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Interview

Mark Forster im Gespräch: Deutschlands erfolgreichster Popmusiker über Streaming, neue Musik und seine Liebe

Achtung, Ohrwurm-Gefahr: Mark Forster hat sein neues und inzwischen viertes Studioalbum "Liebe" veröffentlicht. NEON sprach mit dem 34-jährigen Sänger über seine neue Musik, Streaming - und natürlich auch Liebe.

Mark Forster lacht

Mark Forster, 34, sprach mit NEON über sein neues und viertes Studioalbum "Liebe"

Ein Interview jagt aktuell das andere, neues Album, neue Staffel "The Voice of Germany", und auch in der neuen Show von Joko Winterscheidt "Win your Song" bist du zu sehen: Wie stressig ist gerade das Leben von Mark Forster?

Natürlich ist gerade viel zu tun. Das ist aber immer so, wenn man ein neues Album rausbringt, dass damit viel Arbeit einhergeht. Dennoch hatte ich den meisten Stress tatsächlich mit dem Album. Ich bin eigentlich jemand, der pünktlich abgibt und wo alles strukturiert ist. Doch bei diesem Album war es ganz anders. Es war echt schwer für mich.

Woran lag das?

Es war halt hart, diese Platte zu machen. Ich habe ganz viel wieder verworfen und immer wieder neue Songs geschrieben. Von den meisten Songs gibt es bestimmt sechs oder sieben Versionen, die es noch nicht einmal aufs Album geschafft haben. Deshalb war es auf jeden Fall eine – so will ich es mal nennen – Stressproduktion. Die hat aber wiederum dazu geführt, dass dabei ein Album entstanden ist, auf das ich wirklich sehr, sehr stolz bin – und das ich aus meiner Sicht von meinen bisherigen vier Alben am liebsten mag.

"Das Album handelt von den Menschen um mich herum"  

Welchen Grund hat es, dass du so viel verworfen hast? Bist du selbstkritischer geworden?

Es hat mehrere Gründe. Zum einen hat diese Platte nicht diese musikalische Überschrift wie die Vorgänger. Also: "Bauch und Kopf" hatte ja die Überschrift Symphonie-Orchester-Album mit einem sehr melancholischen Unterton, "Tape" hatte diesen amerikanischen Sound mit Bläsern und Chören. Und diese Überschrift gibt es bei "Liebe" nicht. Bei "Liebe" bin ich dagegen textlich weitergegangen. Das heißt: Ich erzähle relativ klar und konkret aus meinem Leben. Dementsprechend sind die Lyrics der Chef gewesen und die Musik muss das "nur" unterstützen.
Und zum anderen hat sich die deutsche Popmusik in den letzten zweieinhalb Jahren verändert. Es gibt nicht mehr diese klare Vorgabe, was gerade angesagt ist – oder was gerade der Sound des Radios ist. Und das alles hat es auf jeden Fall für mich schwer gemacht.

Du hast es bereits erwähnt dein neues Album heißt "Liebe". Was bedeutet denn das Wort Liebe für dich?

Ich weiß natürlich, dass es gefährlich ist, ein Album Liebe zu nennen. Denn als Deutsch-Pop-Heini (lacht) gibt es einige Worte, die man eigentlich umschifft, damit es nicht zu schmalzig wird. Dazu gehören auch Worte wie Glück, Sehnsucht, Schicksal und eigentlich auch Liebe. Allerdings hat es sich bei diesem Album so aufgedrängt, weil es einfach davon handelt. Im Speziellen heißt das: Es handelt von der Liebe meiner Vergangenheit, Zukunft, meiner Karriere und zu den Menschen um mich herum. Ich habe zum Beispiel einen Track für meinen Vater gemacht. Und eben das alles bedeutet für mich Liebe.

Wenn man sich deine Diskografie anguckt, fällt auf: Du bringst alle zwei Jahre ein Album raus – 2012, 2014, 2016 und nun 2018. Ist das Zufall?

