LONDON FASHION-WEEK Mode-Krieger beherrschen das kommende Frühjahr

Die Zeiten der Rüschen und viktorianischen Romantik sind vorbei. Die Mode-Trends im Frühjahr/Sommer 2003 werden von Military-Look und Uniform-Stil beherrscht.

Die Zeiten der Rüschen und viktorianischen Romantik sind vorbei. Puffärmel, Gerafftes, Gesmoktes und Besticktes finden sich nur noch selten auf den Laufstegen. Das zeigte sich am Freitag schon kurz nach dem Start der London Fashion Week. Zu den Trends der Frühjahrs- und Sommermode 2003 gehören dagegen Anspielungen auf den Uniform-Stil. Der Military-Look ist fast allgegenwärtig.

Seide und Chiffon ersetzt Baumwolle

Am kunstvollsten setzt ihn die in Japan geborene Designerin Michiko Koshino um. Sie kombiniert Olivgrün mit Lachsrosa, ersetzt schwere Baumwollstoffe durch Seide und Chiffon, löst die starren Schnittmuster in fließende Silhouetten auf und versieht Ärmel- und Kleidersäume mit flatternden Bändern.

Chaos löst den Uniform-Stil auf

Düsterer und bedrohlicher erscheint der gleiche Trend bei Maria Chen-Pascual, zu deren Kundinnen Kylie Minogue und Kate Moss gehören. Sie schickte ihre Models ausschließlich in Grau, Schwarz und Weiß auf den Laufsteg. Schauplatz der Show war eine alte Fabrik in London; Neonröhren in Kniehöhe sorgten für die Beleuchtung. Auch Maria Chen-Pascual löst den Uniform-Stil auf: Doch ihre Mode-Krieger sehen aus wie nach einer geschlagenen Schlacht. Wie bei Michiko Koshino scheinen ihre Stücke wie in Einzelteile zerlegt und ungenau wieder zusammengesetzt. Sie zeigt »doppellagige« T-Shirts, deren erste Stoffschicht vollkommen zerschlissen ist, fehlende Säume, Uniform-Jacken und Westen, die über weichen Baumwollstoffen getragen werden, Hosen, die am Bund und an den Fesseln geschnürt sind, und weiße Hemden, die lang über den Hosenbund hängen.

Kunstvoll, aber wenig erfolgreich

Unangefochten von allen Trends präsentierte im dritten Jahr der hoch gelobte, doch kommerziell wenig erfolgreiche Russell Sage seine konzeptuellen »Kunst«-Kleider. Sage arbeitet bevorzugt mit alten Stoffen, die er mit zeitgenössischem Material in einem komplizierten Patchwork-Stil kombiniert. In eines seiner Kleider arbeitete er ein 200 Jahre altes Stück Stofftapete ein. Der Designer berichtete, es sei so fragil gewesen sei, dass es beim Nähen fast auseinander gefallen sei. Die erste Kreation, die er auf dem Laufsteg präsentieren ließ, bestand aus handbemalter japanischer Leinwand und Seidenstoffen aus den 40er Jahren. Geradezu tragbar also für Sages Verhältnisse. Dagegen dürften seine poetischen Badeanzüge aus Pappmaché ihren Zweck kaum erfüllen.

»Kleider für echte Frauen«

Die andere, kommerziellere Seite der für ihre originellen Anstöße bekannten London Fashion Week repräsentieren Paul Costelloe und Elspeth Gibson. Der aus Irland stammende Costelloe zeigt »Kleider für echte Frauen«: eine durchweg tragbare, aber wenig innovative Kollektion. Sie versetzt mit maritimen Motiven, Seemannsstreifen, weiten Matrosenhosen und weichen, fließenden Stoffen in Urlaubsstimmung.

Laue Sommerbrise

Elspeth Gibson setzt ebenfalls auf eine laue Sommerbrise. Sie ließ ihre Models von Ventilatoren anwehen, um die Zartheit der von ihr verwendeten Flatterstoffe, Seide und Chiffon, zu betonen. Wie Costelloe verwendet sie sanfte, helle Puder- und Hautfarben, weite Hosen, weit schwingende Röcke mit Säumen in allen Längen, flatternde Bänder und vereinzelt Glitzer und Pailletten.

Grün gibt wieder den Ton an

Wie bei allen anderen Designern war eine Rückkehr der lange Zeit völlig aus der Mode gekommenen Farbe Grün in allen Schattierungen - von Mint über Oliv bis Türkis - auch bei Elspeth Gibson zu sehen: Ein deutlich optimistischer Ton unter den gelegentlich düsteren Anspielungen auf Militaristisches.

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