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Modelabel Schumacher: Gefühle zum Tragen

Deutsche Mode, die gar nicht deutsch aussieht? Das schafft zurzeit das Mannheimer Label Schumacher am besten. Eine Erfolgsstory zwischen Ehrgeiz und Emotionen.

Von Mareile Grimm und Sabine Hoffmann

Es liegt an ihren Augen: Groß, braun und ungeheuer wach sind die. Und dann dieses Lachen, mit dem sie jeden ihrer Sätze umrahmt. An Dorothee Schumacher strahlt einfach alles. Sie hat ihre Kollektion, die sie während der Mai länder Modewoche in einem Showroom ausgestellt hat, schon Dutzende Male an diesem Tag vorgestellt. Doch wenn sie an setzt, die Röcke und Kleider zu erklären, die sorgsam auf wattierten, nach Laven del duftenden Kleiderbügeln ruhen, dann wirkt sie, als hätte sie die Schatztruhe ihrer stoffgewordenen Träume gerade zum allerersten Mal geöffnet.

Mit Leidenschaft

und dem festen Glauben an die eigene Vision hat die 41-Jährige ihre Marke zum Erfolg geführt. Schumacher gehört heute zu den vielversprechendsten deutschen Modefirmen, obwohl oder gerade weil es sich dabei nicht um einen Senkrechtstarter handelt. Die ersten T-Shirts entwarf die damals 23- Jährige schon 1989. Schumacher ist langsam gewachsen, hat mit kleinen Schritten und leisem Auftritt in zwischen auch international Ein druck hinterlassen. Voriges Jahr stattete sie als einziges deutsches Label die beiden Protagonistinnen Meryl Streep und Anne Hathaway im Kino-Hit "Der Teufel trägt Prada" aus. Im Abspann lief der Name gleich hinter Chanel, Hermès und Versace.

Gerade hat eine Gruppe taiwanesischer Einkäufer den Showroom betreten, stolz werden Zeitungsartikel aus den großen Gazetten von Taipeh präsentiert: Schumacher-Mode, seitenweise, gefeiert als Trendmarke neben Marni und Marc Jacobs. In New York hängen die Stücke des Mann heimer Familienbetriebs in Edelkaufhäusern wie Bergdorf Goodman und Saks Fifth Avenue, insgesamt beliefert Schumacher 400 Kunden in 38 Ländern und weist einen Umsatz von 25 Millionen Euro aus, Tendenz steigend.

Was ist es nun, was die auf den ersten Blick eher schlichte Mode so einzigartig macht? "Ich verkaufe nicht bloß Kleider, sondern ein Lebensgefühl", erklärt Dorothee Schumacher. Und das zeigt sich vor allem im Detail. Da wird auf ein einfaches Etuikleid ein breiter Latexkragen genäht, der am Rand durch eine Schleife aus Strasssteinen verziert wird. Und ein simpler Cashmere-Pullover, tagsüber perfekt fürs Büro, wird durch einen separaten Kragen aus Silber-Pailletten zum eleganten Abendoutfit. "Eine Frau ist ja nie nur eines: sexy, ehrgeizig, romantisch oder sportlich", sagt Schumacher. "Ich entwerfe Mode für Frauen, die im Herzen ein bisschen Boheme sind, aber mit beiden Beinen auf dem Boden stehen und außerdem ein Business haben." Frauen wie Schumacher selbst, die neben ihrer Firma mit rund 85 Mitarbeitern auch noch ihre vier Kinder versorgt und gern und häufig auf Reisen ist.

Das Verspielte, Sensible

, manchmal Mädchenhafte ist die große Stärke der Marke und ihrer Macherin - eine Art von Emotionalität, die im Ausland als eher "untypisch deutsch" empfunden wird. Umso mehr freut es sie, dass die Resonanz auf ihre Kleider, die sich nicht nur durch hohe Qualität, sondern auch durch vernünftige Preise auszeichnen, so überwältigend ist. Inzwischen wird auch über eine Modenschau in Mailand ernsthaft nachgedacht, genauso wie über eigene Läden. Aber: langsam, Schritt für Schritt, im Schumacher-Tempo eben.

Aus einem der hinteren Räume des Mailänder Showrooms ist Babygeschrei zu hören, eine junge Italienerin entschuldigt sich, um den Säugling zu versorgen. "Nachwuchs für die Schumacher-Familie", freut sich die Chefin, die mit ihren Mitarbeitern nach eigenem Bekunden sehr eng, ja fast familiär zusammenarbeitet. Man verstehe sich blind, jeder könne die Idee einer Kollektion nicht nur vorbeten, sondern wirklich nachfühlen. Und dann schenkt sie ihren Besuchern zum letzten Mal ihr strahlendes Lachen, bevor sie mit ihrem ältesten Sohn Max in den sonnigen Mailänder Nachmittag entschwindet. "Denn es gibt ja neben der Mode schließlich noch andere wichtige Dinge im Leben einer Frau."

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