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Neue Musik: Diese vier Alben machen alle glücklich, die die Indieboys der 2000er vermissen

Ja, Ed Sheeran hat hübsche Haare, aber nein, das reicht nicht, um ein echter Indieboy zu sein. Man muss auch Songs schreiben, die Indiemädchen direkt in ihren kleinen, kalten Herzen treffen. Das hat lange niemand mehr geschafft, oder? Gut, dass die Helden des Genres jetzt wieder am Start sind!

Conor Oberst und Phoebe Bridgers haben eine neue Band gegründet

Conor Oberst und Phoebe Bridgers haben eine neue Band gegründet: Better Oblivion Community Center

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Wisst ihr noch damals, als gefühlt alle Bands aus gutaussehenden Typen mit Gitarren bestanden, die gefühlvoll-rumpelige Songs direkt in unsere Mädchenherzen gesungen haben? Inzwischen haben wir mehr tolle Musikerinnen wie Cardi B oder FKA Twigs, was auch sehr nice ist, aber wir geben zu: Die Indieboys haben wir ein bisschen vermisst. Die gute Nachricht: Sie sind wieder da! Und zwar so stark wie lange nicht mehr. 2019 wird gut!

1. Conor Oberst & Phoebe Bridgers, "Better Oblivion Community Center"

Was haben wir damals die Band Bright Eyes gefeiert, jenes bezaubernde Emo-Folk-manchmal-auch-Elektro-Projekt von Conor Oberst aus Omaha. Mit jedem Album erfand er sich ein bisschen neu und besang all unsere Schwärmereien, Affären und Trennungen mit seiner brüchigen Jungenstimme. Bis er und wir fast gleichzeitig beschlossen, jetzt erwachsen und seriös zu sein. Auch in den vergangenen Jahren gab es immer allerlei hochwertigen musikalischen Output von Oberst, zumeist solo unter seinem eigenen Namen, und fast immer als gemächlicher Gitarrenfolk. Sicher nicht verkehrt, aber ein bisschen langweilig.

Um aus dem netten Einerlei herauszufinden, hat der Boy mit den Sternchenaugen sich Unterstützung bei einer coolen Frau geholt: Phoebe Bridgers, die bisher sowohl als Solo-Musikerin als auch als Teil der Band Boygenius überzeugen konnte. Das gemeinsame Projekt tauften die beiden, etwas unhandlich, Better Oblivion Community Center und machten bis vor kurzem ein großes Geheimnis darum. Jetzt ist das gleichnamige Album draußen und nimmt uns mit auf eine ganz wunderbare Reise durch alle Facetten des Indierock: von laut und scheppernd bis gefühlvoll und zart. Bridgers glänzt mit ihrer wirklich zauberhaft klaren Stimme, und für Oberst ist das Projekt eine spürbare Frischekur, die ihm den Staub der letzten Jahre vom Holzfällerhemd schüttelt. Wer Bright Eyes vermisst hat: Das hier ist anders, aber es wird euch glücklich machen.

"Better Oblivion Community Center", als Download/Stream schon erhältlich, als CD & Vinyl ab 24. Februar

2. Ryan Adams, "Big Colors"

Ryan Adams

Ryan Adams

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Okay, bei Ryan können wir eigentlich nicht legitim sagen, wir hätten ihn vermisst. Schließlich war er in den letzten Jahren nicht untätig. Zuletzt sorgte der Wuschelkopf mit seinem Taylor-Swift-Coveralbum "1989" für Furore. Das war witzig, weil niemand so für coolen Indierock steht wie der New Yorker, und niemand so wie Taylor Swift für perfekt produzierten Chartspop. Das Album war saugut. 2017 lieferte er uns das klassisch-bluesrockige "Prisoner". Doch seitdem twitterte Adams vor allem über seine Katzen. Das ist nett, für die Fans aber nicht gänzlich zufriedenstellend.

Offenbar haben wir aber die Produktivität des Songwriters unterschätzt: Im April bringt er nun "Big Colors" heraus, das sich – der Vorab-Single "Fuck The Rain" und den Songtiteln zufolge – volle Pulle den Themen Liebesleid und Herzschmerz widmet. Wir wollen ja wirklich nicht, dass Adams leidet – aber bei Musikern hat ein gebrochenes Herz ja schon häufig zu den schönsten Ergebnissen geführt. Das Beste aber: Auf "Big Colors" sollen 2019 noch zwei(!) weitere Alben folgen, die offenbar auch größtenteils bereits aufgenommen sind. Erinnert uns auf beste Weise an das Jahr 2005, als der Songwriter bereits einmal innerhalb von zwölf Monaten eine ganze Alben-Trilogie auf den Markt warf – und sich darunter das wundervolle Doppelalbum "Cold Roses" befand.

