HOME

Mode von Liam Gallagher: Rüpel mit Stil

Er hasst Modenschauen und findet Promis, die ins Designfach wechseln, lächerlich. Trotzdem hat Liam Gallagher, Sänger von Oasis, nun eine eigene Kleiderlinie herausgebracht.

Auf Liam Gallagher zu warten hat in etwa den Charme einer bevorstehenden Magenspiegelung. "Keine Sorge, es wird sicher alles gut gehen", sagt seine Assistentin. "Liam ist total nett!" Nett? Bitte alles, nur das nicht. Liam Gallagher und sein Bruder Noel haben es mit Oasis zu einer der erfolgreichsten Rockbands der letzten beiden Jahrzehnte gebracht - was auch an dem nicht immer ganz korrekten und deshalb umso interessanteren Auftreten der Brüder lag. Liam, 36, war für regelmäßigen Alkohol- und Drogenkonsum bekannt und für wortgewaltige Ausbrüche. Aber an diesem Tag im Londoner Hotel The Gore ist er bemerkenswert ruhig und grüßt gelangweilt: "Hi."

Herr Gallagher, Sie haben gerade Ihre Modekollektion "Pretty Green" vorgestellt. Viele werden jetzt sagen: Nicht noch ein Prominenter, der sich als Designer versucht.

Das ist okay, ich kann die Reaktion verstehen. Ich weiß allerdings nicht viel über die Sachen, die andere machen.

Sie sind in interessanter Gesellschaft: Gwen Stefani, Victoria Beckham, Justin Timberlake, Sean Combs alias P. Diddy, Jennifer Lopez …

Wer auch immer. Aber ich setze nicht nur hinterher meinen Namen drauf. Ich bin voll dabei.

Wie muss man sich das vorstellen: Sie nehmen einen Schwung aus Ihrem Kleiderschrank und gehen damit zu Ihrem Designteam?

Ja, ich habe ein paar Sachen mitgebracht, Nick Holland, der Designer des Labels Holland Esquire, kam mit ein paar Sachen vorbei, und das passte alles ziemlich gut zusammen. Es war von Anfang an klar, dass wir hier nicht irgendeinen Fashion-Quatsch machen. Ich habe genug von diesen lächerlichen Skinny-Jeans. Die können Frauen tragen, aber das ist nichts für Männer. Wir machen einfach gute T-Shirts, Jacken, Parkas, in normalen Farben. Nicht zu viel, verstehen Sie? Ich muss das alles kaufen wollen.

Und was, wenn die Sachen außer Ihnen keiner kauft?

Dann stampfen wir es eben wieder ein, und ich spiele nur noch in der Band. Ich lass mich nicht stressen, um ein paar verdammte Klamotten zu machen.

Sie fangen jetzt also nicht an, sich als Designer zu bezeichnen.

Ich bezeichne mich immer noch als Rock'n'Roll-Sänger. Das war's. Allerdings als einen, der Klamotten mag, genauso wie er seine Musik mag. Und das ist wichtig: Du kannst die beste Musik der Welt machen - wenn du dich dabei wie ein Vollidiot anziehst, wird das nichts. Aber ich bin nicht so bescheuert, jetzt plötzlich zu Modenschauen oder all diesem Mist zu gehen. Ich war mal auf einer, bei Versace. Das ist mir viel zu affig.

Wie hat Ihr Bruder Noel reagiert?

Keine Ahnung. Ich habe nicht mit ihm geredet. Ich bin mir sicher, er lacht sich kaputt. Aber das ist mir, ehrlich gesagt, scheißegal. Meine Mutter findet's toll, meine Frau, meine Kinder - alle Leute, die ich bewundere.

Ihr älterer Bruder Paul hat einmal erzählt, Sie hätten schon mit 14 in Manchester immer seine Klamotten geklaut und seien nie aus dem Haus gegangen, bevor Sie perfekt aussahen.

Er hatte schon Arbeit und deshalb die besseren Sachen. Und ich wollte einfach nur gut aussehen.

Und sind Sie wirklich mit einer großen Sporttasche voller Calvin-Klein-Jeans durch Manchester gezogen, um sich Geld zu verdienen?

Was? Nein! Das habe ich schon mal gehört, keine Ahnung, wo das herkommt. Ich habe nie Sachen verkauft. Und schon gar nicht fucking Calvin Klein. Nie im Leben.

Irgendwelche anderen Modesünden, die Sie begangen haben?

Ich kann mich nicht erinnern. Aber ich bin mir sicher, andere erinnern sich.

Es gab da diese Slipper mit Leopardenfell ...

Ich mag Schuhe, das ist mein Ding. Ich ziehe mich von unten nach oben an. Solange du mit den Schuhen alles richtig machst, ergibt sich der Rest von selbst.

Stimmt es, dass Sie viel weniger ausgehen als früher?

Wir waren die ganze Zeit auf Tour, und wenn ich hier bin, bleibe ich gern mal zu Hause, spiele mit den Kindern, verbringe Zeit mir meiner Frau.

"Daheim bleiben ist das neue Ausgehen?" Ihre Worte?

Irgendwie schon, oder? Ich bin sehr viel entspannter als früher. Nicht zu sehr, aber ich gehe es langsamer an.

Eine Menge Leute würden trotzdem einiges dafür geben, mit Ihnen einen trinken zu gehen.

Ich kann nicht ausgehen und mir die ganze Zeit diese scheiß Musik von heute reinziehen. Dann bleibe ich lieber zu Hause und gucke fern.

Und stehen um sechs Uhr auf und gehen joggen?

Ja, jeden verdammten Tag. Ich liebe das. Man kommt eben in ein bestimmtes Alter. Das hat auch mit Eitelkeit zu tun: Ich hatte von der ganzen Sauferei etwas zugenommen. Plötzlich sahen alle auf der Bühne cooler aus als ich.

Wie wird das dann sein, wenn demnächst die anderen Bandmitglieder in Ihren Klamotten herumlaufen und so aussehen wie Sie?

Mir ist es lieber, sie laufen rum wie ich - und nicht wie irgendein anderer Idiot.

Interview: Silke Wichert / print