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Leigh Bowery: Mut zur Hässlichkeit

Er machte Mode zur Perfomance, trieb Verkleidung, Maskerade und Travestie auf die Spitze: Leigh Bowery, die Kultfigur der Londoner Clubszene, ist in Düsseldorf eine neue Ausstellung gewidmet - mit erschreckend ehrlichen Fotos.

Plüsch, Pailletten, Plateauschuhe: Mit Leigh Bowery (1961-1994) steht eine der legendärsten und schillerndsten Kultfiguren der Londoner Clubszene der 80er Jahre im Mittelpunkt einer Ausstellung. Bis zum 12. März zeigt das Düsseldorfer NRW-Forum erstmals in Deutschland eine Foto-Auswahl der Studio-Sessions, die der britische Fotograf Fergus Greer von dem homosexuellen Performer, Designer, Musiker und Clubbesitzer aufgenommen hat.

Bowery habe mit seiner Kostümierung nicht in eine "andere Haut oder Geschlecht schlüpfen" wollen, sagte Werner Lippert vom NRW- Forum. Nicht "schöner, besser, schlanker" sei das Motto des gewichtigen, unproportionierten Mannes mit Bauch und dicken Schenkeln gewesen. Seine Triebfeder waren vielmehr der Spaß am Spiel mit Styling und die Verwandlung des Körpers in eine Skulptur. Tüllwogen statt Kopf, Plastikpodeste statt Schuhabsatz, Satinbandagen als Stütze von Brust und Bauch wurden zu Bowerys Stilmitteln.

Fotograf Greer war 1988 auf Bowery aufmerksam geworden, als dieser als "lebendes Kunstwerk" wochenlang im Schaufenster einer Londoner Galerie saß: eine schräge Selbstinszenierung im täglich wechselnden, selbst geschneiderten Kostüm. Der in der australischen Provinz geborene Bowery war einer der größten "Impulsgeber" der Londoner Kreativen-Szene, so etwa für die Designerin des gehobenen Punk, Vivienne Westwood, die Musiker Boy George und David Bowie oder den renommierten britischen Maler Lucian Freud. Insbesondere für den Aktkünstler, so schildert Lippert, sei Bowery, der dem Maler nackt Modell lag, immer wieder "Muse" gewesen.

DPA / DPA