"Big Colors", ab 19. April erhältlich

3. Pete Doherty, "Peter Doherty & The Puta Madres"

Pete Doherty

Pete Doherty

Picture Alliance

Es ist so eine Sache mit Herrn Doherty. Er ist ein sehr, sehr guter Musiker, charismatisch, charmant – aber die Sucht nach härteren Drogen hat Spuren beim Libertines- und Babyshambles-Frontmann hinterlassen. Ausraster via soziale Medien, Ausraster im echten Leben, abgesagte Konzerte, vergeigte Konzerte, geniale Konzerte. Der Typ, der so sexy war, dass Kate Moss es jahrelang mit ihm aushielt, darf inzwischen aussehen wie ein halbgarer Kartoffelkloß. Mal war er die Sympathie in Person, mal brachte er den Hamburger Produzenten Johann Scheerer, der Dohertys schönes Solo-Album "Hamburg Demonstrations" mit ihm aufnahm, an den Rand des Nervenzusammenbruchs, weil die Arbeit mit einem Süchtigen zu 200 Prozent unplanbar war. Das Vertrackte: Am Ende kommt trotz aller Unberechenbarkeit, trotz aller schlechten Trips und falschen Entscheidungen, musikalisch meist etwas Grandioses heraus.

Statt in Hamburg hat Doherty sein neues Album nun in einem französischen Fischerdorf aufgenommen. Seine Mitstreiter sind größtenteils Musiker, die seit 2016 bereits seine Solo-Projekte begleitet haben. Roh und intim soll die Platte klingen, die innerhalb von nur vier Tagen entstanden ist. Die Vorab-Single "Who's Been Having You Over" erfüllt dieses Versprechen schon mal – den Rest konnte/kann man bereits live hören (Doherty tourt gerade in Großbritannien), ab April dann auch käuflich erwerben.

"Peter Doherty & The Puta Madres", ab 26. April

4. The Lemonheads, "Varshons 2"

Evan Dando

Evan Dando

Picture Alliance

Die Lemonheads, diese wunderbare Band, die immer dann am besten war, wenn sie nicht so punkig klang, wie sie eigentlich gern sein wollte. Das berühmte "Mrs. Robinson"-Cover – okay, warum nicht. Aber "My Drug Buddy", "Ride With Me", "Being Around", das sind die Songs, für die man die Lemonheads wirklich lieben muss. Frontmann Evan Dando, von allen Indiegirls ob seines Aussehens und seiner schönen Haare umschwärmt, ist nämlich ein extrem guter Songwriter. Leider leidet auch er unter dem ewigen Rockstar-Fluch namens Alkohol und Drogen, was in den vergangenen Jahren dazu führte, dass Veranstalter ihm androhten, die Gage zu streichen, wenn er keine 60 Minuten auf der Bühne durchhält. Die gute Nachricht: Meistens hät er die 60 Minuten inzwischen locker durch, und anders als früher sind Live-Shows mit ihm heutzutage ein Fest der Glückseligkeit.

Und jetzt steht nach zehn Jahren(!) endlich wieder ein echtes Lemonheads-Album ins Haus! Ja, da darf man aufgeregt sein. Auch, wenn es sich offenbar um eine reine Cover-Platte handelt. Der merkwürdige Titel bezieht sich übrigens auf das letzte Album von 2009, "Varshons", das ebenfalls eine Sammlung von Covern war. "Varshons" ist einfach eine Verballhornung des Worts "Versions". Was der erste Song – eine Interpretation des Yo La Tengo-Stücks "Can't Forget" – anpreist, klingt enorm vielversprechend. Man hört einen Evan Dando, der bestens bei Stimme ist und sehr bei sich angekommen klingt, zudem scheint die Platte liebevoll produziert und nicht hastig zusammengeschustert worden zu sein. Die Tracklist überrascht mit Songs wie "Take It Easy", im Original von den Eagles. Schön, dass du wieder da bist, Evan!

"Varshons 2", ab 8. Februar

Fine Times Videopremiere