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Zyklus-Apps: 5 Millionen Userinnen betroffen: Warum Facebook jetzt weiß, wann du Sex hattest

Viele Frauen tracken ihren Menstruationszyklus mit einer App, meistens, weil ein Kinderwunsch besteht. Dabei fragen viele Apps sehr sensible Daten ab. In einer Studie wurde nun belegt, dass zwei von ihnen diese Daten mit Facebook teilen.

Zyklus-Apps: "MIA Fem" und "Maya" teilen sensible Daten mit Facebook

Zwei Zyklus-Apps sollen sensible Daten mit Facebook teilen – über 5 Millionen Nutzerinnen sind betroffen

Getty Images

Wie oft du Sex hast, wie regelmäßig deine Periode ist, wie stark du dabei blutest, welche Periodenprodukte du verwendest, deinen aktuellen Gemütszustand, den Zeitpunkt deines Eisprungs oder die Art deiner Verhütung - all das würdest du wahrscheinlich eher ungerne mit Fremden teilen. Tust du aber vielleicht. Nämlich wenn du eine bestimmte Zyklus-App zum Tracken deiner Periode benutzt. Zum Beispiel weil du schwanger werden möchtest. Oder weil du mit der sogenannten Natürlichen Familienplanung (NFP) verhütest. Oder vielleicht einfach nur, weil du dich für deinen Zyklus interessierst. Eine Untersuchung von "Privacy International", einer Organisation zum Schutz der Privatsphäre, hat nun herausgefunden, dass zwei beliebte Apps die sensiblen Daten ihrer Nutzerinnen an Facebook weitergeben. 

Zyklus-Apps "MIA Fem" und "Maya" sollen Daten mit Facebook teilen

Im Fokus stehen die beiden Apps "MIA Fem" und "Maya", die von über 5 Millionen Menschen weltweit gedownloadet und genutzt werden. Es gibt diesen schlauen Spruch aus der Zeit des Privatfernsehens: "Wenn etwas umsonst ist, bist du das Produkt." Das sollte für die meisten App-User keine Überraschung sein, doch leider machen wir uns oft erst Gedanken über die AGBs, die wir ständig ungelesen bestätigen, wenn es einen Skandal gibt. So wie jetzt. "Ich hab doch nichts zu verbergen" ist die ständige Ausrede – aber wenn es dann um solch sensiblen Details geht, die man vielleicht nicht einmal mit dem Partner und der Partnerin teilt, ist der Aufschrei groß. 

Facebook könnte mit den Daten aus den Zyklus-Apps zum Beispiel gezielt Werbung ausspielen, die zur momentanen Stimmung und dem momentanen Lebensstil passen. "Es kann peinlich sein oder ein geringes Selbstwertgefühl fördern, mit gezielten Werbeanzeigen für Aknemedikamente bombardiert zu werden", sagt Lindsey Barrett, Mitarbeiterin der technischen Klinik "Georgetown Law’s Intellectual Property Rights" zu "Buzzfeed News". "Mit wem teilt Facebook diese Informationen noch? Das ist eine Frage der Würde, aber auch eine Frage der Diskriminierung, die zum Tragen kommt, wenn wir darüber sprechen, warum individuelle Datenschutzrechte wichtig sind."

Persönliche Daten wie Alter, Wohnort und Notizen

"Privacy International" hat die Ergebnisse ihrer Recherchen mit "Buzzfeed News" geteilt und herausgefunden, dass auch persönliche Angaben wie Alter, Wohnort und Notizen, die in die App eingetragen wurden, über eine Entwickler-Software an Facebook weitergegeben werden – selbst wenn die App "Maya" nur geöffnet wird und bevor man den Datenschutzbestimmungen überhaupt zustimmen konnte, wie die Organisation festgestellt hat. Vielleicht denken wir das nächste Mal, wenn wir "Allgemeine Geschäftsbedingungen akzeptieren" klicken, einmal darüber nach, ob wir unsere Daten wirklich mit Fremden teilen möchten – oder wir vielleicht einfach einen Zettel und Stift nehmen.

Quellen: Buzzfeed News / Privacy International

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