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Die Foodprobe: Ich habe Gummibärchen selbst gemacht - und meine Freunde waren vom Ergebnis begeistert

Gummibärchen selber machen? Kein Problem: Der Aufwand ist gering und die Erfolgsaussichten sind geradezu erschreckend hoch - denn mit Zucker kriegst du sie alle.

Von Ferdinand Dyck

Gummibärchen

Gummibärchen

Am Ende fühle ich mich schuldig. Ich habe eine überzeugte Vegetarierin dazu gebracht, auf Rinderknochen-Bindegewebe herumzulutschen und dabei "Mmhhh!" zu rufen. Sie war entzückt über das eigentlich Verbotene. Das war, ich schwöre es, nicht meine Absicht. Ich hatte einfach nicht rechtzeitig "Achtung, GE-LATI-NE!" rufen können, so schnell stopften sich die Gäste beim Geburtstagsbrunch eines Freundes die bunten, schwabbeligen Fruchtgummibrocken in den Mund, die ich ihnen in meiner feinsten vorgesetzt hatte. Trotz meines schlechten Gewissens musste ich grinsen. Es ist ein klebrig-glibbriger Teufelskreis der Tierknochenethik.

Ein Glück nur, dass Hans Riegel das nicht mehr erleben muss. Er hat damals noch ethisch korrekt das vielleicht Absurdeste erfunden, das die Süßwarenabteilung zu bieten hat: das . Als der ausgebildete Bonbonkocher eben jene im Jahr 1922 zum ersten Mal herstellte, verlieh er ihnen ihre Elastizität mit pflanzlichem Gummi arabicum. Kein Tier musste dafür sterben. Er verzückte damit die Massen, bis in die höchsten Kreise der Gesellschaft schwärmten die Menschen von den Gummibärchen.

Der übliche Kampf um die Roten muss sein

Wilhelm II., der alte Stahlhelm-Satiriker, soll sie einmal als das Beste bezeichnet haben, das die Weimarer Republik hervorgebracht hat.

Ich, ganz lupenreiner Demokrat, schüttle fassungslos den Kopf, wenn ich das höre. Das Beste? Nun gut. Versuchen wir es mal und weichen acht Blätter Gelatine in 100 Milliliter Acerolakirschsaft ein. Nach zehn Minuten erhitze ich den Saft auf 60 Grad und rühre. Sofort löst sich die Gelatine auf. Ich habe noch etwas Colasirup übrig (siehe hier), mit dem süße ich die schon leicht gummiartige Mischung, gebe noch etwas Zitronensaft für die typische Gummibärensäure dazu, fertig.

Ich lasse die Masse abkühlen, fülle sie in diamantförmige Eiswürfelkästchen und stelle sie in den Kühlschrank. Ich wiederhole alles noch je einmal mit Orangen- und mit Apfel-Rhabarber-Saft, für die Geschmacksvielfalt. Und natürlich sollen die Würfel bunt sein der übliche Kampf um die roten Bärchen muss sein.

Gummibärchen: Schmeckt das? Ja, und wie!

Zwei Stunden später radle ich zum Brunch. Die Tupperdosen in der Satteltasche, im Kopf Zweifel: Schmeckt das, was ich da hastig zusammengerührt habe?

Wenige Minuten später weiß ich: ja, und wie! Meine schwabbeligen Häppchen kommen an. Weniger bissfest als echte Gummibären seien sie zwar, so die einhellige Meinung (ich schiebe es auf die zu kurze Rast im Kühlschrank), und natürlich absolut nicht bärenförmig aber "suuuuuuperlecker!". Selbst die Vegetarierin verzeiht der Bio-Gelatine und mir und sagt: "Geschmeckt haben sie!" Der Einzige, der verzichtet hat, bin ich. Ich hasse Gummibärchen und frage den Gastgeber, ob er nicht ein Glas Sekt hat. Ist ja schließlich kein Kindergeburtstag.

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