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Andrew Luck: Wenn die Leidenschaft nur Leiden schafft – was uns der Rücktritt eines Football-Stars lehrt

Die neue Saison der US-amerikanischen Football-Profiliga NFL hat noch gar nicht begonnen, aber das erste Drama spielt sich bereits ab: Andrew Luck, Star-Quarterback der Indianapolis Colts, hört auf. Und zwar jetzt sofort. Warum das eine ziemlich beeindruckende Entscheidung ist.

Andrew Luck

Andrew Luck und die Indianapolis Colts gehörten eigentlich zu den Favoriten für die kommende NFL-Saison

Andrew Luck ist 29 Jahre alt und als Superstar der Indianapolis Colts einer der großen Namen in der US-Profiliga NFL. Er hätte in den nächsten Jahren noch rund 500 Millionen Dollar verdienen können. Er gehörte mit seinem Team zu den Favoriten für die kommende Football-Saison, die Anfang September starten wird – allerdings ohne Andrew Luck.

Der Quarterback hat am Sonntag, auf den ersten Blick überraschend, sein sofortiges Karriereende verkündet und damit eine ganze Footballnation in Aufruhr versetzt. Seit Jahren leidet Luck unter gesundheitlichen Problemen: Bauchmuskelverletzung, Nierenriss, Schulter-OP, die in der NFL obligatorische Gehirnerschütterung, und so weiter.

Andrew Luck: Klapphandy und alte Karre

Nun verpasste er aufgrund eines lädierten Knöchels abermals einen Großteil der Saisonvorbereitung  und erklärte in der Pressekonferenz zu seinem Rücktritt, was das mit ihm gemacht habe: "Nach 2016, als ich unter Schmerzen spielte und nicht regelmäßig trainieren konnte, schwor ich mir, diesen Weg nicht noch einmal einzuschlagen."

Nun habe er abermals eine ähnliche Situation durchmachen müssen – und es war offenbar die eine Blessur zu viel: "Der einzige Weg nach vorne ist, mich aus dem Football zurückzuziehen." Eine Konsequenz, die auch jedem neutralen Beobachter Respekt abverlangen muss.

Denn Luck gilt als einer, der das Spiel wirklich liebt, dem es im bisweilen völlig verstrahlten Bling-Bling-Universum der teuersten Sportliga der Welt nie in erster Linie um die Kohle ging, der immer noch ein Klapphandy besitzt und seine alte Karre aus College-Zeiten fährt. Luck liest Bücher und hört Bruce Springsteen. Er hat nicht mal einen Instagram-Account.

Andrew Luck liebe Football, hat sein Teamkollege Matt Hasselbeck einmal gesagt, und das unterscheide ihn von vielen anderen Profis der Liga, die vor allem Ruhm und Rampenlicht zu schätzen wissen. Umso härter muss es einem wie ihm nun fallen, im besten Sportleralter den Stecker zu ziehen. Aber er hat auch noch ein langes Leben vor sich, ist verheiratet und wird bald Vater.

Und genau deshalb gibt uns Lucks Leidensgeschichte gleich mehrere Lehren mit auf den Weg, aus der jeder von uns auch für sich persönlich etwas ziehen kann: Es geht im Leben ganz sicher nicht immer nur um Geld, auch wenn dir genug Menschen etwas anderes weismachen wollen. Wir müssen nichts tun, was andere von uns erwarten, sofern es uns nicht erfüllt. Und wenn die Leidenschaft erst erloschen ist und nur noch Leiden schafft, ist es Zeit für Veränderung – völlig unabhängig von den unmittelbaren Konsequenzen.

"Härteste Entscheidung meines Lebens"

Natürlich sprengt das den Horizont manches Fans: Am Sonntag, als die ersten Gerüchte von Lucks Rücktritt die Runde machten, wurde er nach einem Testspiel von den eigenen Fans ausgebuht. Viele Reaktionen in den sozialen Medien sind, wie so oft, nicht zitierfähig. Es maßt sich mal wieder jeder eine Meinung an, seltsamerweise zeigen vor allem die Footballfans in Deutschland und Europa erstaunlich wenig Verständnis für Lucks Rückzug.

In den USA sind die Reaktionen, abgesehen von den unsäglichen Buhrufen der Colts-Fans, landesweit differenzierter. Tenor: Es sei schade, ja, eine Schande, dass Luck seine Leidenschaft für den Sport verloren habe. Aber gleichzeitig sei seine Entscheidung für mehr Lebensqualität zu respektieren.

So sehr er sich immer dagegen gewehrt hat, war Luck als NFL-Star in den letzten Jahren – Verletzungen hin oder her – immer eine öffentliche Person. Dass er über den Rummel nie den Blick fürs Wesentliche verloren hat, davon zeugt auch sein Rückzug. "Ehrlich gesagt ist es die härteste Entscheidung meines Lebens", hat ein emotionaler Luck auf der Pressekonferenz gesagt, und dann hat er den wichtigsten Satz gleich hinterhergeschoben: "Aber es ist die richtige Entscheidung für mich."