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MODE-TREND: Runde Sachen

Neues sei in der Mode prinzipiell nicht zu erfinden, sagte einmal der Designer Gianfranco Ferré: »Frauen haben zwei Arme, zwei Beine und einen Kopf.« Den Popo vergaß der Italiener zu erwähnen.

Frauen, so steht es in Paragraf 183 des Strafgesetzbuches, Frauen begehen keine strafbaren exhibitionistischen Handlungen. Laut Absatz 5 kann der »Täter nur ein Mann sein« - ein Glücksfall für die Mode! Denn da soll, wenn es nach den Designern geht, hemmungslos hergezeigt werden, und zwar die weibliche Hinterseite: unter Miniröcken, die es nicht über den Po schaffen, unter Blusen, deren Saum sich mit Ach und Krach noch aufs Gesäß legt; eingerahmt von String-Tangas, völlig befreit über Hosen, deren Bund schon am Oberschenkel endet - von unten gesehen.

»Der durchschnittliche Mann sieht gern ein gutes Stück Hintern«

Illustre Namen schmücken die Liste jener, die jung, ordentlich gepolstert und zeigelustig genug sind, dem neuen Trend zum Durchbruch zu verhelfen: Britney Spears präsentierte sich in Mailand in einem Chiffonkleidchen von Versace - und enthüllt auf ihrer Rückseite Rubenssche Hügellandschaften. Kylie Minogue und Christina Aguilera versetzen ihre Backen in Vibration, wo immer sie es vor Publikum können, auch Jennifer Lopez wippt ihr mit sechs Millionen Dollar versichertes Teil in gefährlicher Nähe zur sexuellen Zwangshandlung. Und warum HipHop-Videos nie ohne Frauen in String-Tangas auskamen, darauf weiß Rapper Wyclef Jean die Antwort: »Der durchschnittliche Mann sieht gern ein gutes Stück Hintern.«

Passend zum Trend haben schwedische Ernährungsforscher der Uni Göteborg die Hüften von 1400 Frauen vermessen und herausgefunden: Frauen mit ausladendem Gesäß haben seltener Diabetes oder Herzkrankheiten, sie leben länger. Was man schon wusste: Fettpolster am Gesäß fördern die Fähigkeit, Kinder ausreichend zu stillen, und auch bei Hungersnöten halten Frauen länger durch. Zuerst machen die Herren schlapp.

Und Männerpopos?

Will niemand sehen. Diese Erfahrung machte der Philosoph Jean-Jacques Rousseau, der in seiner Jugend »dunkle Alleen und abgelegene Orte« aufsuchte, um »weiblichen Personen« seinen Hintern zu präsentieren. »Mein albernes Vergnügen, ihn vor ihren Augen zu wölben, lässt sich nicht beschreiben«, gab er später zu. Was er verursachte, war »ein mehr lächerliches als verführerisches Schauspiel«.

Dirk van Versendaal

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