Festival-Mode Sexy im Schlamm


Vorbei sind die Zeiten, als Jeans und Tour-T-Shirt der einzig richtige Look für die Open Air-Saison waren. Wer heute ein Festival besucht, muss sich warm anziehen: Models und It-Girls haben die Wiese zur Bühne der Mode erhoben.
Von Ulrike Blieffert

Früher war auf Festivals alles ganz einfach: Die Stars standen auf der Bühne und die Fans standen davor. Sie trugen Jeans und dazu die alten Tour-T-Shirts ihrer Helden. Seit sich aber Models und It-Girls unters Publikum im südenglischen Glastonbury mischen, gibt es dort Best-dressed-Listen. Neben Normalsterblichen applaudierten in diesem Juni Kate Moss, Kelly Osbourne und Pixie Geldof den Bands. Was sie anziehen, prägt nicht nur in Großbritannien den Festival-Stil, sondern auch auf dem Kontinent - in Roskilde und beim Rock am Ring-Festival in der Eifel zum Beispiel.

So wie Stars hübsche Mädchen magnetisch anziehen, ist auch der Glastonbury-Look eine Mischung aus Rock'n'Roll und Glamour - plus Gummistiefeln. Ohne die "wellies" geht beim regen- und schlammreichen britischen Woodstock gar nichts. Und weil Kate Moss schwarze Stiefel der Traditionsfirma Hunter bevorzugt, sind diese in England jetzt heiß begehrt.

Auf deutschen Festivals mag man es bunter: Farbige und bedruckte Gummistiefel sind erste Wahl. Die Auswahl - auch an Designer-Modellen - ist groß, seit Festivals praktisch die Fashion Week ersetzen. Das beste Accessoire dazu: lange schlanke Beine. Denn über den Stiefeln kommt erstmal lange nichts - außer eventuell Overknee-Strümpfen - bis man schließlich den Saum eines Super-Minis oder einer Hotpant erreicht. Aber auch das ist schon ein Kompromiss: Trendvorlage Kate Moss verzichtet einfach ganz auf den Mittelteil und trägt zu Stiefeln nur ein langes Top, zum Beispiel von American Apparel.

Wiedergeburt der Doc Martens

Mit Woodstock fing 1969 alles an. Der Hippie-Look erlebt auch 2008 eine Renaissance, denn neben Waller-Kleidern sind in dieser Saison auch schmale geflochtene Stirnbänder wieder in. Wie vom Laufsteg abgeschaut, drapieren sich Festival-Besucher damit die langen Haare zu eigenwilligen Pilzfrisuren. Das ist aber nur einer von mehreren aktuellen Trends, die aufgegriffen werden. So macht der gute alte Doc Martens den Gummistiefeln Konkurrenz, seit das britische Übermodel Agyness Deyn auf der Straße in einem pinkfarbenen Paar der Schnürstiefel fotografiert wurde. Der neue Liebling der Londoner Society Alexa Chung zeigte in Glastonbury gleich fünf Trends auf einmal. Die TV-Moderatorin und Freundin des Arctic Monkey-Frontmanns Alex Turner erschien in Jeansshorts mit hoch geschnittener Taille, dazu trug sie Overknee-Strümpfe, Ringelshirt, schwarze Rocker-Lederjacke und Trilby à la Pete Doherty.

Hut und Perrücke helfen beim Bad Hair Day

Ein Hut ist übrigens nicht nur trendy, sondern auch eine praktische Lösung, wenn die Frisur am Ende des zweiten Festivaltages den Schwung verliert. Die It-Girls nutzen dankbar die Möglichkeit, um wie authentische Fans zu wirken, die sich zwischendurch die Haare nicht waschen können. Bob Geldofs Tochter Pixie präsentierte sich deshalb mit roter Langhaar-Perücke oder einem bunten Schal auf dem Kopf. Vorsicht: Inkognito bleibt man so nicht. Da wirken riesige runde Designer-Sonnenbrillen schon besser - die trägt nämlich inzwischen jeder.

Wer allerdings an den It-Girls nach It-Bags Ausschau hält, wird enttäuscht. So praktisch sind die Mädels dann doch, dass Riesen-Shopper und Co. zuhause bleiben. Im besten Fall baumelt mal ein winziges Umhängetäschchen an einem Model. Groß heraus kommt beim Festival dafür das Regenzeug. Wenn es richtig schüttet, lässt die Fashionista sich nicht in Plastikfolie blicken. Während Engländerinnen zur traditionellen Barbour-Jacke greifen, macht man das im dänischen Roskilde lieber nicht nach: Ein knallgelber Friesennerz ist doch der bessere Hingucker.

Kate und Co. machen uns vor, wie man selbst im Schlamm den Sexappeal noch hoch hält - ein gutes Groupie lässt sich eben auch in Ausnahmesituationen nicht unterkriegen. Da kann man sich einiges abschauen: für den Spielplatz oder die Gartenarbeit zum Beispiel. Bleibt die Frage, wie man nächstes Mal zum Festival anreist, denn auch die Klamotten müssen ja irgendwo untergebracht werden. Es ist nur verständlich, dass man jeden Tag in einem neuen Outfit überraschen will. Deshalb übernachtet man am besten - wie die Stars - im komfortablen Wohnmobil. Wem das alles zu bunt wird, der kann es auch ganz einfach mit Zelt, altem Tour-T-Shirt und Jeans versuchen. Wahrscheinlich wird das sowieso der neue Trend.


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