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Abenteuer Kind: Neun Monate Vorbereitung: Zehn Phasen, die du als werdender Vater durchlebst

Und auf einmal ist sie schwanger. Was nun? Schnell noch Bungee springen? Hoffen auf Ratgeber wie "Wickelpedia"? Oh Gott, was ist eine Milchpumpe?! Der werdende Vater hat es nicht leicht. Neun Monate in zehn Schritten.

Von Moritz Herrmann

Vater guckt sein Kind beim Essen an

Wie geht eigentlich wickeln und was füttern wir dem Kind? Zehn Wahrheiten übers Vater werden (Symbolbild)

Getty Images

1. Am Anfang ist Sex 

Es sei denn, ihr findet künstliche Besamung geiler als einander. Spannend ist die Frage: Planwirtschaft oder Sorglosliebe? Will man ein Kind – oder nur nicht mit Kondom? Der Klassikersatz für Mineralwasserrunden: "Geplant war’s nicht, aber jetzt freuen wir uns total." Dann lachen alle ein bisschen peinlich herum, und der werdende Vater muss nicht beichten, dass er Coitus interruptus für sichere Empfängnisverhütung gehalten hat.

2. Ich bin überfällig 

Ein Schwangerschaftstest als konstituierendes Moment. Der werdende Vater, der noch nicht weiß, dass er Vater wird, muss vor dem Badezimmer, in dem Gewissheit herbeiuriniert wird, auf und ab gehen, das ist Pflicht. Hießen zwei Striche bis dato, dass man in der Eckkneipe anschreiben lassen konnte, bedeuten sie plötzlich, dass man es bald nicht mehr so oft in die besagte schafft.

3. Die geheime Phase 

Bis zur 13. Woche dauert die geheime Phase und mündet darin, dass sich der werdende Vater im Ich-muss-euch-was-sagen-Konspirativ mit seinen Kumpels verabredet. In der Eckkneipe. Weil eine gefühlige Verkündung nicht zum ironischen Spott passt, mit dem er die Welt sonst auf Distanz hält, zotet der Mann die News irgendwie zwischen zwei Sambucas in die Runde. Dafür bekommt er umständliches, aber ehrliches Schultergeklopfe.

4. Beim Frauenarzt

Er hält der Partnerin versonnen die Hand und sich selbst für einen miesen Vater, weil der Ultraschall abstrakt bleibt wie eine Skulptur von Hans Arp. Auf Nachfrage der Ärztin aber heftiges Nicken, natürlich, Wahnsinn das alles, beeindruckend. Die Schwarz-Weiß-Bilder magnetet er an den Kühlschrank, neben den Fotostreifen, den er mit ihr in der Kennlernnacht aus der Fotobox gezogen hat.

5. Die Wohnungssuche

Irgendwann facebooked der werdende Vater einen Wohnungssuchepost: "Wir vergrößern uns. Kenne ich jemanden, der jemanden kennt, der…" Dafür hasst er sich und bekommt gentrifizierungsbedingt auch keine vier Zimmer Altbau, aber 125 Likes.

6. Samstagsbesuch bei Baby One

Weil die zu kleine Wohnung kindgerecht werden soll, ist ein Samstagsausflug zu Baby One fällig. Der Elan des werdenden Vaters verbraucht sich schon, als er für den reservierten Drive-Now-BMW (großer Kofferraum) keinen Parkplatz findet. Drinnen begegnet er anderen Vätern und sieht Produkte, von denen er nicht wusste, dass es sie gibt. Mit dem Kauf einer Milchpumpe beginnt deshalb seine zweifelnde Phase.

7. Noch einmal alles geben

Der werdende Vater trinkt zu viel, raucht zu viel, feiert zu viel. Er hat das Gefühl, alles noch mal geballt erleben zu müssen. Er springt Bungee und bucht Australien, weil das sein Traum war. Und wollte er nicht eine eigene Bar eröffnen? Erst als die Freundin testweise zu ihren Eltern zieht, kehrt Vernunft ein. Der werdende Vater versucht, Freunde zu überreden, gleichsam Vater zu werden.

8. Überforderung 

Er hofft auf Ratgeber. Aber Titel wie "Wir sind Papa" , "Papa to Go" und "Wickelpedia" nähren nur seine Überforderung, ihr Erkenntnisgewinn bleibt gering. Der Vater überlegt, seine Erfahrungen aufzuschreiben, müsste doch jemanden interessieren. Tut es nicht.

9. Geburtsvorbereitungskurs

Generalprobe. Der moderne Vater geht natürlich mit, und sei es nur, um zu sagen, dass er natürlich mitgegangen ist. Ein Wochenende, eine Hebamme, zehn Paare. Wie aus einem Lars-von-Trier-Film. Und tatsächlich wird der Saal dann auch zur Geständniskammer, in der man das Leben bestaunt, ohne es zu begreifen. Der Vater hört von Beckenendlage, Dammmassage und PDA. Seine brennendste Frage aber bleibt unbeantwortet, da er sie sich nicht zu stellen traut: Erstattet ihm seine Krankenkasse die Kursgebühr zurück?

10. Die erste Wehe 

Wehe mir. Der werdende Vater greift die Kliniktasche, will der Freundin beim Atmen helfen, kann selbst nicht atmen, hat alles vergessen, ist keine Hilfe, aber wenigstens da, und irgendwann, zwölf oder 20 Stunden später, wird er nicht mehr Vater. Dann ist er Vater. Und das Facebook-Profil für sein Kind hat er schon angelegt. Was für ein Glück.

Dieser Artikel ist erstmals in der NEON-Ausgabe 09/2017 erschienen.

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