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Einer gegen alle

Umstrittenes Serien-Finale: Was habt ihr alle? Warum das "Game of Thrones"-Ende super war

Überall sehen wir Artikel darüber, wie enttäuschend das Ende von "GoT" sei, sogar eine Petition wurde gestartet, die eine Neuauflage fordert. Unsere Autorin hingegen findet das Ende gut und sagt auch, warum.

Game of Thrones - Staffel 8: Das ist der Ausblick auf Folge 6

Achtung: Dieser Text verrät Inhalte der aktuellen achten Staffel von "Game of Thrones" und aus allen bisherigen Staffeln. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier wirklich aufhören zu lesen.

Die letzte Staffel von "Game of Thrones" musste, völlig zurecht, einiges an Kritik über sich ergehen lassen. Zu wenig Charakterentwicklung, die Autoren hätten sich keine Zeit genommen, Continuity-Fehler, das sind nur einige Anschuldigungen von Seiten der Fans.

Wir hatten hohe Erwartungen. Wir wollten wissen, wer auf dem Eisernen Thron sitzt, wie das Schicksal mit Westeros spielt, den finalen Showdown von Daenerys und Jon sehen. Und jetzt sind viele von uns nicht zufrieden mit dem, was uns geboten wurde. Ich habe mir gestern das Finale angeschaut und mich danach schlecht gefühlt. Aber nicht, weil ich das Ende, wie gefühlt alle anderen, furchtbar fand, sondern im Gegenteil: Ich finde die finale Folge von "Game of Thrones" sehr gut, einer Saga würdig.

Dazu muss man wissen: Wochenlang habe ich versucht mich von Spoilern fernzuhalten, was nicht gerade leicht ist, wenn dein Job bedeutet, täglich im Internet auf Themensuche zu gehen. Letzte Woche Freitag dann der ultimative Spoiler: Mein Kollege kam in den Raum und rief: "Das Ende wurde geleakt, es ist grauenhaft!" Danke. Selbst das kann schon Erwartungen verändern. Selbst diese kleine Aussage veränderte mein komplettes Mindset. Aber vielleicht war es genau dieser Spoiler, der das Ende für mich gerettet hat. Ich fing an, alle Theorien eines möglichen Endes durchzugehen – keine davon traf zu. Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet und es ist nicht eingetroffen. Und genau das ist einer der Punkte, die ich genial am Ende von "Game of Thrones" finde: Die Macher der Serie haben es wieder geschafft, uns alle zu überraschen.

Keiner hat das Ende vorhergesehen – zum Glück

Es gab tausende Fan-Theorien und keine behielt Recht – und jetzt seid ihr sauer? War es nicht genau das, was "Game of Thrones" ausgemacht hat? Immer wieder haben die Macher der Serie uns geschockt, uns da erwischt, wo wir es nicht erwartet haben. Dass die letzte Staffel nicht so gut war, wie die vorherigen müssen wir nicht diskutieren. Auch meiner Meinung nach hätten zwei Folgen mehr nicht geschadet, aber das Ende ist genau das, was wir gebraucht haben. Die letzten zwei Folgen der achten Staffel sind genau das, was "Game of Thrones" immer ausgemacht hat.

Es geht um Macht, um einen unnützen Krieg und seine Folgen, gute und schlechte Menschen, Intrigen und Menschlichkeit. Selbst die stark kritisierte Charakterentwicklung von Daenerys ist in sich schlüssig und beendet. Schon immer stand sie auf der Kippe zwischen Gut und Böse. Sie hat ganze Kulturen ausgelöscht und ihren Willen durchgesetzt. Die Charakterentwicklung der "Mad Queen" ist vollstens nachzuvollziehen. Wie ein großer Meister schon sagte: "Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass, Hass führt zu unsäglichem Leid." – Yoda. Also was wollt ihr mehr? Dass es Jon sein musste, der sie am Ende tötet, lag vollkommen auf der Hand.

Bran the Broken

Womit allerdings niemand gerechnet hat, ist, dass Bran Stark am Ende auf dem Thron sitzt. Und ich finde, er ist die perfekte Besetzung für den nicht mehr existenten Eisernen Thron. Vielleicht nicht für die Fans, doch aber für Westeros. Ein allwissender Krüppel, der sein Wissen jetzt endlich für etwas Nützliches einsetzen kann. Er ist der einzige, der die sieben Königslande vereinen kann, der einzige, der zum König gewählt werden kann, ohne einen anderen zu verärgern. Natürlich kommt es etwas überraschend, aber ich frage nochmal: Seit wann tut "GoT" das, was die Fans wollen? Noch nie. Und das ist gut so. Ich bin lieber überrascht von einem Ende, als in meiner Theorie bestätigt und gelangweilt.

Kitschig ist gut.

Zu kitschig sei das Ende, sagen die Fans. Besagter Spoiler-Kollege sagte mir schon letzte Woche, "es wäre ein besseres Ende, wenn Bran nach seinem Sturz aus dem Turm aufwacht und alles nur geträumt hat" ­– Bullshit. Kitschig ist gut. Klar, wäre auch ein trauriges oder katastrophales Ende eine Möglichkeit gewesen, aber welche große Saga hat das schon? Und wenn wir mal ehrlich sind, hätte jedes Ende die Fans verärgert.

Wenn wir es mit dem Ende von "Herr der Ringe", dem Fantasy-Epos schlechthin, vergleichen, sehen wir Ähnlichkeiten: Die Charaktere haben am Ende ihr Ziel erreicht – der böse Herrscher ist besiegt. Jetzt geht jeder seiner Wege. Natürlich bleiben dabei, wie auch bei "Herr der Ringe", Fragen offen: Wie wird Bran regieren? Findet Arya im Westen irgendetwas? Aber offene Fragen sind, meiner Meinung nach, existentiell für ein gutes Ende – es lässt Spielraum für Imagination. Wir beenden die Geschichte mit den Charakteren (ok, inklusive einiger Verluste), mit denen wir die Saga begonnen haben. Dazu kommt, dass es doch unglaublich geil ist, dass die Starks jetzt die absoluten Oberbabos sind. Arya wird vom kleinen Kampfzwerg zu "Dora the Explorer", Jon und Sansa haben das, was sie immer wollten: Jon ist im Norden und wacht über die Wildlinge und Sansa ist Königin. Auch Bran kann sein Wissen jetzt zu irgendwas gebrauchen – eine klassische Win-Win-Win-Win-Situation. Alle haben was sie wollen und in Westeros herrscht Frieden. Eine große Saga verdient ein gutes Ende. Und das hier ist ein gutes Ende.

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