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"Mythos": Wie Bushido im neuen Album mit Arafat Abou-Chaker abrechnet

Erst vor wenigen Tagen packte Bushido erstmals im Interview mit dem stern über seinen Ex-Partner Arafat Abou-Chaker aus. Am Freitag folgte Teil zwei: sein neues Album "Mythos". NEON fasst die Tage der Abrechnung zusammen.

Rapper Bushido

Am Freitag veröffentlichte Rapper Bushido sein neues Album "Mythos"

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Die vergangenen Tage waren für Bushido alles andere als entspannt. Deutschlands bekanntester Rapper ist mal wieder in den Schlagzeilen. Schuld daran ist sein großes Interview mit dem stern. Erstmals brechen seine Frau und er darin ihr Schweigen und berichten ausführlich darüber, wie sehr sie unter dem Einfluss des kriminellen Abou-Chaker-Clans standen – und wie ihnen die Befreiung gelang. "Er hat uns lange genug abkassiert und beinahe unsere Ehe zerstört", sagt Bushidos Frau Anna-Maria Ferchichi.

Seit März dieses Jahres gehen der 40-Jährige und Arafat Abou-Chaker getrennte Wege – nicht ohne Risiko, wie Anna-Maria Ferchichi dem stern erzählt. "Natürlich haben wir Angst, dass jemand aus Rache auf mich oder meinen Mann schießt. Eigentlich rechnen wir jeden Tag damit. Aber wir blenden das aus. Etwas anderes bleibt uns nicht übrig." Dennoch sei die Trennung, so sagen beide, unausweichlich gewesen. "Die Eingriffe in mein Privatleben wurden immer massiver", schildert der Rapper das Verhalten seines ehemaligen Geschäftspartners.

Ist "Mythos" auch eine Abrechnung mit Arafat Abou-Chaker?

Unvorstellbar, dass so etwas in Deutschland möglich ist – ausgerechnet bei einem der größten Musiker des Landes. Ganz unschuldig sei er aber nicht, gesteht der Rapper: "Natürlich bin ich nicht nur Opfer. Ich bin auch Mitwisser, und deshalb trage ich eine Mitschuld. Ich habe weggesehen. All die Jahre." Seine Enthüllungen fällt mit dem Erscheinen seines neuen Albums zusammen. Eine perfekte Werbung – zumal sein ehemaliger Geschäftspartner darauf auch thematisiert wird.

Im zehnminütigen Track "Mephisto" geht es ausschließlich um Arafat Abou-Chaker. Darin wird er zwar keine einziges Mal namentlich erwähnt. Dennoch wird in einem Abschnitt schnell klar, wer gemeint ist: "Dissen ohne Namen nennen / Glaub mir mal / Sie wissen, wer / Die Seele dieses Jungen genommen hat aus Gier." Auch wegen dieses Songs stellte sich im Vorfeld der Veröffentlichung von "Mythos" für viele Fans die Frage: Ist dieses Album eine Abrechnung mit dem Clan-Chef?

Wer es gehört hat weiß, dass es mehr ist als nur eine Abrechnung mit einer Person. Bushido blickt darin zurück und schaut auf das, was er in seinen zwanzig Jahren als Musiker erreicht hat. Seine Erkenntnis: "Heute hab’ ich alles, was ich wollte/ Meine Frau, meine Kinder, meine Goldne / Meine Eltern hoch über den Wolken / Ich weiß, was Erfolg ist, Zeit ist nicht käuflich", heißt es im Song "Zeit". Doch ans Aufhören denkt er noch lang nicht, wie er im Song "Hyänen" rappt: "Ganze vierzig Jahre, doch ich ficke wie mit zwanzig (...) Von wegen ich bin unbeliebt, der Beutel, er wird voller / Mein Leben lang schon unbesiegt, Diego Maradona."

Zeiten haben Bushido doch geändert

"Mythos" ist ein Rückblick auf seine gesamte Karriere. Das wird am Song "Stiche" deutlich. Das Lied erinnert vom Beat, den Reimen und dem Aufbau stark an "Sonnenbank Flavour" aus 2006. Anders als in üblichen Rap-Tracks wird nicht in Sätzen gerappt, sondern mit einzelnen Wörtern eine Geschichte erzählt: "Blitzdieb, Mitternacht, hinter mir Drogencops / Internet, Instagram, Kinderstrich, Modeblogs." Das setzt sich bei den Tracks "Est. 1998", "Geigenkoffer" und "Kein Ende" fort. Alles erinnert an einen Bushido vergangener Tage. Dieser Straßensound mit den charakteristischen Synthies und Drums.

Lediglich die beiden Songs "Für Euch alle" und "Insallah" zusammen mit Capital Bra fallen ein wenig aus der Reihe – sowohl vom Sound als auch vom Inhalt.

Auf "Insallah" teilt Capital Bra offensichtlich gegen Bushidos Ex-Partner aus: "Zu Schwachen bist du schlecht, zu Starken bist du freundlich / Auf einmal bist du gläubig, du bist so richtig räudig." Zeilen, die jede Menge Zündstoff sind.

Größtenteils entsteht der Eindruck, Bushido will zukünftig anders wahrgenommen werden. Beispielhaft dafür steht das Lied "Unsterblichkeit“, den er gemeinsam mit R&B-Sänger Akon aufgenommen hat. Noch auf seinem letzten Album "Black Friday" rappte er auf einem Bonustrack: "Das hier ist kein R&B-Müll wie Akon." Erst verträgt er sich mit seinen Feinden, indem er ausgerechnet dem Magazin ein Interview gibt, das seine Verbindung mit der deutsch-arabischen Großfamilie enthüllt hatte. Dann bricht er mit einem alten Freund, der jahrelang sein Geschäftspartner und Trauzeuge. Wie heißt der Titel seines eigenen Films so schön: "Zeiten ändern dich".