Das ist reiner Zufall. Es gibt urbane Künstler, die beispielsweise in einem Jahr zwei Alben rausbringen. So etwas könnte ich gar nicht leisten, weil meine Produktionen so aufwendig sind. Ich fliege beispielsweise extra nach London, um die Streicher aufzunehmen. Ich fliege nach Afrika, um Chöre aufzunehmen. Ich reise um die ganze Welt, um genau den Sound zu kriegen, der mir vorschwebt.

Dass die Schlagzahl so hoch ist, alle zwei Jahre ein neues Album rauszubringen, liegt schlicht und ergreifend daran, dass ich nie mit etwas zufrieden bin. Klar, nach der Abgabe, nach einem Release bin ich erst einmal leer, doch nach ein paar Wochen habe ich schon wieder Bock, etwas Neues zu machen.

Mark Forster: "Die Musik hat sich immer verändert"

Liegt es vielleicht auch daran, dass sich das Musikgeschäft durch Streaming einfach verändert hat? Speziell: Inwiefern spielt das auch eine Rolle?

Klar, hat es die Arbeit vieler Künstler verändert. Einfluss auf meine Arbeit hat es aber nicht genommen. Ich muss jetzt nicht, wie das einige Rapper tun, die Zahl meiner Veröffentlichungen erhöhen. Ich verstehe mich noch immer als ein Künstler, der ein Album veröffentlicht – und hoffe, dass es Menschen gibt, die es hören und sich darüber eine Meinung bilden.

Allerdings hast du mal selber in einem Text für den "Tagesspiegel" geschrieben, dass du dich kaum noch richtig in Platten verknallst. Wieso schließt das trotzdem nicht aus, dass du selber noch Alben machst?

Dazu muss man sagen, dass es in dem Artikel um Platten ging, die man in der Jugend gehört hat und komplett auswendig kann. Und es hat sich halt von damals zu heute viel verändert, was das Hörverhalten der Musikfans angeht. Das hängt unweigerlich mit Streaming zusammen. Damals war es einfach so, dass ich ein Album von Freundeskreis und Paul McCartney rauf und runter gehört habe, weil ich für jede Platte einzeln Geld zahlen musste. Heute kann jeder dagegen bei Streaming-Diensten auf Millionen von Songs zugreifen – und zahlt dafür monatlich.
Das hat den Vorteil, dass man ganz viele Alben hört. Aber man ist nicht mehr so gefangen mit einzelnen Alben. Das meinte ich damit, "dass man sich kaum noch richtig in Platten verknallt".
Allerdings finde ich es nun schwierig zu bewerten, ob das besser oder schlechter ist, weil man es nicht ändern kann. Die Musik hat sich immer verändert. Eine Sache ist dennoch gleich geblieben – und zwar, dass die Leute noch immer gerne Musik hören.

Trotzdem beutetet es auch im Umkehrschluss, dass ein Album nicht mehr einen so hohen Stellungswert, wie beispielsweise noch in den 80er Jahren. Hat man als Künstler also nicht mehr Angst, dass ein Album an Bedeutung verliert?

Nein, für mich als Künstler hat es immer noch den gleichen Wert. Außerdem gibt es ja in den vergangenen Jahren eine zweite Entwicklung: Menschen gehen auf mehr Konzerte. Es gibt viel mehr Festivals als früher. Und das ist natürlich genau der Platz, um die Alben zu zeigen.

Wenn wir bei deinem neuen Album "Liebe"  abschließend bleiben, bleibst du dir größtenteils treu. Die Platte steht durch und durch für deutsche Popmusik. Was assoziierst du denn mit Pop?

In erster Linie die Struktur eines Songs – wie er aufgebaut ist. Also: Strophe, Bridge Refrain und circa drei bis vier Minuten lang. Und ansonsten ist es eine ziemlich freie Musikrichtung, in der man sich links und rechts von an allen anderen Genres bedienen kann. Das ist eben auch das Schöne. Allerdings muss ich dazu sagen, dass es in meinem Fall nie so gewesen ist, dass ich mich hingesetzt und gesagt habe: "So, ich mache jetzt einmal Pop." Sondern die Musik, die ich mache, ist genau mein Geschmack.

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