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"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" Endlich mal wieder ein Film, für den wir ins Kino wollen!

Frances McDormand in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"
Feldzug im Overall: Frances McDormand in "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri"
© Fox Searchlight Pictures/ / Picture Alliance
Dem Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" gelingt, was schon lange kein Hollywood-Film mehr geschafft hat: Er verursacht gleichermaßen Hype und Streit - und macht große Lust auf ein fast vergessenes Vergnügen: den Kinobesuch.

Dieser Text handelt von dem Film "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri". Wir haben ihn noch nicht gesehen. Wie das zusammenpasst? Sehr gut sogar, denn von diesem nostalgischen Phänomen wollen wir hier sprechen: von der Lust, unbedingt ins Kino gehen zu wollen, und von dem Film, der sie befeuert. 

Wann wart ihr zum letzten Mal im Kino? Wir reden hier nicht vom siebten Sequel irgendeiner Comic-Verfilmung, in deren Spätvorstellung ihr euch am Samstagabend schleppt, weil ihr mal wieder zu faul zum Feiern seid. Und wir reden auch nicht von Pflichtterminen wie dem neuen Tarantino oder Fatih Akin.

Zu gut und wichtig, um auf Netflix zu warten

Nein, wir meinen den Film, der langsam die Runde macht. Der schon Wochen, bevor er anläuft, häppchenweise Neugier schürt, aus der allmählich echte Vorfreude erwächst. Der Film, von dem wie aus dem Nichts plötzlich alle reden. Der es wert ist, einen Kinotermin ins Auge zu fassen, vielleicht sogar Tickets zu reservieren, weil er zu gut, zu wichtig zu sein scheint, um auf den DVD- oder Netflix-Release zu warten. Weil wir ihn einfach nicht verpassen wollen.

Aus Hollywood kommen solche Kinofilme mit der Betonung auf Kino nur noch sehr selten, aber "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" ist ein solcher Film. Er bringt alles mit, was es braucht:

1) Trailer

In "Three Billboards" kämpft eine Overall-tragende Mutter, deren Tochter am Rande einer Landstraße vergewaltigt und ermordet wurde, für Gerechtigkeit. Schon der Trailer verrät, warum wir es hier nicht mit einem herkömmlichen Rachedrama zu tun haben: Die drei Plakatwände, die der Frau zum Protest dienen, muten in Zeiten von Twitter schon reichlich skurril an. Dialekt und Sprüche lassen auf dunkelschwarzen Hillbilly-Humor schließen. Vieles erinnert in Ton und Optik an das postmoderne Genrekino der Neunziger, fast alles macht Lust auf mehr. Entsprechend euphorisch sind die Kommentare der User zum Trailer bei Youtube: "Wenn der Film nur halb so gut ist wie der Trailer, bin ich mehr als zufrieden", heißt es dort, auch als "bester Trailer aller Zeiten" wird der 161-sekündige Clip gefeiert.

2) Hype

Gleich vier Golden Globes hat "Three Billboards" abgeräumt, was den Film automatisch zum Oscar-Favoriten macht. "Fargo"-Legende Frances McDormand wird für ihre Hauptrolle als Mildred Hayes in hohen Tönen gelobt. Der unwiderstehliche Woody Harrelson hat sich währenddessen offenbar vorgenommen, hier genau so großartig weiterzumachen, wie er zuletzt Staffel eins von "True Detective" bestritten hat. Und Regisseur Martin McDonagh macht nach den Indie-Klassikern "Brügge sehen ... und sterben?" und "7 Psychos" den nächsten Schritt.

3) Streit

Spätestens seit den ersten Auszeichnungen gibt sich die amerikanische Kulturkritik plötzlich ein wenig verwirrt darüber, wie gut sie "Three Billboards" denn nun wirklich finden darf. McDonagh wagt nämlich dem Vernehmen nach einen Angang, den er sich wahrscheinlich nur leisten kann, weil er kein US-Amerikaner, sondern Ire ist: Er wirft die Frage auf, wie sympathisch die dumpfen Rassisten der Südstaaten auf der großen Leinwand rüberkommen dürfen. Besonders Sam Rockwell als tumber Cop Dixon soll diesbezüglich mit besonders ambivalenter Performance zur Debatte beitragen. Lieben die weißen Kritiker diesen Charakter etwa so, wie sie heimlich auch ihren rassistischen Onkel lieben würden? Wir werden uns selbst ein Bild davon machen. Im Kino.

Bei allem Hype, bei allem Streit, bei allen Vorschusslorbeeren - am Ende kommt es auf das Werk an sich an, und das ist der entscheidende der X-Faktoren: Wie gut ist es wirklich? In der "Zeit" beschreibt Lars Weisbrod in einer ersten Meinung den Film "als 30 Minuten und 50 Pointen zu lang, aber auch so unwahrscheinlich, dass man ihn sehen sollte". Mit anderen Worten: "Three Billboards" klingt selbst dann noch vielversprechend, wenn er kritisiert wird.

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" im Kino

Natürlich kann es sein, dass unsere Erwartungen nicht erfüllt werden. Erst recht, weil sie inzwischen so hoch sind. Aber wir können kaum erwarten, uns eine Karte für das kleine Kunst-Kino im Uni-Viertel zu kaufen und es herauszufinden. Netflix und chillen können wir auch morgen noch. Aber ein Film wie "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" kommt so schnell nicht wieder.

"Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" läuft ab 25. Januar im Kino

Collage aus zwei Standbildern aus Filmen.

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