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Flirt-Trends: "Hey Süßer, mein Schuh flirtet mit dir"

"Sprechende Sneakers", Smileys im Handy oder die Wiedergeburt der eleganten Fächer: Flirten ist nicht mehr das, was es früher mal war. Non-verbale Kommunikation ist in - die Unternehmen haben diesen Trend längst erkannt.

Ob Autoaufkleber, Smiley oder Plüschherz - beim Flirten werden Bilder und Zeichen immer wichtiger. Trendforscher beobachten, dass täglich mehr junge Menschen auf Liebesbriefe und wortreiche Techtelmechtel verzichten. Sie setzen auf Zeichensprache, um nach einem flüchtigen Blick auf das jeweilige Symbol schnell in Kontakt zu treten.

"Der Trend geht bei jungen Leuten eindeutig zur non-verbalen Kommunikation", sagt Oliver Perzborn vom Hamburger Trendbüro. Von der Softwarefirma, die sich "Emoticons" für alle Liebeslagen ausdenkt, bis zum Nippesproduzenten, der Herzen in allen Variationen anbietet - versuchen ganze Branchen mit dem Gefühlsleben der "Netzwerk-Kinder" Geld zu machen. Laut Perzborn geht es den Heranwachsenden vor allem darum, ihre Botschaften kurz und prägnant rüberzubringen.

Wörterbuch mit Schuh-Flirt-Codes

Die Kommunikationsbranche hat diesen Trend längst erkannt. Ins Handy getippte Buchstabenkombinationen ersetzen ganze Wörter, die gelben Smileys beschreiben Gefühle in Kurzform. Der Netzbetreiber O2 spricht von einem Boom der sms-Sprache. "Ein Viertel unserer Umsätze basiert inzwischen auf dem Verschicken von Kurznachrichten", sagte ein Firmensprecher. Allein über das O2-Netz hätten im vergangenen Jahr 2,8 Milliarden Menschen "gesimst", rund 600 Millionen Menschen mehr als im Vorjahr.

Wer in der Liebe nicht die richtigen die Worte findet, kann neuerdings auch seine Schuhe zur Hilfe nehmen. Das behauptet zumindest die Firma K-Swiss, die im Januar einen "sprechenden Sneaker" für junge Männer zwischen 16 und 24 Jahren auf den Markt gebracht hat. Jeder Schuh hat fünf Streifen auf jeder Seite, die über ein Schiebesystem in Höhe und Farbe verändert werden können. In Zukunft will das Unternehmen ein Wörterbuch mit den wichtigsten Codes ins Internet stellen.

Flirt-Codes haben sich geändert

Der 24-jährige Robert Hunjet aus Düsseldorf gehört zu rund 250.000 Heranwachsenden in Deutschland, die laut Hersteller die Schuhsprache bereits beherrschen. Bei ihm bedeuten vier Streifen runter, einen Streifen hoch "Looking 4 some-1" ("Ich bin noch zu haben"). Die Idee der Schuhsprache kommt aus Amerika und hat inzwischen in Deutschland, England und den Benelux-Ländern Fuß gefasst.

"Ich glaube nicht, dass junge Leute heutzutage beim Flirten gehemmter sind als früher, die Codes haben sich einfach geändert", sagte Trendforscher Perzborn. Aus den Graffiti der 80er Jahre habe sich eine Sprache für Eingeweihte entwickelt, die viel zielgerichteter und schneller als Kontaktanzeigen sei.

Was bedeuten die Fächergesten?

Auch eine alte Form der Kontaktaufnahme findet neue Freundinnen: Die Sprache der Fächer. Julia Schmidt aus Berlin hat eine Fächersprache-AG gegründet, in der sie mit Freundinnen die Flirtsprache des 17. und 18. Jahrhunderts übt. "Es macht mir unheimlich viel Spaß, mir vorzustellen, eine adelige Dame zu sein, die ihrem Auserwählten mit ihrem Fächer eine geheime Botschaft übermittelt", sagte die 16-Jährige.

Allerdings hat sie Zweifel, ob gleichaltrige Jungen ihre Fächergesten deuten könnten. Ein geöffneter Fächer, den man mit der linken Hand über die Wange gleiten lasse, signalisiert Liebe. Lässt die Frau den Fächer mit der rechten Hand halb geöffnet flattern, kann der Mann davon ausgehen, dass die Dame bereits vergeben ist.

Aus Sicht von Trendforscher Perzborn sind Kommunikationsformen auch Moderscheinungen. Zu jedem Trend gebe es eine Gegenbewegung: "Je mehr wir uns ohne Worte verständigen, desto größer wird die Sehnsucht danach, wieder direkt miteinander zu kommunizieren", sagte er.

Nicole Serocka/DPA/DPA
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