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"Stolpersteine": Track gegen Rechts: Trettmann lässt minimalistisch ganz große Gefühle entstehen

Trettmann setzt mit dem Musikvideo zu "Stolpersteine“ neue Maßstäbe in Sachen Minimalismus. Mit schwarzem Bildschirm erzählt er eine Geschichte, die uns im Hier und Jetzt betrifft.

Trettmann

Am 13. September kommt Trettmanns neues Album

Getty Images

Trettmann ist der wohl reflektierteste Rapper Deutschlands. Seine Texte bewegen und das ohne großes Trara. Mit einem unbeirrbar ruhigem Flow und den Samples von Kitschkrieg ging vor allem "Grauer Beton" direkt ins Herz. Doch mit seinem neuen Song "Stolpersteine" kann Tretti seinen eigenen Minimalismus noch toppen -  und zeigt uns gleichzeitig den erhobenen Zeigefinger.

Trettmann erzählt Geschichten 

"Stolpersteine" handelt von dem gleichnamigen Projekt des Künstlers Gunter Demnig, der Pflastersteine mit Messingtafeln in ganz Europa ersetzt. Darauf zu lesen: die Namen von Opfern des Nationalsozialismus. Genau über so einen Stein stolpert Tretti tatsächlich in seiner eigentlich recht einfachen Geschichte:  Er kommt eigentlich vom Feiern, denkt noch an das Mädchen vom Rave und beginnt nach dem Stolperer, sich auszumalen, wer in dem Haus vor dem Stolperstein gelebt haben könnte.

Seine Gedanken sind banal, aber berühren in ihrer Schlichtheit dennoch: Die junge Frau, deren Name dort steht, könnte gerne tanzen gegangen sein, überlegt er. Sie hätte ihm jetzt ein Lächeln schenken können, wie er so vor der Haustür auf den Stufen sitzt, genau wie es wenige Stunden vorher noch das Mädchen vom Rave getan hat. Trettmann schafft es dadurch, aus den Stolpersteinen wieder Menschen zu machen.

"In meiner Straße Stolpersteine
Vögel singen und ich weine
Hier könnt’ jeder Name stehen
Irgendeiner, irgendeiner
Doch hier steht deiner"

Geschichte, die sich wiederholen könnte

Trettmann gibt den Namen Geschichten. Geschichten, die nicht etwa nur der Vergangenheit angehören. Geschichten, die hier und jetzt wichtig sind.

"Schlingen werden wieder geknüpft
Messer wieder gewetzt
Nein, nicht woanders
Hier und jetzt."

Trettmann hebt den Zeigefinger so hoch er nur kann, emotional und persönlich. Und das bedarf dieses Mal nicht der typischen Schwarz-Weiß-Aufnahmen einer Großstadt, die wir sonst aus seinen Videos kennen. Der Clip zu "Stolpersteine" erinnert eher an eine Schweigeminute, eine sehr lange und kaum aushaltbare emotionale Schweigeminute. Ein schwarzer Bildschirm, die Klaviertöne des Berliner Pianisten Nils Frahm, natürlich von Kitschkrieg gesampelt – und das war's. Und das kommt gut an: Hunderte Fans kommentierten das Video auf Youtube bereits. Der Tenor: Besser hätte der Zeitpunkt so kurz vor den Wahlen in Sachsen und Brandenburg am 1. September nicht gewählt sein können. Trettmann hat mit dem Song eine Schweigeminute für die Opfer der NS-Zeit und die Opfer von rechter Gewalt heute geschaffen.   

Am 13. September kommt Trettmanns neues Album, mit dem er diesen Winter auch auf Tour gehen wird.