HOME

Tipps für die Adventszeit: So macht Teilen glücklich – eine Anleitung zum Weltverbessern

Sollten wir anderen selbstlos etwas Gutes tun? Unbedingt, denn es macht glücklich, wie unsere Autorin findet. Schenken funktioniert am besten, wenn wir geben, was wir selbst nicht vermissen würden.

von Andrea Zschocher

Teilen macht glücklich – eine Anleitung zum Weltverbessern

Glück als Neujahrsvorsatz: Wäre es nicht ein guter Plan, sich jeden Tag eine gute Tat vorzunehmen?

"Muss nur noch kurz die Welt retten...", boah, was fand ich diesen Song von Tim Bendzko damals nervig. Und doch traf er den Zeitgeist. Alle fühlten sich durch Mails, Messages und Anrufe gestresst und sahen sich allein den Kampf gegen Windmühlen führen. Rettet man aber wirklich die Welt, indem man Mails hin- und herschickt? Wohl eher nicht.

Kennt Ihr diese neuen Apps, zum Thema Essensrettung? Ich probierte "Too Good To Go“ aus; eine App, bei der Restaurants oder Bäckereien sich melden können, wenn abends etwas übrig bleibt. Als ich es bei einer Bäckerei ums Eck testete, bekam ich locker 15 Brötchen für nur 2,50 Euro. Ich dachte darüber nach, dass ich zwar einerseits eine gute Sache tat, immerhin wären diese Lebensmittel sonst in der Mülltonne gelandet. Andererseits war ich aber nicht wirklich auf diese verbilligten Lebensmittel angewiesen. Tatsächlich empfand ich es als große Entlastung, als ich, das passiert in Berlin häufig, auf einen Obdachlosen traf, der sich über die Brötchen sehr freute.

Teilhabe hört (auch) beim Smartphone auf

Nur so ergibt das alles für mich Sinn. Es soll überhaupt nicht überheblich klingen, aber ich habe das Glück, dass es mir egal sein darf, ob das Brot nun vier Euro kostet oder nur einen. Ich bin darauf nicht angewiesen. Nein, ich kaufe sie, weil sie sonst weggeworfen würden. Jedoch kann ich nicht jedes Mal erwarten, einen Bedürftigen zu treffen, wenn ich Lebensmittel rette. Deswegen wünsche ich mir, dass dieses Angebot von mehr Menschen wahrgenommen würde, die wirklich bedürftig sind.

Zunächst glaubte ich übrigens, dass das Angebot, verbilligte Lebensmittel vor dem Müll zu retten, allen offen stünde. Aber stimmt das wirklich?
Fest steht, dass es ohne Smartphone und Datenvolumen unmöglich ist, an solchen Angeboten teilzuhaben. Hier hilft dann nur noch das Angebot der Tafel, einer wichtigen Einrichtung, bei der Bedürftige sich, unter anderem, mit Essen eindecken können. Und doch kann ich verstehen, wenn Menschen sich unwohl damit fühlen, zu einer Hilfseinrichtung gehen zu müssen, statt sich beim Bäcker um die Ecke, kurz vor Ladenschluss, ihre Lebensmittel verbilligt kaufen zu können.

Ich wünsche mir, dass auch Menschen ohne großen finanziellen Background etwas vom Kuchen abbekommen. Das sollte eigentlich ganz selbstverständlich dazugehören. Das ist vielleicht ein bisschen naiv, was aber ja nicht bedeutet, dass es falsch ist. Wir sind alle mitverantwortlich dafür, dass andere teilhaben können und unterstützt werden.

Brauche ich das alles wirklich?

Sich um andere zu bemühen heißt keinesfalls, dass man geben sollte, was man anschließend vermissen würde. Oder, dass man weniger an sich selbst denkt. Im Beispiel von oben brauchte ich keine 15 Brötchen. Der Obdachlose brauchte so viele, laut eigener Angaben, auch nicht. Aber die fünf, die ich locker entbehren konnte (mehr wollte er nicht), haben ihm geholfen und mir nicht wehgetan.

Ich wünsche mir, dass diese kleinen Dinge, die das Miteinander verschönern, selbstverständlicher werden. Warum nicht teilen, was man übrig hat? Ausgelesene Bücher an die Bibliothek zu spenden, oder einfach zu verschenken, wäre ein guter Anfang. Gut, die ganz alten Dinger, die aus Oma Gertruds Nachlass stammen, kann man wegwerfen. Über den Krimi aber, der Euch letztens so gefesselt hat, den Ihr aber garantiert nicht noch mal lest, freut sich vielleicht ein Kommilitone. Oder Eure Nachbarin. Oder auch das Altenheim.

Fragt, als weitere Idee, doch mal die Obdachlosen vor dem Supermarkt, was Ihr ihnen mitbringen könnt, statt eine Münze in ihren Becher zu werfen. Lasst den Aufzug stehen für die, die ihn wirklich brauchen. Lasst andere am ganz normalen Leben mitwirken. Es wird Euch nicht wehtun.

Glück als Neujahrsvorsatz

Bald beginnt das neue Jahr. Wäre es nicht ein guter Plan, sich tatsächlich für jeden Tag eine gute Tat vorzunehmen? Aber nicht stressen. Eine gute Tat pro Woche reicht für den Anfang ebenfalls. Wenn wir andere mitmachen lassen, bekommen wir selbst etwas zurück: Freude, ein Lachen, das Gefühl, dass etwas Sinn ergibt.

Wir selbst können entscheiden, wie unser Zusammenleben aussehen soll.