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Hells Angels: Hört auf über Madonna zu lästern!

Wer sich darüber echauffiert, dass Madonna beim "ESC" schief gesungen, hat, glaubt vermutlich auch noch an den Osterhasen. Schließlich dient die Bad Taste Veranstaltung nur einem Zweck: Einmal im Jahr dürfen wir uns über musikalischen Sondermüll aus aller Welt kaputtlachen.

Madonnas Performance rief Spott hervor.

Madonnas Performance rief Spott hervor.

Getty Images

Eigentlich wollte ich heute schon wieder über Heidi Klum schreiben. Sie hat Michael Michalsky von ihrer Hochzeit ausgeladen, weil er in einem Interview fies über sie und "Schatzi" abgelabert hat. Geil!

Nicht immer "Klumlitz"!

Aber dann habe ich mich selbst zur Räson gerufen – aus Angst, ermahnt zu werden, weil ich in letzter Zeit schon so oft über "Klumlitz" kolumnisiert habe. Hach, wenn die zwei Turteltäubchen doch nur nicht so schrecklich unterhaltsam wären …

Auch Madonna macht diese Woche von sich Reden. Das ist ihr Job. Seit unglaublichen FÜNFUNDDREISSIG Jahren. Angeblich hat sie beim "ESC" schief gesungen. Darüber lästern gerade alle im Netz. Schön dumm. Denn immerhin erfüllt der "ESC" doch seither nur den einen Zweck: Einmal im Jahr dürfen wir uns über musikalischen Sondermüll aus aller Welt kaputtlachen und jedes Mal einen Schnaps trinken, wenn Germany mal wieder "zero points" bekommt.

Madonna

Ohnehin zweifele ich an, dass "Madge" unter all den musikalischen Vollkatastrophen, die am Wochenende in Israel performt haben, das größte Übel gewesen sein soll. So wie es ihre Hater gerade bei Twitter und Co. behaupten. Ich finde es auch unhöflich, die "Queen of Pop" so hart zu dissen. Immerhin beschert uns Madonna seit 1984 zuverlässig ein Skandälchen nach dem anderen und Kracher wie "Like a Virgin", "Human Nature" oder "La Isla Bonita" versüßen seit über drei Jahrzehnten jede gute Party.

Patzer sind menschlich

Nebenbei setzt die 60-Jährige zuverlässig und regelmäßig ein politisches Statement nach dem anderen (auch beim "ESC" – trotz ausdrücklichem Verbot!). Sie kämpft für Menschenrechte, den Feminismus, sexuelle Selbstverwirklichung, Kinder in Afrika … Mal mehr, mal weniger erfolgreich. Aber Fakt ist auch: Madonna hätte sich längst – mit fast 61 Jahren – in eine ihrer Luxusvillen zurückziehen und die Tage damit zubringen können, in ihrem randgefüllten Geldspeicher schwimmen zu gehen. Tut sie aber nicht, weil es ihre Bestimmung zu sein scheint, andere – uns! – zu unterhalten. Und sei es mit einer peinlichen Performance beim "ESC".

Berufliche Patzer sind halt menschlich. Sympathisch. Sie passieren sogar "Überfrau" Madonna. Ist das nicht wahnsinnig beruhigend? Und: Statt wie viele andere Leute in ihrem Alter nur noch sehnsüchtig die Tage bis zum Renteneintritt zu zählen, haut die alleinerziehende Mutter von sechs Kindern mal eben ihr vierzehntes (!) Studioalbum raus.

Dafür sage ich: Danke, Madonna. Ohne dich wäre die Welt ein langweiligerer Ort. Und ich müsste heute schon wieder über "Klumlitz" schreiben.