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Fashionweek Westwood stürzt Berlin ins Chaos


"Chaos" hatte sie auf ihrem Stirnband stehen - als hätte sie's geahnt. Die Schau von Star-Designerin Vivienne Westwood stürzte die Berliner Modewoche gestern in selbiges. Endlich!
Von Jens Maier, Berlin

Gibt's hier noch Madonna-Tickets? Vor dem Berliner Bebelplatz gab es am Sonntagabend dichtes Gedränge. Hunderte von Menschen standen an, um an Karten zu kommen. Nicht für die Queen of Pop, sondern für eine Fashionqueen: Vivienne Westwood. Die Schau der englischen Designerin war der Abschluss der Berliner Modewoche und verlieh dem Event endlich das, was bisher gefehlt hatte: internationales Flair.

"Anglomania" hieß Westwoods Kollektion, die wegen des großen Andrangs im Fashionshowzelt erst mit einiger Verspätung gezeigt werden konnte. Auch die Designerin selbst kam erst kurz vor Beginn und nahm neben Stargast Kim Cattrall in der ersten Reihe des hoffnungslos überfüllten Zuschauerraums Platz. Die Arbeit überließ sie an diesem Abend anderen, das Ergebnis war trotzdem fantastisch.

Models werden zu Schauspielerinnen

Die Modenschau glich einer großen Fotosession. Statt grimmig dreinblickenden Models waren Schauspielerinnen mit Sturmfrisur zu sehen, die sich vor den Kameras in Pose warfen. Ein Hand-Küsschen hier, ein Flirt mit der Kamera dort - die Darstellerinnen klatschten sich sogar auf dem Laufsteg ab: Endlich eine Schau, die locker und unangestrengt wirkte. Die gezeigten Entwürfe standen dem in nichts nach.

Knallige Farben standen im Mittelpunkt: gelb, grün und lila. In weit überschnittenen Pullovern wurde immer wieder Schulter, in kurzen Kleidern Bein gezeigt. Dazu gab es Stiefel statt High Heels und ganz Westwood-like unzählige kleiner Accessoires: Buttons, Anhänger und Schnallen. Mit Standing Ovations und einem opulenten schwarzen Kleid, das mit goldenen Spitzen abgesetzt war, endete die Schau.

Westwood mit stehendem Beifall gefeiert

Bei keiner anderen Show der Berliner Fashionweek gab es so lange Beifall für einen Designer. Und das, obwohl das Lob eigentlich Westwoods Schülern gebührt. An der Drittlinie "Anglomania" legt die Engländerin nicht selbst Hand an, sondern überwacht lediglich die Arbeit. Den Berlinern war das egal. Sie feierten Westwood wie einen Popstar. Schließlich war sie die einzige internationale Top-Designerin, die in der Hauptstadt gezeigt hat.

Auch der dritten Berliner Fashionweek mangelte es an ganz großen Namen. Michael Michalsky, Dirk Schönberger und Bruno Pieters, die in Berlin präsent waren, haben zwar so einen, doch um im internationalen Modegeschäft Schlagzeilen zu machen bräuchte es einen Wolfgang Joop oder Karl Lagerfeld. Immerhin, beide waren als Gäste schon dabei. Jetzt müssen sie nur noch überredet werden, hier ihre Kollektionen zu zeigen.


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