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Stefan Rappo: Bildband "Nude": Diese Aktfotos zeigen den weiblichen Körper ohne viel Tam-Tam

Aktfotografie landet häufig in der Schmuddelecke – dabei gehört sie dort gar nicht rein. Stefan Rappo arbeitet seit Jahren mit Star-Fotograf Peter Lindbergh zusammen und hat nun einen neuen Bildband rausgebracht: "Nude".

Aktfotografie: Stefan Rappos neuer Bildband "Nude"

Bei dem Wort Aktfotografie denken viele Menschen zuerst an Erotik, etwas Verruchtes. Nackte Frauenkörper sind in unserer Gesellschaft sexualisiert – und somit auch die weibliche Aktfotografie. Natürlich können Brüste, Pos und Rücken sexy sein – aber eben auch so viel mehr. Das sieht auch Fotograf Stefan Rappo so. Er fotografiert selbst seit Jahren die Körper nackter Frauen und hat gerade den Bildband "Nude" mit seinen besten Arbeiten der letzten sieben Jahre herausgebracht. In dem Vorwort schreibt er: "Es ist daher unglaublich schade, dass die Aktfotografie in unserer Gesellschaft mehr und mehr in ein schlechtes Licht gerückt wird. Auch die Frage nach der Qualität der Bilder stellt sich nicht mehr."

"Die weibliche Aktfotografie fasziniert mich, und hat mich schon immer fasziniert"

Besonders bei Aktfotos von Prominenten gehe es in der öffentlichen Wahrnehmung kaum um die Kunst: "Es geht in den Diskussionen nur noch um die Nacktheit und den vermeintlichen Skandal – Qualität oder Geschmack der Aufnahme spielen keine Rolle", schreibt er. In seinem Bildband "Nude" findet man keine bekannten Gesichter – und doch fesseln die Fotos den Betrachter auf eine ganz unaufgeregte Art und Weise. Aber warum hat sich der gebürtige Schweizer gerade für die Aktfotografie entschieden? "Die Antwort ist einfach: Die weibliche Aktfotografie fasziniert mich, und hat mich schon immer fasziniert. Das Spiel zwischen Emotionen, Formen, Linien, Licht und Erotik, aber auch zwischen Realität und Fiktion", schreibt er. "Nicht zuletzt ist es aber natürlich auch die Tatsache, dass der weibliche Körper in meinen Augen etwas un­glaublich Ästhetisches darstellt."

Stefan Rappo startete mit 30 Jahren noch einmal einen vollkommenen Neustart. Er kündigte seinen Job als Konstrukteur für Forstgeräte und zog nach Südfrankreich, um dort Fotografie zu studieren. Nach seinem Studium verschlug es ihn in die Metropole Paris, wo er als Fotoassistent für Camilla Akrans, Bruno Aveillan und Peter Lindbergh arbeitete. Mit Letzterem arbeitet er heute, sieben Jahre später, immer noch eng zusammen. Während seiner Assistenzarbeit entwickelte er aber auch eigene Fotoprojekte: filmische Foto-Inszenierungen, Porträtaufnahmen und schließlich die Aktfotografie.

Stefan Rappos Fotos funktionieren ohne viel Schnickschnack

In "Nude" erzählt er mit vielen kleinen Fotoserien Geschichten in verschiedenen Settings: am Strand, in der Wüste, unter Wasser,  im Hotelzimmer, am Pool, auf der Straße. "Ich mag die Idee, mit etwas konfrontiert zu sein, das vom Prinzip her sehr reduziert ist und ohne Zusatz auskommen muss. Ohne Acces­soires oder Mode", schreibt er weiter im Vorwort. Und tatsächlich schafft er es, ohne viel Tam-Tam die Fantasie des Betrachters zu wecken. Seine Bilder sollen berühren, nicht die Welt verändern, schreibt er. Und doch kann er mit seinem Bildband vielleicht dazu beitragen, dass Aktfotografie wieder als das angesehen wird, was es ist: das Abbild menschlicher Körper.

Den Bildband "Nude" von Stefan Rappo gibt es für 40 Euro zu kaufen beim Verlag teNeues

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