Mailänder Männermode Es lebe der Kerl


Metrosexuell war gestern: Die neuen Männer kommen mit Schultern und Härte im Blick, sie kommen als Sternenkrieger oder Zorro daher. Zumindest wenn es nach den Star-Entwürfen der Mailänder Herrenmodenschauen geht.
Von Dirk van Versendaal

Es ist immer ein schlechtes Zeichen, wenn die Mode von heute sich allzu eifrig mit der Mode der Zukunft beschäftigt. Denn die auf den Laufsteg geworfenen Astronautenkostüme und Technostoffe, Plastikfolien und komischen Experimentalschnitte lassen fast immer vermuten, dass den Designern für die Gegenwart gerade nichts Originelles eingefallen ist. Die Männerschauen in Mailand, auf der in der abgelaufenen Woche die Entwürfe für den nächsten Winter vorgestellt wurden, waren jedenfalls von untragbarer, im Alltag untauglicher Science-Fistion-Kleidung einerseits und gepflegter Langeweile andrerseits geprägt.

Was also nicht in Gold, Silber, Platin, Kupfer, oder Bronze glänzte, kam in Schwarz daher. "Schwarz macht schlank", mühte sich Giorgio Armani um eine Erklärung, "Schwarz macht einen tollen Hecht." Bei all der Düsternis und den gedeckten Farben konnte es vielleicht nicht ausbleiben, dass auch das Mannsbild sich verfinsterte. Die Bubis, die in den letzten Jahren das Bild der Männermode juvenil, gelegentlich kindisch gestalteten, sind selten geworden in dieser Saison. Die neuen Männer kommen mit Schultern und Härte im Blick, sie kommen als Sternenkrieger oder Zorro, mit schweren Lederstiefeln oder gar mit Peitschen (DSquared). Bei D & G lassen sie die Puppen an Stangen tanzen, bei Dirk Bikkembergs machen sie den Dicken, indem sie mit dem Porsche auf den Laufsteg rasen. Ganz hart: Donatella Versace gab zu, sie habe sich von der klerikalen Strenge des Georg Gänswein, dem schmuckem Sekretär des Papstes, inspirieren lassen.

Die echten Kerle kommen wieder

Keine Spur mehr also vom metrosexuellen Mann. Im Zuge der Wiederkehr der echten Kerle erleben sowohl die Smokings als auch die Overalls ein kleines Comeback. Eine schöne Ausnahme vom maskulinen Boom machte Miuccia Prada, aber die kennt sich mit den harten Männern ja nun wirklich aus, ist sie doch die einzige, die ihren Gatten, den allseits gefürchteten Patrizio Bertelli - "Bertelli il Duce" ("L'Espresso") - gleichsam am Nasenring durch den Modezirkus ziehen kann. Ihr Blick auf den modernen Mann ist so entspannt wie unterhaltsam: Miuccia kleidet ihn in Plüsch und Langhaarwolle, macht Spielzeugteddys aus ihnen. "Ich habe eine Schwäche für Plüsch", meint Miuccia, "Plüsch ist ein bisschen wild und ein bisschen infantil."

Weiß ist out - Krawatten in

Was sonst noch der Erwähnung wert ist: Weiße Anzüge verschwinden nach zwei überaus starken Saisons wieder in den Kleiderschränken und in den Kollektionen des Römers Valentino. Krawatten kommen wieder. Dabei weiß seit Jahrhunderten kein Mensch zu sagen, wozu sie denn überhaupt taugen. Lange, dicke Strickpullover, die knapp unter dem Hintern enden. Man kann sich vorstellen, dass sie nach spätestens der zweiten Wäsche in Kniehöhe hängen.

Außerdem: jede Menge großer Taschen. Als wenn alle Männer immerzu auf Reisen wären. Und kein Mensch in Italien glaubt noch an den Winter, nicht in diesem Jahr noch in den nächsten. Trotzdem wurden jede Menge Pelzmäntel präsentiert. Was wiederum zu einem verstärkten Aufgebot breitschultriger Security-Männer führte, die erfolgreich dafür Sorge trugen, dass diesmal keine Tierschützer die Defilees mit Spruchbändern stürmten.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker