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Fotoprojekt "Lifeconstruction": Intimität als optische Täuschung: Die Wahrheit hinter diesen intimen Bildern ist verblüffend

Die Fotografin Marie Hyld hat sich mit ihren Tinder-Dates in scheinbar intimen Momenten abgelichtet: im Bett, unter der Dusche, beim Zähneputzen. Jeden ihrer "Partner" kannte sie dabei erst seit ein paar Minuten. Herausgekommen ist eine beeindruckende Vortäuschung von Intimität. 

Marie Hyld hatte genug von den polierten, perfektionierten Posts, durch die wir uns Tag für Tag in den sozialen Medien scrollen. Sie wollte endlich etwas Echtes. Also nahm die Fotografin die Kamera in die Hand und machte sich mit einer Idee auf die Suche. Herausgekommen ist das Fotoprojekt "Lifeconstruction". Es zeigt sie mit verschiedenen "Partnern", die sie über die Dating-App Tinder akquiriert hat, in scheinbar intimen Momenten: im Bett, unter der Dusche, beim Zähneputzen. 

Das Besondere: Alle Menschen, die mit ihr auf den Bildern zu sehen sind, hat sie erst Minuten zuvor getroffen. Beim Betrachten der Bilder kann man das aber kaum glauben, denn die Leute an Hylds Seite muten allesamt eher wie ihre Liebhaber oder langjährige Partner an. In "Lifeconstruction" wird die Intimität zur optischen Täuschung.

"Es war großartig und schrecklich zugleich"

Auf den beeindruckenden Bildern (in unserer Fotostrecke oben) sind jeweils links unten die Minuten angegeben, die seit der ersten Begegnung zwischen Hyld und ihrem jeweiligen Partner zum Zeitpunkt des "Schnappschusses" vergangen waren. Manchmal sind es nicht mehr als zehn Minuten. Es sei sehr einfach gewesen, die beteiligten Tinder-Matches für das Projekt zu begeistern, sagt die 24-Jährige im Interview mit dem Online-Magazin "Insider". Sie sei bei den Sessions sehr aufgeregt gewesen und die Angst sei förmlich zu riechen gewesen: "Es war großartig und schrecklich zugleich", so Hyld. "Ich habe mich lebendig gefühlt."

Die Angst habe sich stets in eine Form der Kreativität entwickelt: "Wir wussten, dass wir dieses Produkt zusammen entwickeln, unsere Grenzen verschieben und unsere Komfortzonen verlassen mussten." Heutzutage würden die Menschen viel zu wenig Zeit von Angesicht zu Angesicht verbringen. Die Fotografin macht die sozialen Medien dafür hauptverantwortlich. "Es ist also ironisch, dass mein Projekt ohne Tinder im Grunde nicht existieren könnte."

tim
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