Nivea-Haus Wellness für die Massen


Wer sich bisher scheute, exklusive Fünf-Sterne-Spas zu betreten, kann seine Schwellenängste nun in Hamburg überwinden. Beiersdorf gibt seiner Marke Nivea ein Zuhause und eröffnet einen Wellness-Tempel für Ottonormalverdiener.
Von Claudia Pientka

Sie stapeln sich in jedem Supermarkt und keine Parfümerie kann auf sie verzichten. Schon Oma hat ihre Kinder damit eingecremt, gleichzeitig gehören sie zur Grundausstattung jedes Teenagers. Nivea-Produkte sind eine Art deutscher Ur-Pflege, bodenständig, verlässlich - und günstig. Eine europaweite Studie des Verlags "Reader's Digest" kürte Nivea sogar zur vertrauenswürdigsten Hautpflege-Marke. Und die bekommt nun ein eigenes Zuhause. Am Hamburger Jungfernstieg eröffnet heute das Nivea-Haus, ein Schönheitstempel, der Kurzzeit-Wellness für Jedermann verkauft.

"Wir wollen Wellness demokratisieren", sagt der Geschäftsführer des Hauses, Thomas Schönen. "Wohlfühlmomente in der Stadt schaffen und alle ansprechen, nicht nur den Kreis der Besserverdienenden." Denn das Nivea-Haus will mehr sein als ein Geschäft voller blauer Döschen, Tuben und Schachteln. Auf einer Fläche von 800 Quadratmetern, verteilt auf drei Etagen im Prienhaus, können Kundinnen und Kunden sich beraten lassen. Welcher Lidschatten blauen Augen steht, wie neuer Glanz in trockene Haarspitzen zu kneten ist, welche Creme Rasierpickel verhindert. Angesprochen werden Frauen und Männer. "Wir wollen Schwellenängste abbauen und den Menschen einen Zugang zur Welt der Kosmetik und Entspannung ermöglichen, die sich nicht in die Welt der Vier- bis Fünf-Sterne-Paläste trauen", sagt Schönen.

Durchkneten nach Lomo-Lomi-Art

Preis- und Berührungsängste braucht der Besucher des Nivea-Hauses nicht zu haben, schon die gläsernen Wände erlauben einen Einblick ins Erdgeschoss des Schönheitsrefugiums. Das steht unter dem Motto "Strand". An beleuchteten Tischen schminken Kosmetikerinnen dezente Bewerbungs-Make-ups ab 22 Euro, gegenüber sind die Stände mit den passenden Artikeln bepackt. Das blaue Imperium umfasst inzwischen weit mehr als die Creme aus der Dose: Mit über 500 Produkten, vom After-Shave bis zum Wellness-Duschgel, bietet die Palette fast alles, was in den Bereich Körperpflege und Kosmetik gehört.

Handfester geht es im Untergeschoss des Hauses zu. Es soll das Meer symbolisieren und beheimatet Massageräume mit Namen wie "Korallenriff", "Muschelbank" und "Meeresleuchten". Für 49 Euro knetet der Masseur den Gast nach Lomo-Lomi-Art durch, für 38 Euro prasselt eine Stunde lang "warmer Sommerregen" auf die Haut, gleichzeitig werden abgestorbene Hautpartikel abgerieben. Die Massageräume sind zwar klein, aber schlicht und geschmackvoll eingerichtet und verfügen alle über eine eigene Dusche.

Ein Blick wie aus dem "Vier Jahreszeiten"

Doch der wahre Luxus des Nivea-Hauses offenbart sich im Obergeschoss: In einer sprudelnden Badewanne liegend kann Frau sich die Füße massieren lassen und dabei den Blick auf die Binnenalster genießen. Viel edler entspannt es sich im benachbarten Fünf-Sterne-Hotel "Vier Jahreszeiten" auch nicht. Auch Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust, der die Wohlfühl-Oase bei der Medien-Premiere bestaunte, war von der exquisiten Lage begeistert. Schließlich gehören Nivea und Beiersdorf zu Hamburg und sind damit auch die Botschafter der Hansestadt in der Welt. Zwei Millionen Euro hat das Unternehmen in den neuen Blickfang am Jungfernstieg investiert und hofft nun auf 100.000 Besucher.

Ob die Hamburger die Erlebniswelt für Otto-Normalverbraucher in Anspruch nehmen, bleibt abzuwarten, immerhin ist das Konzept der "Kurzzeit-Wellness" noch neu in Deutschland. Dazu wird die Marke Nivea bisher eher mit Pflege denn mit Beauty assoziiert - allen voran mit der Creme, die 1911 auf den Markt kam. Innerhalb des Beiersdorf-Konzerns ist Nivea das Zugpferd Nummer Eins; 2005 bescherte es dem Unternehmen einen weltweiten Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. Wenn das Konzept des Nivea-Hauses in Hamburg funktioniert, wird über die Eröffnung weiterer Häuser entschieden.


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