsche abgeben, außerdem wolle er regelmäßig selbst vorbeikommen. Er posiert in pinkfarbenem Polohemd und schwarzer Jogginghose vor Fotografen und lächelt sein kurzes Bühnenlächeln. Ein paar Anzugleute kommen vorbei, begrüßen und loben ihn. Er wolle den Menschen etwas zurückgeben, sagt der rappende Geschäftsmann. Nur müssen sie eben dafür bezahlen.