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Interview

Netflix-Serie "Skylines": Edin Hasanovic: "Mir wurde empfohlen, mir einen deutschen Künstlernamen zu holen"

"Skylines" heißt die vierte deutsche Netflix-Serie. Edin Hasanovic ist einer der Hauptdarsteller. NEON sprach mit ihm über seine Rolle, über zu viel Arbeit – und warum ihm am Anfang seiner Karriere empfohlen wurde, sich einen deutschen Künstlernamen zu geben.

Netflix-Serie "Skylines"

In der deutschen Netflix-Serie "Skylines" spielt Edin Hasanovic Jinn alias Johannes, einen jungen aufstrebenden Hip-Hop-Produzenten

Edin Hasanovic – der Name klingt für Fußballfans vielleicht nach dem neuesten Transfer von Eintracht Frankfurt, doch der 27-Jährige ist meist vor der Kamera und nicht auf dem Fußballplatz zu finden. Jetzt ist der Schauspieler in der neuen Serie "Skylines" zu sehen, die in Frankfurt spielt. Die vierte deutsche Netflix-Serienproduktion startet am 27. September. Hasanovic verkörpert darin den aufstrebenden Hip-Hop-Produzenten Jinn aka Johannes. Der bekommt die Chance, bei einem großen Musiklabel zu arbeiten – und muss sich zwischen Freundschaft und Loyalität oder Reichtum und Erfolg entscheiden.

NEON: Rap spielt in "Skylines" eine große Rolle. Kann einem die Serie auch gefallen, wenn man mit der Musikrichtung überhaupt nichts anfangen kann?

Hasanovic: Ja, definitiv. Es ist eine Crime-Drama-Serie, die einen Teil der Frankfurter Gesellschaft zeigt. Die drei Säulen sind zum einen die Musik, zum anderen das Finanzwesen und Kriminalität. Auch wenn man als Zuschauer mit nichts davon Berührungspunkte hat, findet sich jeder in "Skylines" wieder. Vielleicht ist es das Zerbrechliche, das Loyale oder Unloyale. Es geht um Werte und um die ethischen, moralischen Herausforderungen des Einzelnen. Und das betrifft nun einmal jeden.

Du hast mal gesagt, dass du supergerne Rollen spielst, die möglichst weit weg von dir sind. Nun stellst du in "Skylines" einen Hip-Hop-Produzenten dar. Wie weit ist denn diese Rolle von dir weg?

Ziemlich weit weg. Der Charakter, den ich spiele, ist so sehr von seinem Talent überzeugt, dass er dafür sogar über Leichen geht. Und das ist etwas, was mir sehr fremd ist.

Du selbst bist also kein Hip-Hop-Fan?

Bisher nicht. Als ich mich im Vorfeld auf die Rolle vorbereitet habe, habe ich aber vermehrt Rap gehört. Ich muss sagen: Es gibt viel Gutes und auch viel Mainstreamiges, das mir sogar gefällt. Wobei: Wenn ich mich dann mit den Texten auseinandersetze, sehe ich das ein bisschen differenzierter. Generell höre ich allerdings kein spezielles Genre. Ich lass mich da vielmehr von meiner Stimmung leiten. Deshalb höre ich manchmal etwas Bosnisches, Marokkanisches oder Deutsches. Ein Potpourri an den verschiedensten Musikrichtungen.

In der ersten Folge produziert dein Charakter Jinn aka Johannes ein Instrumental. Hast du die Beats selber gemacht – oder tippst du da einfach nur wild auf dem Drum-Pad herum?

Also, wenn das so für den Zuschauer herüberkommt, will ich die Illusion gar nicht nehmen! Nein, aber tatsächlich ist das eine Fähigkeit, die ich nicht besitze. Ich hatte im Vorfeld einen Coach an die Seite gestellt bekommen, um mit dieser Maschine, dem Drum-Pad, klar zu kommen – und den technischen Aspekt dahinter zu verstehen.

In den vergangenen Jahren drei Jahren hast du in drei Serien und 15 Filmen mitgespielt und dazu noch den Deutschen Filmpreis moderiert. Das sieht so aus, als könntest du zu neuen Projekten nicht Nein sagen. Salopp gefragt: Arbeitest du zu viel?

Ob ich zu viel arbeite, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Allerdings ist es so, dass ich zu Projekten, die gut sind, nicht Nein sage. Was ich aber durchaus gelernt habe ist, mir auch mal während eines Drehs Pausen zu gönnen. Ich habe mich in der jüngeren Vergangenheit ziemlich verausgabt, weil ich die Ruhezeiten am Set nicht richtig eingehalten habe. Statt mich in meinen Trailer zurückzuziehen, habe ich lieber Gespräche mit Kollegen geführt.

In der "NDR-Talkshow" hast du von einem Urlaubsunfall erzählt, bei dem du dich schwer verletzt hattest. Doch anstatt dir Sorgen um deine Gesundheit zu machen, war das Erste, was du gesagt hast: "Scheiße, ich muss jetzt die Rolle in 'Skylines' absagen."

Das war einer der Momente, der dafür gesorgt hat, mich selbst zu hinterfragen. Denn natürlich sollte die Gesundheit Vorrang vorm Beruf haben. Das war in der Vergangenheit teilweise bei mir nicht der Fall.

Kannst du deinen Erfolg überhaupt genießen?

Nicht wirklich. Sobald es irgendwie gut läuft, denke ich immer: Das war der letzte Dreh, danach wird mich niemand buchen.

Hast du nie mal zwischenzeitlich gedacht: Ach komm, scheiß drauf. Ich mache jetzt etwas Anderes?

Meine Mutter hat mir mal gesagt, dass ich nichts in meinem Leben angefangen und so durchgezogen habe wie die Schauspielerei. 15 Jahre lang mache ich das jetzt schon. Und so lange ich dafür brenne und Leidenschaft da ist, denke ich nicht ans Aufhören. Sobald einmal Routine einkehrt und ich merke, ich mache das aus anderen Beweggründen, dann werde ich sofort damit aufhören.

Gibt es einen Plan B?

Nein. Ich glaube, auch deshalb habe ich so viel gedreht , weil es keinen gibt – weil ich meine ganze Energie hereingesteckt habe. Wenn ich einen Plan B habe, mache ich nur halbe Sachen.

Wie sehr nervt es dich, dass die Leute im Jahr 2019 immer noch deinen Namen falsch aussprechen oder schreiben?

Es geht. Die "Süddeutsche Zeitung" hat mir letztens ein Kompliment machen wollen – und hat mich dabei Boris Hasanovic genannt. Da werde ich zickig. Aber wenn mal ein Buchstabendreher drin ist, ist das okay. Ich bin eben kein Michael Meier, sondern ein Edin Hasanovic. Da fragen sich viele, wo der Strich hinkommt. Mein Name hat nur vier Buchstaben und trotzdem gibt es da oft Dreher. Das ist schon okay. Mir wurde am Anfang meiner beruflichen Laufbahn empfohlen, ich solle mir einen deutschen Künstlernamen holen. Aber ich glaube, dass wir in einem Land leben und zu einer Zeit, wo man sich langsam an solche Namen gewöhnen sollte. Das heißt, ich bleibe dabei. Und hoffe, dass sich das bald legt.