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Kritik

Streamingdienst: Neue Netflix-Serie "Skylines": Eigentlich zu gut, um aus Deutschland zu sein

Mit "Skylines" startet diese Woche die vierte deutsche Produktion bei Netflix. Wir haben schon mal reingeguckt und sagen euch, ob sich die Serie lohnt.

Trailer "Skylines": Das ist die neue Netflix-Serie aus Deutschland

Johannes sitzt während seiner Nachtschicht als Rezeptionist eines Frankfurter Drei-Sterne-Hotels lässig auf seinem Schreibtischstuhl. Die Rückenlehne hat er weit nach hinten geklappt. Seine Füße liegen auf dem Tisch. Er haut gleichmäßig mit den Fingern auf die Armlehne seines Stuhls, sodass ein Beat entsteht. Dann plötzlich springt er auf. Setzt sich seine Kopfhörer auf, klappt seinen Laptop auf und drückt wild auf einem Drum-Pad herum. Es ist der Moment, in dem er die Ideen aus seinem Kopf auf eine Computermaschine überträgt. Das Resultat ist ein Beat, über den Rap-Legende Azad später sagt: "Was für ein Brett!"

Für Johannes - Spitzname Jinn - ist es die Chance, auf die er lange gewartet hat. Sein großer Traum wird wahr, endlich bei einem großen Musiklabel als Produzent durchzustarten. Allerdings muss er sich entscheiden: zwischen seinem Kollegen und besten Freund Tonic, mit dem er aktuell Musik macht, aber keinen Erfolg hat – und dem vielen Geld, das er als Hip-Hop-Produzent beim Musiklabel Skyline verdienen kann. Er entscheidet sich für letzteres und kommt dabei mit einem Teil der Gesellschaft in Kontakt, den er bisher nur aus dem Fernsehen kannte: der organisierten Kriminalität.

Denn Ardan, der Bruder des Skyline-Inhabers und Rap-Legende Kalifa, nutzt die Räume des Labels, um seine illegalen Drogengeschäfte abzuwickeln. Johannes gerät zwischen die Fronten. Auf einmal findet er sich im Verhörzimmer des hessischen Landeskriminalamts in Frankfurt wieder – und wird der Beihilfe zum Mord beschuldigt.

Deutsche Netflix-Serie "Skylines"

Eine Szene aus der ersten Staffel der neuen deutschen Netflix-Serie "Skylines", die am 27. September beim Streaming-Dienst startet

"Skylines": vierte deutsche Netflix-Produktion

Na, angefixt von der Handlung der neuen Netflix-Serie "Skylines", die ab dem 27. September beim Streaming-Anbieter startet? Auf jeden Fall verspricht die vierte deutsche Original-Produktion von Netflix viel. Sie taucht ab in eine Welt, die einem großen Teil der Gesellschaft fremd ist: Musiklabels, Gangsterrap, das Frankfurter Finanzwesen und verdeckte Ermittlungen der Polizei. Dazu kommen jede Menge Testosteron und Dialoge wie diese:

"Wenn ihr jetzt die Fresse nicht haltet, schmeiß‘ ich euch alle vom Dach."

"Hey Fettsack, was hast gerade gesagt?"

"Mach‘ nicht auf Gangster, du Schwuchtel."

Oder:

"Pass auf, Jinn. Du hast Skills, die sind mies, Bruder. Die kann kein Schwanz bumsen."

Hauptdarsteller Edin Hasanovic, der besagten Jinn spielt, sagte NEON auf die Frage, was der Zuschauer von "Skylines" erwarten dürfe: "Es ist eine Crime-Drama-Serie, die einen Teil der Frankfurter Gesellschaft zeigt. Es geht um Werte und um die ethischen, moralischen Herausforderungen des Einzelnen."

Nicht nur Berlin kann hart sein – auch Frankfurt

Das, was "Dogs of Berlin" eigentlich schaffen wollte - die Facetten Berlins in eine authentische fiktive Geschichte zu packen -, ist "Syklines" nun gelungen. Frei nach Azads Line aus seinem Song "Mein Block" 439, Frankfurt am Main / Jeder Zweite von uns war in einem Kampfsportverein zeigt die Serie, dass nicht nur Berlin, sondern auch Frankfurt ein hartes Pflaster ist.

Dabei bedient sich die Serie mit Rap einer Musikrichtung, die inzwischen zwar mega erfolgreich ist, aber noch immer einen schweren Stand hat. Hip-Hop-Szenegrößen wie Nimo, Olexesh, Nura, Celo & Abdi, Azzi Memo, MC Bogy und eben jener Azad überzeugen in ihren Rollen. Und sie geben "Syklines" einen musikalischen Mehrwert, mit dem sogar einige Hollywood-Produktionen nicht im Ansatz mithalten können.

Dazu überzeugen die Leistungen der Schauspieler: Edin Hasanovic verkauft den Hip-Hop-Produzenten, den er spielt, dermaßen authentisch, dass es so wirkt, als habe er nie etwas anderes gemacht. Erdal Yildiz begeistert in seiner Rolle als böser großer Bruder so sehr, dass einem als Zuschauer des Öfteren die Muffe geht.

Dieses Gesamtpaket aus Authentizität, einer spannenden Geschichte, guten Schauspielern und einem überragenden Soundtrack machen "Skylines" zu einer Serie, die nicht den Eindruck erweckt, in Deutschland produziert und gedreht worden zu sein. Dafür ist sie eigentlich zu gut …