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Mein erstes Mal: Mit 25 trinke ich meinen ersten Kaffee - und bin entsetzt

"Wollen wir noch einen Kaffee trinken?" Was die meisten Menschen als nette Freizeitbeschäftigung verstehen, ist für unsere Autorin die reinste Horrorvorstellung. Sie findet: Kaffee stinkt. Für NEON hat sie sich nun überwunden und trotzdem probiert.

Die Autorin verzieht ihr Gesicht, als sie den ersten Schluck Kaffee trinkt

Sieht lustig aus, aber das ist das Gesicht unserer Autorin nach dem ersten Schluck Kaffee

stern.de

Ich bin 25 und habe in meinem Leben noch nie getrunken. Nicht mal ein kleines Mini-Schlückchen. Ich habe keine Ahnung, was der Unterschied zwischen einem Latte Macchiato und einem Cappuccino ist. Und ich finde (als scheinbar einziger Mensch auf dieser Erde), dass Kaffee stinkt. In dieser Coffee-to-go-Welt fühle ich mich manchmal wie das letzte Einhorn.

"Wollen wir einen Kaffee trinken gehen?" - "Nee, danke. Ich mag keinen Kaffee." Entsetzte Gesichter, ungläubige Blicke, "Waaaas?!" Bei der Arbeit geht das mindestens einmal die Woche so. 

Damit soll jetzt Schluss sein! Ich werde einen Kaffee trinken. Vielleicht gefällt es mir ja.

Her mit dem Kaffee!

16:25 Uhr: Ich bin richtig aufgeregt. Fühlt sich fast an wie ein richtiges erstes Mal. Dazu mischt sich ein bisschen Angst vor der Wirkung. Bei einer Dose Energydrink kriege ich gern mal Herzrasen.

16:32 Uhr: "Ich hätte gerne eine Tasse schwarzen Kaffee." Nix da mit Milch und Zucker. Wenn schon, denn schon. Schwarzer Kaffee hat scheinbar auch einen fancy Namen: Americano. Aha. Wieder was gelernt. "Eine große oder eine kleine Tasse?" Ich will gerade "klein" antworten, da schreitet meine Kollegin ein: "Eine große! Das sieht besser auf dem Foto aus." Na toll, also eine große. 

16:33 Uhr: Da steht sie nun, meine erste Tasse Kaffee. Sie ist riesig und sie stinkt.

16:35 Uhr: Der erste Schluck. Entsetzen. Alter, was ist das für ein ekliges Zeug?! Schmeckt wie aufgekochte Pappe. Es schüttelt mich, doch ich trinke tapfer weiter. Wenn auch in sehr kleinen Schlucken.

16:37 Uhr: Ein großer Schluck. Warum ist das so bitter?

16:43 Uhr: "Wie viel muss ich trinken, bis ich was merke?" – "Denise, das sind keine Drogen." Meine Kollegen sind amüsiert. Ein bisschen wie nach der Einnahme einer verbotenen Substanz fühle ich mich trotzdem. Die ganze Tasse schaffe ich niemals.

16:53 Uhr: Erste Placebo-Effekte treten ein, ich kichere vor mich hin, fühle mich irgendwie aufgedreht.

16:55 Uhr: Ich nehme noch einen großen Schluck - zur Sicherheit, damit es wirken kann. Oh Gott, lauwarm schmeckt es noch schlimmer. Ich dachte, das geht gar nicht. Mehr als die Hälfte der monströsen Tasse schaffe ich nicht.

17:08 Uhr: Kopfschmerzen setzen ein.

17:13 Uhr: Langsam wird mir schlecht. 

17:19 Uhr: Ich lecke mir über die Lippen. Örks, sie schmecken immer noch nach Kaffee. Mir läuft es eiskalt den Rücken runter.

17:21 Uhr: Mir geht’s immer schlechter. Alles riecht und schmeckt nach Kaffee. Ich versuche, den Geschmack irgendwie mit Wasser runterzuspülen, aber es klappt nicht.

17:13 Uhr: So langsam meldet sich mein Bauch. Davor haben mich meine Kollegen schon gewarnt.

17:27 Uhr: Mir geht’s ganz seltsam. Kater-Stimmung macht sich breit. Vom erhofften Energieschub keine Spur.

17:34 Uhr: Die Kopfschmerzen werden immer schlimmer. Mein Bauch macht komische Geräusche.

17:50 Uhr: Immer noch fährt mir ständig ein Schauer über den Rücken. Die Erinnerung an den ekligen Geschmack lässt mich nicht los.

18:31 Uhr: Auf dem Nachhauseweg in der U-Bahn hab ich zwischenzeitlich das Gefühl, ich müsste mich gleich übergeben.

18:43 Uhr: Zu allem Überfluss verpasse ich meine Haltestelle und fahre eine zu weit.

19:11 Uhr: Ich bin unglaublich müde. Sollte das nicht eigentlich anders sein? Ernüchterung.

Mein Fazit:

Noch am nächsten Tag bilde ich mir ein, diesen grausamen Geschmack im Mund zu spüren. Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich immer noch Gänsehaut vor lauter Ekel.

Ich bin ein bisschen traurig, hatte ich mir doch irgendwie mehr von meinem ersten Mal versprochen. Ich dachte an einen richtigen Koffein-Kick, der mich stundenlang am Stück schreiben lässt. Hinzu kommt: Nun kann ich nie wieder sagen, dass ich noch nie Kaffee getrunken hab. Mein USP ist dahin.

Jetzt kann ich aber verstehen, dass Kaffee-Kreationen mit Milchschaum, Sirup und sonstigem Zeug, dass die Plörre erträglich macht, so beliebt sind. Ihr mögt sie eigentlich selbst gar nicht, gebt's doch zu! Für mich war das der erste und letzte Kaffee. Wenigstens kann jetzt keiner mehr behaupten, ich hätte es nicht probiert. 

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