Geschichte des Parfums Ein Hauch Moschus, ein Spritzer Sperma


Die Duft-Attacken lauern überall. Parfum ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wer mag, kann nach asiatischen Hirschen riechen oder nach David Beckham. Doch wie fing eigentlich alles an? Ein Streifzug durch die Welt des Parfums.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Der Name des Parfums hört sich so an, als könnte Frau den Männern damit reihenweise die Köpfe verdrehen: "Sexy Beast". Doch sie wäre besser beraten, die Finger von dem vermeintlich betörenden Duft zu lassen. Tut sie es doch, könnte die Wirkung eine andere sein als beabsichtigt. Möglicherweise rennen ihr dann sämtliche Pudel, Doggen und andere Fellwesen der Stadt nach. Denn "Sexy Beast" ist ein Parfum, das speziell für Hunde entwickelt wurde. Ein Mix aus Vanille und Bergamotte. Geschmackssache. Aber wenn es schon so weit kommt, dass Vierbeiner eingehüllt in eine Duftwolke mit dem Herrchen Gassi gehen, dann stellt sich natürlich die Frage, wann bekommt der Hund endlich sein eigenes Auto. Verwenden Frauchen und Herrchen Parfum ist allerdings auch nicht garantiert, dass das so eine gute Idee ist. Doch die Duft-Attacken lauern überall: Parfum ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch seit wann ist das eigentlich schon so?

Parfum galt als Verführung zur Sünde

Los ging es bei den Ägyptern. 5000 Jahre ist es her, da entwickelte sich die Tradition, Götter via duftende Substanzen milde zu stimmen. Vergleichbar mit dem Verbrennen von Räucherwerk. Aus diesem Brauch entwickelte sich auch der Name: per fumum ist lateinisch und bedeutet "durch den Rauch". Wohlriechende Salben und Öle kamen auch bei verstorbenen Pharaonen zum Einsatz. Ägyptische Herrscher und Edelleute waren von diesen Duftstoffen so begeistert, dass sie daraus eines der ersten Parfums entwickeln ließen. "Kyphie" bestand aus über 16 Substanzen, unter anderem aus Myrrhe und Koriander. Auch im alten Rom galten Duftessenzen als "en vogue". Doch mit der fortschreitenden Christianisierung wehte bald ein anderer Wind. Es hieß, das Beduften von menschlichen Körpern sei frivol und unkeusch. Es würde Fleischeslüste wecken und die Menschen zur Sünde verführen. Was ja tatsächlich keine Fehleinschätzung ist.

Dann kam der Gelehrte Avicenna. Im 10. Jahrhundert gelang es ihm, Rosenwasser zu gewinnen. Kreuzritter brachten das duftende Elixier unter die Leute. Auch Paracelsus sorgte dafür, dass die Einstellung zu Parfum wieder besser wurde. Er erkannte, dass Düfte die Gesundheit positiv beeinflussen. Mit der Pest bekamen Parfums dann Hochsaison. Die Menschen wuschen sich nicht mehr in den öffentlichen Badeanstalten, da irrtümlich angenommen wurde, dass man sich beim Waschen anstecken könne. Parfumwolken überdeckten die übelsten Gerüche.

Parfums sollen seit jeher vom Gestank ablenken

Auch später, in Großstädten wie Paris, wo die Nachttöpfe auf die Gassen ausgeleert wurden, sollten Parfums vom Gestank ablenken. Man überschüttete sich regelrecht mit den Duftessenzen. Erst im 18. Jahrhundert ging man nicht mehr so verschwenderisch mit den Duftwässerchen um. Es war auch nicht mehr notwendig, denn Hygiene wurde immer wichtiger. Das Sprühen kam in Mode. Im Jahr 1792 wurde in Deutschland "4711- Kölnisch Wasser" auf den Markt gebracht. Um 1900 gab es einen weiteren entscheidenden Schritt: Francois Coty mischte erstmals synthetische mit natürlichen Substanzen und beauftragte den Glaskünstler Lalique mit der Herstellung ansprechender Flakons.

Heutzutage gibt es die wildesten Experimente. Beispielsweise Männerparfums mit Ingredienzien wie Sperma, Blut und Schweiß. Natürliche "Lockstoffe" also. Wer es mag. Die Grundidee ist übrigens nicht neu. Parfumhersteller verwenden längst tierische Lockstoffe. Moschus etwa stammt von einer asiatischen Hirschart. Wer nicht so gerne nach Wildtier riecht, sondern beispielsweise lieber nach David Beckham, auch das geht. Sofern man daran glaubt, dass Stars auch so riechen wie ihr Parfum. Inzwischen quellen die Parfumregale regelrecht über mit prominenten Namen wie Sarah Jessica Parker, Paris Hilton, Céline Dion, Kylie Minogue, Britney Spears, Jennifer Lopez, Mariah Carey, Prince und Antonio Banderas.

Parfum wird von A bis Z kreiert. Weltweit gibt es nur etwa 500 Menschen, die das können, davon rund 40 in Deutschland. Allerdings gibt es für Parfumeure keine geregelte Ausbildung in Deutschland. Wer das Handwerk lernen will, muss nach Frankreich gehen, nach Grasse an der Cote d'Azur. Neun Monate dauert dort die Ausbildung. Dort werden auch die qualitativ hochwertigsten Parfums kreiert. Die erste Regel heißt: Je weniger Duftstoffe, desto besser. Ein richtig gutes Parfum hat etwa 25 bis 30 Ingredienzien. Ein durchschnittliches Parfum enthält 50 bis 150 Duftstoffe. Grundsätzlich können Parfumeure zwischen mehr als 2500 Grundstoffe wählen, davon etwa 400 Naturstoffe, ätherische Öle und Extrakte. Der Rest sind synthetische Stoffe. 80 Prozent dessen, was in einem Flakon steckt, wird ohnehin chemisch im Labor hergestellt. Und bald sollen Parfums bis zum letzten Tropfen künstlich hergestellt werden. Was dem menschlichen Riechorgan egal sein dürfte. Experten behaupten, die Nase sei nicht in der Lage ein im Labor erzeugtes Molekül von seinem natürlichen Pendant zu unterscheiden.

Ist die Komposition gefunden, wird sie mit Industriealkohol verdünnt. Von dem verwendeten Alkohol hängt auch die Qualität eines Parfums ab. Desto reiner der Alkohol, desto länger ist das Parfum haltbar. Die Bezeichnung richtet sich nach Art der Verdünnung. Parfum hat einen Anteil an Duftkonzentrat von 20 bis 30 Prozent, bei Eau de Toilette sind es zehn bis 20 Prozent, bei After Shave sechs Prozent. Die meisten Parfums setzen sich aus Kopf-, Herz- und Basisnote zusammen. Diese Ebenen werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten wahrgenommen. Zuerst riecht man die Kopfnote. Sie verfliegt nach etwa 15 Minuten. Dann ist die Herznote sehr präsent. Sie zeigt den Charakter des Parfums. Die Basisnote ist das Fundament des Parfums und besteht aus schwer flüchtigen Duftstoffen, die oftmals tierische oder holzartige Nuancen haben, wie beispielsweise Sandelholz. Die Basisnote ist Stunden, manchmal sogar Tage nach dem Auftragen des Parfüms noch zu riechen. Gut für den Fall, dass das Parfum bei seinem ersten Einsatz noch nicht die erwünschte Wirkung hatte.

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