Prêt-à-Porter Paris Sanftes Gruseln mit "Gothic Chic"

Während Europa auf den Frühling wartet, präsentieren die Designer in Paris ihre Kollektionen für den Herbst. Als Accessoires trugen die Models riesige Kreuze auf und winzige Hunde vor der Brust.

Eine dunkle Romantik überschattet den nächsten Modewinter. Schwarze Entwürfe mit Kreuzketten und fledermausartige Gewänder wandern zurzeit über die Pariser Laufstege. "Gothic" heißt einer der Trends der Prêt-à-porter-Schauen der Damenmode für Herbst/Winter 2006/7, und er nimmt damit eine Richtung auf, die schon seit ein paar Jahren in französischen Boutiquen wie "Gruft" die etwas skurrile Kundschaft entzückt. Allerdings: Wo dort Totenkopfgürtel und Schlangenketten Schauer über die Rücken treiben sollen, plädieren die Designer eher für eine abgemilderte Form von Geisterstunde. Und so prägt eine leise Melancholie ihre Inszenierungen.

Tiefrot waren einige der Kleider, die John Galliano für Dior am Montagabend zeigte. Aus weichem Mousseline gefertigt und zu Volants geschwungen, umschmeichelten sie die Model-Körper. Den Kontrast dazu bildeten mächtige Lammledermäntel mit großem Kragen und Fellbesatz. Schwarze Musketier-Jacken wurden von riesigen Gürteln mit Silberschnalle in der Taille zusammengehalten und zu schwarzen Röcken, Stulpenstiefeln und großen Sonnenbrillen kombiniert. Statt an "Gothic Chic" - so das Motto der Kollektion - dachte man dabei allerdings eher an Rockstars.

Das farblich abgestimmte Tier als Accessoire

Wie Feen der Finsternis erschienen die Mannequins bei Jean Paul Gaultier. Spinnwebfeine Vorhänge wehten über dem Laufsteg, zart und fein waren auch die Gewänder. Ein wassergrünes Elfenkleid wurde kunstvoll drapiert, ein bordeauxrotes schmales Samtkleid durch einen Ballonrock aus braunem Chiffon und eine weiche Mohairjacke "entschärft". Pelz und Chiffon mischten sich zu kunstvollen Mänteln, während ultraleichte Federn am Saum eines cremefarbenen Seidenkleides wippten. Etwas befremdlich wirkten allerdings die "Accessoires" dieses schönen Gruseltraums: Gaultier ließ seine Models Katzen oder sogar eine Eule durch den Saal tragen und Hunde an der Leine führen. Die Outfits waren dabei auf die Fellfarbe der unfreiwilligen Statisten abgestimmt.

In eine ganz andere Richtung weisen die Entwürfe von Paco Rabannes Designer Patrick Robertson, der am Dienstagvormittag mit ultramodernen Entwürfen bestach. Eine neue Modesilhouette mit schmalen Zigarettenhosen in Schwarz, die stulpenartig über Keilabsätzen enden, und lockeren Oberteilen setzte er gekonnt in Szene. Lineare Strenge wird durch Volumen gelockert, etwa beim Fischgrätmantel mit breitem Gurt und weiten Taschen.

Griechische Göttinen im britischen Karolook

Bei Marithé & François Girbaud trafen perfekt geschnittene Offiziersmäntel in Grau oder strahlendem Rot auf Tänzerinnenröcke und Ballettfrisuren. Lose geschnittene Lammjacken passten zu Cowboystiefeln und lockeren Hüftjeans. Harmonisch wirkten die Farben: Neben Rot, Grau und Schwarz gab es schöne braunstichige Töne von dunklem Aubergine bis zu hellem Beige. Englands Design-Veteranin Vivienne Westwood hatte sich von griechischen Drapierungen inspirieren lassen, die sie - als Königin des Mode-Mix - mit britischem Karolook und etwas Disco-Glitzer mischte.

Auch bei Issey Miyake gab es einen Stilmix. Ein Reiterthema mit dunkelgrauen Armeemänteln zu flachen Schnürstiefeln stand neben zartem Lagenlook oder einer skulptural ausgearbeiteten Leder-Korsage in Braun. Sein Können zeigte Miyake-Designer Naoki Takizawa dann bei afrikanisch anmutenden Entwürfen mit bunten Bändern. Sensationell war der Ort der Schau: Takizawa präsentierte seine Ideen im neuen, hochmodernen Museum am Quai Branly, das der Star-Architekt Jean Nouvel entworfen hat und das im Juni eröffnet werden soll.

Stefanie Schütte/DPA DPA

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