HOME
Selbstversuch

Exklusives Swipen mit Stars: Ich war einen Monat auf der Promi-Dating-App Raya – was ich dort erlebt habe

Die Promi-Dating-App Raya ist so exklusiv, dass nicht jeder als Mitglied akzeptiert wird. Unsere Autorin hat es trotzdem geschafft, sich anzumelden – und berichtet NEON von ihren Erfahrungen.

Von Regina Phalange

Raya - die Dating-App für Promis

Raya ist wie Tinder für Promis - unsere Autorin hat die App einen Monat lang getestet (Symbolbild)

Getty Images

Als Single in der Großstadt landet man über kurz oder lang immer auf irgendwelchen Dating-Plattformen. Bevor man allerdings Geld aus- und die große, romantische Liebe komplett aufgibt, versucht man es zuerst bei Tinder oder Bumble. Ein paar Swipes nach links und rechts, einige völlig irrelevante Konversationen, die man direkt nach dem Schließen der App wieder vergisst – kostet alles nichts und ist zu verschmerzen. Aber dann ist da noch diese andere App, die mehr verspricht: Raya. Eine "private, auf Mitgliedschaft basierende Community", die dafür da ist, "Menschen auf der ganzen Welt" zusammen zu bringen, so der Claim von Raya. Genauer: Hier tummeln sich nicht die Ottonormal-Bürger, sondern Promis. Jawohl, echte Promis! Denn auch Hollywoodstars sind ungern einsam und allein, versteht sich. Sich mal eben auf Tinder anzumelden und dort auf Swipe-Jagd zu gehen, ist allerdings abseits jeder Vorstellungskraft. Die Lösung heißt Raya.

Ein Monat auf der Promi-Dating-App Raya: Ein Selbstversuch

Für knapp acht Euro im Monat darf man hier mehr oder weniger berühmte Menschen nach links und rechts wischen. Aber weil Raya natürlich super exklusiv ist (beziehungsweise sein will), ist nicht jeder gern gesehen. Als ich von der App erfuhr, war meine Neugierde sofort geweckt. Ich sah mich schon im opulenten Brautkleid auf Harry Styles zulaufen, der sich seine Kullertränen bei meinem Anblick selbstredend nicht mehr verkneifen und sich am Altar kaum auf den Beinen halten kann. Ist klar.

Aber wie schaffe ich es als Null-Promi auf die exklusivste Wischparty der Welt? Sagen wir so: Mit meiner mickrigen Followerschaft könnte ich auf Instagram nicht mal den billigsten unter den Fitnesstees bewerben.

Es trotzdem auf die Plattform zu schaffen, stellt sich am Ende als gar nicht mal so schwer heraus. Man muss nur die Richtigen kennen: Eine einfache Bestätigung von einer guten Freundin (die bereits Mitglied ist) reicht, damit ich es wenigstens in den Überprüfungsprozess von Raya schaffe. Es dauert eine Nacht – in der vermutlich emsige Screening-Angestellte in irgendeinem Hinterzimmer in Palo Alto auf Hochtouren alle meine Instagram-Daten überprüfen – und ich bekomme die erleichternde Bestätigung: Ich darf mitspielen. Bin ich jetzt ein Promi? Kann/muss/sollte ich nächstes Jahr ins Dschungelcamp, oder wenigstens bei "Let’s Dance" mitmachen?

Ohne Instagram geht nichts

Der erste Schritt ist also geschafft. Nun soll ich monatlich (!!!) knapp acht Ocken abdrücken, um ein paar Promis virtuell zu stalken, äh, daten. "Hey, das ist genau ein Drink im Monat. Das zahle ich dir zur Not", maßregelt mich sofort eine Freundin, als ich ihr von dieser horrenden Summe erzähle! Geld für Liebe. Wo gibt es denn sowas?

Nach der ersten Empörung folgt dann der nächste Schritt: Ich muss mir mein Profil bauen. Dafür wählt man nicht einfach nur ein paar vorteilhafte Bilder aus, sondern zusätzlich ein passendes Lied, das während der Diashow der besten Pics abgespielt wird. Was für ein Druck! Und eine überaus wichtige Entscheidung, wie ich später anhand meines eigenen Swipe-Verhaltens feststellen musste. Denn über die Hälfte der vorgeschlagenen Jungs habe ich allein wegen ihres unterirdischen Musikgeschmacks nach links gewischt. Sorry, aber wenn ich den Rest meines Lebens lang Ibiza-Dancemucke oder Mumble-Rap anhören muss, kann ich mir auch direkt die Kante geben und es dabei belassen.

Also: Wird’s "Rebel Rebel" von Bowie, damit gleich klar ist, wer hier ne richtig coole Socke ist; "Love Will Tear Us Apart" – weil, tut sie das nicht über kurz oder lang eh? -, oder doch "Why Does It Always Rain On Me?", um gleich mal einen Blick auf die verletzte Seele preiszugeben? Wer mich kennt, weiß: Über diese Entscheidung habe ich länger nachgedacht als über jeden einzelnen Swipe. Am Ende fällt die Wahl auf einen ganz anderen Song. Bisschen cooler, weniger subtiler Herzschmerz, guter Groove. Welcher, verrate ich nicht. Aber mich bringt so leicht nichts aus der Ruhe – so die Message an meine potenziellen neuen Lover.

Sind Lied und Fotos aufeinander abgestimmt, wird das Profil dann noch direkt mit Instagram verbunden – doppelte Selbstdarstellung sozusagen. Ohne die Fotoplattform läuft auf Raya nichts.

Mit meinem fertigen, perfekt inszenierten und dabei völlig nichtssagenden Profil kann ich also in mein persönliches Promi-Abenteuer starten. Und gleich vorweg: Ich werde hier keine Namen nennen. Als Neue im Promiclub möchte ich es mir nicht direkt mit meinen coolen Artgenossen verscherzen. Aber so viel sei gesagt: Es scheint, als bekomme jeder ledige (oder auch vergebene, upsi) Fußballstar mit Vertragsunterzeichnung direkt auch eine Raya-Mitgliedschaft. Vertreten sind so gut wie alle Clubs – vom Norden, übers Ruhrgebiet bis in den Süden. Und ja, auch der Osten und die Hauptstadt sind dabei, so ist es nicht. Weil Raya aber – wir erinnern uns – "Menschen auf der ganzen Welt" zusammenbringen möchte, werden mir bei weitem nicht nur Deutsche oder in Deutschland lebende Kandidaten angezeigt. Ich kriege sie alle: Dänen, Franzosen, Belgier, Engländer, überdurchschnittlich viele Holländer, Amerikaner.

Sportler, Schauspieler, Models und Start-up-Futzis galore

Darunter zum Beispiel auch ein südamerikanischer Fußballer, der nicht nur für seine zauberhaften Tore, sondern auch seine unangenehme Theatralik bekannt ist. Oder auch ein Formel-1-Fahrer, der sich sicher wünschte, seine Freundin wäre ein Freak wie ich. Oh je, habe ich zu viel verraten? Oder ein ehemaliger Bachelor, der eigentlich in einer Beziehung, auf Raya aber eh "just for Friends" unterwegs ist. Ja, klar. Deutsche 0815-Popsänger (die allesamt natürlich nicht die eigenen Industrie-Abfertigungs-Songs für ihre Profile gewählt haben) und sogar ein paar Hollywoodstars und berühmte Promi-Kinder werden mir vorgeschlagen. Aber was es mir bringen soll, mit irgendwelchen Leuten in L.A. oder San Francisco zu matchen, weiß ich nicht. Da ist mir ein gänzlich unbekannter Kerl in Wanne-Eickel ohne Influencer-Potenzial irgendwie lieber, denn da komm ich wenigstens halbwegs fix mit meiner Bahncard hin – und wieder weg!

Um mir ein besonders breites Bild verschaffen zu können, habe ich die Altersspanne der Männer, die ich "kennenlernen möchte", extra groß eingestellt. Eine bunte Mischung aus 20-jährigen Jungschauspielern, zugegeben wunderschönen Models, und 40-jährigen Start-up-Futzis, die sich mit der Club-Mate-Pulle in der Hand und hochgekrempelter Hose besonders jung und fresh fühlen.

Nach gut einem Monat aufopferungsvollen Swipens kann ich zu dem Schluss kommen: Ja, exklusiv ist die Plattform irgendwie schon. Gute Chancen reinzukommen hat man, wenn einem viele Nutzer auf Instagram folgen, man einem edgy-coolen Job nachgeht ("Hey, ich bin Rennfahrercoach und Manager und du so?"), oder wenn man schlichtweg berühmt ist. Oder eben aus völlig unnachvollziehbaren Gründen wie bei mir. Doch in Sachen Bekanntheit reicht die Spanne von: 'Ich hab mal bei RTL Rosen' verteilt bis zu 'Ich durfte den WM-Pokal in die Luft strecken'. Um noch ein bisschen exklusiver und cooler zu sein, kann man bei Raya immer nur begrenzt swipen. Denn irgendwann bekommt man mitgeteilt, man solle bald wiederkommen, um mehr "großartige Menschen" zu entdecken.

Bei beidseitigem Interesse, also wenn der andere ebenfalls nach rechts swiped, ist es zwei Singles möglich, miteinander zu chatten. Da unterscheidet sich Raya nicht von Tinder und Co. Bei meinem kleinen Ausflug in die exklusive Wir-sind-alle-schöner-und-geiler-als-ihr-Welt ist mir aufgefallen: Die meisten (Promi-)Typen brauchen anscheinend nicht mehr als ein "Hey" oder "Wie geht's", damit ihnen die Herzen sämtlicher Raya-Girls zufliegen. Mehr Mühe macht sich hier niemand. Auch Satzzeichen sind offenbar gänzlich überbewertet. Und da hört der Spaß dann für mich auch auf. Wollt ihr mir ernsthaft sagen, nachdem ich mir stundenlang, in mühevoller Kleinstarbeit einen passenden Song ausgesucht und meine Bilder perfekt angeordnet habe, bin ich nicht mal ein Fragezeichen wert? So nicht, Freundchen. Back to Bumble it is. Jetzt aber immerhin als Promi. Also fast. Harry Styles muss ich halt jetzt woanders kennen lernen. Das sollte ja zu schaffen sein, oder nicht?

Onlinedating