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Fashion Week Berlin: Michalskys Mode-Marathon

Designer Michael Michalsky lud am Freitagabend zur "StyleNite" in den Friedrichstadtpalast. Doch statt eines großartigen Showabends erlebten die Zuschauer einen nicht enden wollenden Programmmarathon.

Von Jens Maier, Berlin

Wolfgang Joop ist inzwischen Dauergast bei den Modenschauen von Michael Michalsky. Im Sommer 2008 stürmte er am Ende der Show als erster hinter die Kulissen, um seinem Kollegen für eine gelungene Kollektion zu gratulieren. Auf derlei Ehrerbietung des Altmeisters musste Michalsky in diesem Jahr allerdings verzichten. Noch vor dem Ende der Veranstaltung verließ Joop den Saal - offenbar in weiser Voraussicht, was ihn noch erwarten würde.

Fast 2000 geladene Gäste waren am Freitagabend in den Friedrichstadtpalast gekommen, um die erste "StyleNite" mitzuerleben. Drei Berliner Modelabels hatten sich zusammengetan: Michael Michalsky, Lala Berlin und Kaviar Gauche zeigten ihre Kreationen für den kommenden Herbst und Winter 2010 gemeinsam. Von einem völlig neuen Eventkonzept hatte Michalsky vorab gesprochen. Ziel sei es, "dem Fachpublikum einen Abend zu bieten, der inhaltlich und qualitativ weit mehr leistet als die übliche Catwalk-Viertelstunde".

Doch das angekündigte Fashionfestival blieb aus. Stattdessen wurde den Zuschauern ein vierstündiger Programmmarathon zugemutet, unterbrochen von unzählig langen Pausen. Manch einer wähnte sich bei einer Feuerübung: Rein in den Saal, raus ins Foyer, wieder rein in den Saal. So ging das nach jedem einzelnen Catwalk, sodass am Schluss selbst der enthusiastischste Modenschaubesucher tief in den Sitzen der Zuschauerränge hing und sich fragte: Wie lange noch?

Dabei hatten die Veranstalter am Unterhaltungsprogramm nicht gespart: Welche Modenschau kann schon mit einer lebenden Discokugel - die Künstlerin Bella Berlin tanzte in einem von Scheinwerfern angestrahlten Mosaikspiegel-Anzug zu einem Klaus-Nomi-Musikmix - und einem Konzert der 80er-Jahre-Band "Spandau Ballet" aufwarten? Trotzdem wollte der Funke nicht überspringen. Warum? Weil bei all dem Brimborium die Kollektionen der Designer nicht überzeugen konnten.

Die Rückkehr der Schulterpolster

Lala Berlin schickte seine Models im Werwolf-Look auf den Laufsteg. Mit dunkel geschminkten Augenrändern und hoch toupierten Haaren zeigten sie silbrig schimmernde Stoffe im Metallic-Stil, großschlaufige Wolljacken und als Kontrast zu den dunkel gehaltenen Farbtönen einen orangefarbigen Hosenanzug. Kaviar Gauche entdeckten die Schulterpolster wieder und ließen es von fast allen Entwürfen glitzern, entweder durch aufgenähte Strasssteine oder schimmernde Stoffe. Dazu zeigten sie die nach wie vor unvermeidliche Leggins kombiniert mit Bein hohen Stiefeln und einen hauteng anliegenden Hosenanzug, der dem Spiegelanzug von Bella Berlin ziemlich nahe kam. Beide Kollektionen werden wohl ihre Käufer finden, doch neue Impulse gehen von ihnen nicht aus.

Ein kreativer Paukenschlag fehlte leider auch beim vollmundig angekündigten "modischen Highlight des Abends", der Schau von Berlins Modeliebling Michael Michalsky. Die Herren steckt er in bequeme Stoffhosen, die auf grün schimmernden Springerstiefeln aufliegen. Dazu kombiniert er Hoodies und lässig geschnittene Stoffjacken in Grau- oder Schwarz-Tönen. Die Damen bekommen auch bei Michalsky dank silbrig oder schwarz glänzender Stoffe die nötige Portion Glamour. Statt Leggins erlaubt er dem weiblichen Geschlecht leicht durchsichtige Kniestrümpfe, die ein wenig an Schulmädchen erinnern. Blusen mit Puffärmeln und ein langes Abendkleid in Gelb runden eine insgesamt gelungene Kollektion ab, der jedoch die Highlights fehlen.

Es scheint fast so, als habe Michalsky in der Wirtschaftskrise der Mut zur Opulenz verlassen. Dabei hatte er noch vor einem Jahr nicht mal vor üppiger und verschwenderischer Pelzmode zurückgescheut. Oder regiert auch in seinem Modeimperium mittlerweile der Zwang, nur noch das kreieren zu dürfen, was renditestark abgesetzt werden kann? Modische Experimente ersetzt Michalsky stattdessen durch eine übersteigerte Selbstinszenierung. Seine Besucher empfing er vor dem Friedrichstadtpalast mit einem riesigen Plakat, auf dem er in selbstgefälliger Showbusiness-Pose mit Fliege zu sehen war.

Wolfgang Joop fand das mutig. "Ich hätte mich das nicht getraut", sagte er dazu. Seinen Mut scheint Michael Michalsky also nicht verloren zu haben. Hoffentlich kehrt er auch bald wieder in seinen Kollektionen zurück.