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Männer-Badehosen: Zieht die Schlabbershorts aus, Jungs!

Männer haben ein Problem. Es ist bunt bedruckt, kariert oder schlicht unifarben. Es ist knapp und zwickt im Po - oder ist zu lang und schlabbert in den Kniekehlen. Es kann äußerst sexy sein, aber auch sehr unästhetisch. Das Problem heißt Badehose. Doch es ist lösbar.

Von Jens Maier

Während im Durchschnitts-Männer-Kleiderschrank unzählige Hemden, Hosen, Shirts und mittlerweile sogar mehr als drei Unterhosen zu finden sein dürften, versuchen die meisten Kerle das Problem Badehose dadurch klein zu halten, dass sie nur eine besitzen. Das beste Stück wird seit Jahren pünktlich zur Sommersaison aus der untersten Schublade gekramt. Frei nach dem Motto: Die Moden kommen und gehen, meine Badehose bleibt.

Models mit Waschbrettbäuchen, maskuline Lenden, pralle Brustkörbe und Pobacken in sexy Badeshorts aus hochwertigen Textilfasern, die seit einigen Jahren verstärkt auf Plakatwänden und in Anzeigenmotiven zu sehen sind, scheint Mann komplett zu ignorieren. Designer-Badehosen bleiben an Stränden ein seltener Anblick. Daran hat selbst David Beckham, der im Urlaub in einem besonders heißen Modell, ganz in Weiß, Marke Dolce&Gabbana, zu sehen war, bisher nur wenig geändert. Die Reklame findet offenbar höchstens bei Ehefrauen oder Freundinnen Anklang, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, ihr Göttergatte könnte am Strand eine genauso gute Figur abgeben.

Bunte Badehose ist out

Dabei ist Beckham bei seiner Badehosenwahl absolut en vogue, wie Marcus Luft, Modechef der Zeitschrift "Gala", bestätigt: "Badehosen sollten auf keinen Fall bunt bedruckt, sondern möglichst einfarbig oder höchstens gestreift sein. Bunte Badehosen sind witzig gemeint, machen den Träger aber oft zur Witzfigur." Absoluter Trend in diesem Sommer seien kurze Shorts im Retro-Stil, die ein bisschen wie Tennishosen aussehen. "Zum Beispiel von Designer Tomas Maier", sagt Luft. "Die sind schön kurz, liegen aber nicht ganz so eng an wie eine normale Badehose." Als absolutes No-Go bezeichnet der Modeexperte die weiten und langen Shorts, mit denen gerne versucht wird, überflüssige Pölsterchen zu kaschieren. "Wer dick ist, sollte dazu stehen oder abnehmen", sagt Luft. "Ob mit Bauch oder ohne, in den Schlabbershorts sieht einfach niemand gut aus."

Die Shorts sind allerdings nicht nur bei Dicken beliebt, sondern besonders oft bei jungen Männern. Badehose in Kasten- oder Dreiecksform gehören an Stränden zu einer aussterbenden Art. Wenn Mann sich zur Neuanschaffung eines Badeoutfits durchringt, dann greift er immer öfter zu den knielangen und weiten Modellen. Das bestätigen die Verkaufszahlen des Sportartikelherstellers Adidas. "Bei jungen Käufern liegt der Anteil an verkauften Badeshorts mittlerweile bei 50 Prozent", sagt Adidas-Sprecher Oliver Brügge. "Besonders in den letzten zwei Jahren ist ein deutlicher Trend hin zu Badeshorts zu beobachten."

Badeshorts schwappten mit Surferwelle nach Deutschland

Und das, obwohl sie unpraktischer sind. Denn weder zum Sonnenbaden, da sie unschöne käseweise Schenkel hinterlassen, noch zum Schwimmen, da sie sich aufblähen wie ein Rettungsring, eignen sie sich sonderlich gut. Trotzdem sind Shorts vor allem bei Jugendlichen "in". Das liegt daran, dass sie ursprünglich aus der Surfkultur stammen. Als die Surferwelle Mitte der achtziger Jahre nach Europa schwappte, galten die Shorts schnell als ebenso trendy wie der Sport an sich. Werbung mit Surfern und Surferserien wie "Gegen den Wind" transportierten dieses coole Image verstärkt.

Und noch ein Aspekt hat unweigerlich zum Siegeszug der Badeshorts beigetragen: die Prüderie in den USA. Waren Mitte der 50er Jahre an den Stränden Amerikas noch sehr eng anliegende Badehosen mit kurzen Beinen populär, sind diese inzwischen verpönt. Die knapp geschnittenen Designer-Badehosen lassen Amis gerade noch bei Europäern oder Homosexuellen durchgehen, alle anderen müssen außerhalb von Miami Beach befürchten, als Triebtäter abgestempelt zu werden.

Ganze Kerle zeigen, was sie haben

Nicht durchgesetzt hat sich die Badeshort bisher im südeuropäischen Raum. In Italien oder Spanien sind Badehosen nach wie vor das Nonplusultra. Das ist vor allem mit dem Macho-Gehabe der Männer dort zu erklären. "Wer als ganzer Kerl angesehen werden will, muss schon zeigen, was er unten rum zu bieten hat, und trägt eine möglichst eng anliegende Badehose, die keine Zweifel an den Maßen lässt", sagt Elisabeth Bonneau, die als Stil- und Benimmtrainerin tätig ist. Bonneau rät allerdings: "Wer auf sich hält, hält sich bedeckt." Die Offenlegung sämtlicher sekundärer und primärer Geschlechtsmerkmale sei nicht nur in islamisch und streng protestantisch geprägten Ländern verpönt.

Zu weit und lang dürfen die Hosen nicht sein, zu eng aber auch nicht. Was denn nun? Wer keine 18 mehr ist, kann Stil beweisen und besitzt idealerweise gleich mehrere Badehosen - für jeden Anlass eine. Doch Vorsicht beim Umziehen am Strand: Wer sich lächerlich macht, weil er umständlich unter einem Handtuch die Badehose auszieht, dem nützt das schickste Designer-Teil nichts.