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David Matheson: Berühmter "Schwulen-Therapeut" trennt sich von Frau und outet sich

Jahrelang hat David Matheson versucht, Schwulen ihre Homosexualität auszureden. Vor wenigen Tagen outete sich der US-Amerikaner auf Facebook: Er habe sich von seiner Frau getrennt, weil er schwul sei.

Das Profilbild von David Matheson auf Facebook zeigt einen glatzköpfigen, muskulösen Mann in schwarzem Tanktop

Auf Facebook hat sich David Matheson mit einem langen Post geoutet und auch sein Profilbild aktualisiert

Homosexuellen auszureden, dass sie schwul seien, sie zu bekehren versuchen, war lange sein Job. David Matheson aus dem US-Bundesstaat Utah war einer der bekanntesten selbsternannten Schwulen-Therapeuten der USA. Bis vor wenigen Tagen. Nun ist sein Name auch international bekannt - weil sein Leben eine 180-Grad Wende genommen hat. Denn mit einem Facebook-Post hat sich der prominente "Schwulen-Therapeut" als schwul geoutet.

"Vor einem Jahr habe ich festgestellt, dass ich in meinem Leben Wesentliches ändern muss", beginnt Davidson seinen Post vom 21. Januar. "Ich stellte fest, dass ich nicht länger an meiner Ehe festhalten kann. Und ich stellte fest, dass es für mich an der Zeit war, mich zu meinem Schwulsein zu bekennen." Viele Jahre lang habe er eine glückliche und erfüllende Ehe mit seiner Frau genossen. "Aber ich habe mich auch immer wieder zu Männern hingezogen gefühlt", schreibt Matheson. "Die meiste Zeit hat sich das im Hintergrund abgespielt. Aber manchmal war es intensiv und hat zu Schmerz und Streit in meiner Ehe geführt." Vor einigen Jahren hätten sich immer stärkere persönliche Differenzen gezeigt. Er habe auch realisiert, dass "eine intime Beziehung mit einem Mann nichts war, was ich länger vermeiden wollte." Das seien keine einfachen Entscheidungen gewesen: "Ich musste wortwörtlich tagelang unter der Dusche üben, das Wort 'Scheidung' auszusprechen, um meine Scham zu überwinden und den Mut aufzubringen", schreibt Matheson.

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Seitdem sein Coming out öffentlich geworden sei, hätten Gruppen von unterschiedlichen Enden des politischen Spektrums seine Geschichte in ihrem Sinne zu vereinnahmen versucht, schreibt Matheson. "Für rechte Gruppen bin ich eine Bedrohung, die entschärft werden muss. Für linke Gruppen bin ich eine Gelegenheit, die man ausnutzen muss - eine Bombe, die man auf die 'homophoben Ex-Schwulen' abwerfen muss." Aber es sei traurig, wie arm diese unerbittlichen ideologischen Gruppen bleiben, weil sie nicht wüssten, wie man einen Dialog führe.

David Matheson will Mut machen

Er selbst sei in seinem eigenen ideologischen Gefängnis gefangen gewesen. "Ich weiß, dass meine Arbeit vielen geholfen hat, weil sie es mir gesagt haben", rechtfertigt Matheson seine Jahre als "Schwulen-Therapeut". Er sei aber auch sicher, viele Menschen verletzt zu haben. "Nicht, dass ich mich entschuldigen möchte, aber alle Mängel, die ich als Therapeut hatte, rührten von einem zu beschränkten Blick dafür, was 'emotional gesund' bedeuten kann, her." Selbst jetzt, als offen schwul lebender Mann, finde er noch viel Homophobie in sich selbst.

"Wenn mein Coming out eine Sache - abgesehen von meinem eigenen Leben - ändern könnte, dann sollte es sein, Leute zu ermutigen, ihren eigenen Lebensweg zu verfolgen und zwar ohne Scham und ohne Angst davor, was andere Leute denken."

A year ago I realized I had to make substantial changes in my life. I realized I couldn’t stay in my marriage any...

Gepostet von David Matheson am Montag, 21. Januar 2019

Unter seinem Post finden sich bislang (Stand 25.1., 12 Uhr) 76 Kommentare. Die meisten sprechen Matheson Mut zu und beglückwünschen ihn zu diesem mutigen Schritt. Aber vielleicht toben sich die Hater einfach nur woanders über ihn aus.

Quellen: David Matheson auf Facebook, Sky News

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