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Dr. Tobias von Wild Schönheits-OP-Boom im Lockdown: "Die Leute wollen sich etwas Gutes tun"

Schönheits-OP
Von Botox bis Brust-OP: Schönheits-Eingriffe boomen in der Pandemie
© Picture Alliance / Picture Alliance
Viel Zeit zu Hause, Urlaubsgeld übrig: Die Schönheits-Chirurgie erlebt in der Pandemie einen überraschenden Boom. Der plastische Chirurg Dr. Tobias von Wild erzählt, was sich in der Coronakrise verändert hat..

Vielen Branchen beschert die Corona-Pandemie Existenzsorgen, doch das gilt nicht für die plastische Chirurgie. Laut der Vereinigung der deutschen ästhetisch-plastischen Chirurgen erleben Schönheits-Kliniken im Lockdown großen Zulauf. Auch Dr. Tobias von Wild aus Hamburg hat einen vollen Terminkalender. "Wir kommen kaum mit Beratungsterminen hinterher", erzählt der Schönheitschirurg dem stern. Mehrere Brustvergrößerungen, eine Brustverkleinerung und eine Bauchstraffung gehörte unter anderem zu seinem Pensum in dieser Woche. Im Interview spricht er über seine Sicht auf den Boom.

Herr von Wild, können Sie den Boom der Schönheitschirurgie-Branche in der Pandemie bei sich in der Praxis bestätigen?

Eine erhöhte Anfrage nach Beautytreatments können auch wir eindeutig verzeichnen. Sowohl unsere Beratungs- als auch Behandlungstermine sind bist weit in die Sommermonate gefüllt. Jeder OP -Tag ist zur Zeit zu unserer Freude maximal ausgelastet mit bis zu vier Eingriffen, abhängig von dem jeweiligen zeitlichen Aufwand. Vor Corona konnten wir innerhalb von wenigen Wochen einen Wunschtermin vergeben, nun waren wir Ende des vergangenen Jahres bereits weit im nächsten Jahr.

Jetzt könnte man denken, die Menschen hätten in der Pandemie andere Sorgen als Schönheits-Eingriffe. Warum kommen ausgerechnet jetzt so viele?

Ich glaube: Die Menschen streben danach, sich zu belohnen. Sie brauchen irgendetwas, das sie sich gönnen können. Und da fällt momentan viel weg.

Das heißt, Ihre Patienten gehören zu einer Schicht, die von der Pandemie nicht finanziell betroffen ist?

Meine Klientel ist bunt gemischt. Sowohl die Wohlhabenderen kommen zu uns, aber auch die, die sich einmal etwas gönnen möchten. Nur sehr wenige haben Termine seit der Pandemie abgesagt, zum Beispiel wegen Kurzarbeit. Da hatte ich mehr Stornierungen befürchtet.

Schönheitsideale im Zeitraffer-Video
Dr Tobias von Wild
Der Schönheitschirurg Dr. Tobias von Wild behandelt in Hamburg 
© Praxis Dr. Von Wild

Welche Gründe für den Entschluss nennen Ihre Patienten? 

Des Deutschen Liebstes ist das Reisen. Hier wird gerne investiert, aber momentan ist das ja nicht möglich. Die Leute können ihr Geld nicht im Urlaub ausgeben, wollen sich etwas Gutes tun und investieren deshalb in ihren Körper und ihr Wohlbefinden. Das Thema beschäftigte sie vielleicht schon länger, aber finanziell hatte es keine Priorität.

Haben sich die Patientenwünsche seit Beginn der Pandemie verändert, werden andere Eingriffe angefragt?

Das nicht, aber mein Eindruck ist, dass die Patienten sich schneller dafür entscheiden. Nach dem Motto: jetzt oder nie. Zum einen scheinen sie derzeit eher die finanziellen Möglichkeiten zu haben. Zum anderen haben sie jetzt die Zeit. Und viele nutzen natürlich die Gelegenheit, weil sie im Home Office sind und meinen, sich deshalb weniger Urlaubstage zum Auskurieren nehmen zu müssen.

Ist das denn wirklich so entspannt machbar?

Das ist je nach Eingriff unterschiedlich. Aber für manche Behandlungsoptionen muss man auch eine längere Ausfallzeit in Kauf nehmen. Nach einer Brust-OP kann ich nicht unbedingt am nächsten Tag wieder mit der Freundin Prosecco trinken. Aber jeder Befund braucht eine individuelle Beratung.

In vielen Krankenhäusern werden nicht dringend notwendige Operationen gestrichen, zum einen, um die Betten für Covid-19-Patienten freizuhalten, aber auch, um die Ansteckungsgefahr zu vermindern. Fühlen Sie sich sicher beim Operieren momentan?

Ich bin froh über unser Hygiene-Konzept und fühle mich sicher am Arbeitsplatz. Meine Patienten bekommen alle einen Corona-Schnelltest, sowohl am Operationstag als auch bei kleinen Eingriffen. Sie werden dafür isoliert und kommen erst danach mit meinem Personal in Kontakt. Wir tragen Masken, waschen die Hände, haben verschiedene Trennwände installiert. Das funktioniert gut.

Die Schönheitschirurgie hat mitunter einen schlechten Ruf, erst kürzlich sorgte die Sendung "Jenke" für Schlagzeilen, in denen ein Moderator sich fast bis zur Unkenntlichkeit umoperieren ließ. Haben Sie das gesehen?

Ich fand das Jenke-Experiment schlecht aufgezogen, zu reißerisch. Die Sendung war leider eher abschreckend für unseren Beruf. Von der Herangehensweise hätte ich mich anders entschieden. Aus meiner Sicht hätte stärker betont werden müssen, dass wir als Plastische Chirurgen zu einem frischeren Erscheinungsbild beitragen können, nicht aber "die Zeit zurückdrehen" können. Mir ist es dabei wichtig, die Persönlichkeit, das Charakteristische meiner Patienten zu bewahren.

Kommen viele Kunden mit unrealistischen Wünschen zu Ihnen?

Was mir schon vor Corona aufgefallen ist, dass Patienten mit Ideen kommen, die sie aus den sozialen Netzwerken kennen. Die haben dann so ein Halbwissen und bei denen ist es teilweise schwieriger, sie von ihrer Idee weg zu bekommen und sie zu lenken. Aber auch das haben wir bisher immer geschafft.

Und nach was wird am häufigsten gefragt?

Brustvergrößerung und Fettabsaugungen sind die Dauerbrenner bei uns in der Klinik, das war schon vor der Pandemie so. Neu im Trend ist momentan die Verschmälerung des Gesichts, etwa indem man Fett aus der Wange entfernt. Das hat mit den Instagram-Filtern zugenommen. Und auch die Fettreduktion durch Kältebehandlung. Durch geschlossene Fitnessstudios wollen sich viele mit dem sogenannten "Cool Sculpting" auf den Sommer vorbereiten.

sst

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