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Einer gegen alle

Kein Fernweh: Ich fahre nicht gerne in den Urlaub – und scheine damit alleine auf der Welt zu sein

Klar, Urlaub hat unsere Autorin auch gerne – aber warum müssen alle immer gleich verreisen? In Zeiten von Instagram und Co. fühlt sie sich ohne Fernweh wie eine Aussätzige. 

Alles voll mit Sand? Dafür muss unsere Autorin nicht extra in den Urlaub fahren

Alles voll mit Sand? Dafür muss unsere Autorin nicht extra in den Urlaub fahren

Getty Images

Ich komme mir manchmal vor wie das letzte Einhorn. Um mich herum prahlen alle mit ihrem Bali-Urlaub, verraten sich gegenseitig "Insidertipps" und posten auf Instagram Countdowns bis zur nächsten Reise – inklusive fotografischem Liveticker, wenn es dann endlich so weit ist. Ich stehe dann da auf der Party / im Büro / an der U-Bahnhaltestelle und stelle fest, dass ich in meinem ganzen Leben noch nie außerhalb von Europa war. Wenn ich das in Gesprächen erwähne, blicke ich meist in ungläubige Gesichter. Ich bin noch nie mit dem Rucksack durch Asien gewandert. Ich habe noch nie einen Roadtrip durch die USA gemacht. Ich bin noch nicht einmal länger als zwei Wochen am Stück auf Reisen gewesen. Ist das so schwer zu glauben?

Reisen ist halt DAS Statussymbol der Millennials. Auf Instagram wird der eigene Urlaub inszeniert, als gäbe es etwas zu gewinnen (also, außer Follower). Und auf Tinder jemanden zu finden, der/die nicht im Profil erwähnt, dass er/sie "wahnsinnig gerne verreist", ist quasi unmöglich. Alle wollen die Welt sehen. Alle wollen, dass alle wissen, dass sie die Welt sehen wollen. Alle wollen, dass die ganze Welt dabei zusieht, wie sie es tun. Und wenn man nicht genug Geld zum ständigen Verreisen hat, dann soll man wenigstens Fernweh haben. Habe ich aber nicht.

Ich liebe Urlaub – aber lieber zu Hause

Versteht mich nicht falsch, ich liebe es, Urlaub zu haben und ich bin natürlich auch total gerne am Meer. Aber das Konstrukt Urlaubsreise finde ich einfach absurd. Man reist irgendwo hin, um sich zu entspannen, entspannt dann aber überhaupt nicht. Stattdessen versucht man möglichst viele "Da müsst ihr unbedingt hin"-Spots in möglichst kurzer Zeit abzuhaken, dabei möglichst viele Fotos für Instagram zu machen und dann neue "Da müsst ihr unbedingt hin"-Spots zu finden, damit man mit diesen nach der Rückkehr prahlen kann. Der Druck, alles aus seiner Reise rausholen zu müssen, ist enorm. Da habe ich einfach keine Lust drauf. Ich will nicht noch eine Woche Urlaub nehmen müssen, um mich von meinem Urlaub zu erholen.

Unsere Flitterwochen (ich heirate in wenigen Tagen) haben wir deswegen so geplant, dass wir möglichst wenig Stress haben. Denn der fängt bei der Buchung ja schon an. Individualreisen sind total im Trend. Wochenlang werden die verschiedensten Flugwebsiten gecheckt, um den günstigsten Flug zu erwischen. Wann hat der Pauschal-Urlaub seinen guten Ruf verloren?  Es ist doch toll, wenn man alles bei einem Anbieter bucht und immer einen Ansprechpartner hat. Dafür bezahle ich dann gern auch etwas mehr – und kann es mir auch leisten, weil ich selten in den Urlaub fahre. Mein Plan für diesen Urlaub: nichts tun, nichts planen – und nichts posten.

Die Welt ist kein Buch!

Es gibt diesen Spruch: "Die Welt ist ein Buch und wer nicht reist, liest nur die erste Seite." Nein! Die Welt ist kein Buch – aber es gibt tatsächlich sehr viele Bücher über die Welt. Ich brauche die ganze Welt nicht mit meinen eigenen Augen sehen, um zu wissen, wie schön sie ist – oder schrecklich. Und vor allem habe ich keine Lust, durch mein Fernweh (und dem tausender anderer) aus einem lauschigen Plätzchen einen Hotspot zu machen, der von Touristen überlaufen wird. Dafür mag ich Menschen(massen) auch zu wenig. Ich bin einfach gern zu Hause. Auf meinem Sofa kann ich ganz wunderbar entspannen – und dabei all eure Urlaubsselfies liken. Irgendwer muss es ja tun.

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