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Männermode 2007: Mann zeigt Bein

Die Männermode im nächsten Jahr kommt luftig daher. Geht es nach den führenden Mailänder Topdesignern, trägt der stilbewusste Mann von morgen beinfrei. Die Milano Moda Uomo gibt darauf einen Vorgeschmack.

Kurze Hosen kommen ganz groß in Mode. Mailands Topdesigner befreien sie im Sommer 2007 vom Makel der Stillosigkeit und holen sie aus Enklaven wie Strand oder Sportplatz ins alltägliche Straßenbild. Auf den noch bis Donnerstag laufenden Defilees der Milano Moda Uomo jedenfalls zeigt der Mann Bein, Bein und nochmals Bein. Allen voran bei Miuccia Prada. Die Mailänderin genießt den Ruf, mit ihren Kollektionen weit reichende Trends zu setzen, ihre Show ist also stets richtungweisend.

Männer sollten sich demnach schon einmal mit der Idee vertraut machen, eine Mini-Hose zu einem Maxi-Mantel zu kombinieren, oder knappe Shorts unter einem Sakko zu tragen. Dass diese Variante zudem noch mit Wollstrümpfen in Sandalen vorgeführt wurde, ist hoffentlich nur eine der üblichen Übertreibungen des Laufstegs. Die Prada-Kurzen gab es zudem noch in den Varianten Lack und Muster. Sie sind mal recht eng, dann wieder eher ausgestellt.

Doch die Designerin zeigte in ihrer Show am Sonntagabend auch Kleidung mit mehr Stoff: zum Beispiel einreihige Anzüge in dunklen, rauchigen Farben, die über ein farblich abgestimmtes T-Shirt gezogen werden. Ihre Jacken und Mäntel schließt sie häufig mit Klettverschlüssen. Die gemäßigte Alternative zur nahezu vollständigen Beinnacktheit sind knielange Bermudas. Sowohl Missoni als auch Dolce & Gabbana bauten um diesen Klassiker herum Anzug-Optiken auf.

Exzentrisches Wesen

Bei Vivienne Westwood erwartet niemand Mode, die sich an ein Massenpublikum richtet. Die Exzentrik liegt der Engländerin bereits im Wesen. So wehen ihre kurzen Hosen luftig um den Oberschenkel und haben einen tief sitzenden Schritt. Den traditionell in ihre Show gehörenden Kilt brachte sie dieses Mal in einer Version aus Seide, passend abgestimmt auf das Hemd. Westwood spielt mit den Volumina, hier die knielange, geschnürte Piratenhose, dort der Anzug mit ganz viel Beinweite. Klassisches wie ein Nadelstreifensakko bricht sie mit einer orange gemusterten Freizeithose.

Der erste Tag der Mailänder Schauen war ohnehin stark britisch geprägt. Ozwald Boateng, ein Engländer ghanaischer Herkunft, pflegt stets eine Vorliebe für intensive Farben. In der Saison Frühjahr/Sommer 2007 fällt vor allem ein starkes Türkis-Thema auf. Boateng mischt Klassik mit sportlichen Elementen, zieht Trainingsschuhe zum Anzug an, bindet eine Fliege unter den Kragen des Polohemdes, lässt Hosen mit Gummizug ausrüsten.

Saloppe Freizeitmode

Christopher Bailey, der Designer hinter dem Label Burberry Prorsum, untermauerte auch mit seiner neuesten Kollektion seinen Ruf als feinsinniger Übersetzer englischer Klassik in die Moderne. Den Trenchcoat, Burberrys Erfindung und Ursprung des Traditionshauses, akzentuiert er mit einem schmalen Gürtel. Ein Teil der Kollektion gruppiert sich um nebliges Grau, Erd- und Steintöne, in einen anderen fließen kräftige Akzente wie Pink oder Blau mit ein. Und schließlich finden Schmucksteine ihren Platz auf der Kleidung. Auch Burberry spielt mit Enge und Weite, vor allem Mäntel und Jacken baut Bailey recht voluminös auf. Häufig zieht er Strickoberteile über Hemd und Krawatte, seine Anzüge wirken stets lässig.

Ebenso salopp und unkompliziert, dafür in hochwertigster Verarbeitung zeigt sich die Mode von Bottega Veneta. Tomas Maier, der deutsche Designer hinter der italienischen Marke, konzentrierte sich in seiner Show vom Montagvormittag stark auf Ton-in-Ton-Bilder. Ganz in Weiß, Khaki oder Oliv soll sich bei ihm der Mann im nächsten Sommer kleiden. Und auch bei Bottega Veneta gab es Shorts aber dort, wo ihr angestammter Platz ist: in der Freizeitmode.

Axel Botur/DPA / DPA