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"Ich habe Angst vor dem Büro": WHO erkennt Burn-out als Krankheit an - eine Betroffene erzählt, wie es sich anfühlt

Sie war 27, erfolgreich und liebte ihr Leben. Und dann saß sie plötzlich in der Psychiatrie. Für NEON schreibt unsere Autorin offen über ihr Burn-out. Heute berichtet sie von der Rückkehr in den den Job.

Von Sophie Blau

Depressionen

Sich erschöpft zu fühlen, keine Lust auf Schule, Job oder Studium zu haben und schlechtere Leistungen zu bringen - diese oder ähnliche Symptome haben viele Menschen schon erlebt. Wird der Stress und die Belastung auf der Arbeit zu großen, fühlen sich immer mehr Arbeitnehmer ausgebrannt - sie leiden unter Burnout. Laut "Statista" hat sich in Deutschland die Zahl der Menschen in den letzten zehn Jahren verdreifacht, die aufgrund eines Burnouts arbeitsunfähig sind.

Aber ist Burnout eine Krankheit? Darüber diskutieren Experten seit Jahren. Nun hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagiert und das Syndrom erstmals als Krankheit anerkannt. Es ist jetzt im den Katalog der weltweiten Gesundheitsstörungen zu finden. Das ist ein großer Schritt, da sich Ärzte und Krankenversicherer bei ihrer Arbeit oft an der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) orientieren, die die WHO vorgibt. Auch als Berufseinsteiger oder Student kann man Burnout erleben - so wie unsere Autorin. In ihrer Burnout Kolumne hat sie Anfang des Jahres bei NEON über ihre Erfahrungen. Hier könnt gibt es ihre Geschichte noch einmal zum nachlesen:

"Sie haben einfach Angst, Frau Blau, Sie laufen davon!"

Seit zwei Wochen stritt ich mit meiner Therapeutin. Darüber, ob ich wieder zu meiner alten Arbeitsstelle zurückkehren sollte oder nicht. Sie war der Meinung: unbedingt. Ich war der Meinung: auf gar keinen Fall.

Es war paradox: Wochenlang hatte ich mit ebendieser Therapeutin daran gearbeitet, um mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass sich mein Leben nach dem Burnout und dem Ausflug in die Psychiatrie grundlegend ändern musste. Nun wollte ich etwas grundlegend ändern – und das passte genauso wenig. Auch wenn ich mich sehr glücklich schätzen konnte, in dieser Situation – nach monatelanger Krankschreibung – einen unbefristeten Arbeitsvertrag zu haben: Ich wollte nicht mehr zurück an meinen alten Schreibtisch.

Auf lange Sicht hatte ich nie in der PR, in der ich seit einigen Jahren arbeitete, bleiben wollen, nun war ich ohnehin raus – eine bessere Gelegenheit, den Absprung endlich zu schaffen, konnte es doch gar nicht geben. Offenbar schon, meinte meine Therapeutin. "Sie brauchen einen Alltag, Frau Blau, und das bedeutet eben auch arbeiten zu gehen. Sie können nicht nur wochenlang zu Hause herumhängen. Da sind sie schneller wieder zurück in der Depression als sie bis drei zählen können."

Frau vor dem PC

Zurück im Job – für Sophie Blau ein schöner und gleichzeitig schwieriger Moment (Symbolbild)

Pexels

"Sie haben einfach Angst"

Davon, dass ich mittlerweile den ziemlich fixen Plan gefasst hatte, eine Ausbildung zur Physiotherapeutin zu wagen und vorher gerne noch ein, zwei Reisen machen wollte – von der großen Weltreise hatte ich mich schon lange verabschiedet – wollte sie gar nichts hören: "Wissen Sie, wieviel Energie Sie eine neue Ausbildung und auch eine solche Reise kosten wird? Die haben Sie nicht, Frau Blau. Sie haben einfach Angst vor ihrer Arbeit, vor ihrem Chef. Und Angst, das wissen Sie so genauso gut wie ich mittlerweile, wird man nur los, indem man sich ihr stellt."

Da saß ich nun und hatte wirklich kein Argument mehr in der Hand. Schließlich musste ich mir eingestehen: Meine Therapeutin hatte Recht. Ich hatte Angst. Davor, wieder in die Depression abzurutschen. Vor meinem Chef. Sogar vor Büros im Allgemeinen. Ich hatte mittlerweile eine regelrechte Büro-Phobie entwickelt. Es reichte, dass ich mit der S-Bahn die gläsernen Bürotürme zwischen der Donnersberger Brücke und dem Münchner Hauptbahnhof passierte, damit es mir eiskalt den Rücken herunterlief.

Vielleicht war eine Eingliederung wirklich keine so dumme Idee: Ich hätte die Gelegenheit, zu testen, wie fit ich wirklich war. Und ich hätte Gelegenheit, mit allem Frieden zu schließen. Ich fasste also einen neuen Plan. Sechs Wochen zu Hause, um wieder in meinem Leben anzukommen, handelte ich bei der Therapeutin heraus. Dafür musste ich einen detaillierten Beschäftigungsplan vorlegen.

Am 1. Januar wollte ich mit der Wiedereingliederung beginnen, nach dem Hamburger Modell, zwei Stunden in der ersten Woche. Sechs Wochen lang würde meine Arbeitszeit dann schrittweise gesteigert werden, bis ich schließlich bei 40 Stunden und damit beim Ende meiner Krankschreibung angekommen war. Dann konnte ich immer noch kündigen. Mit diesem Plan verließ ich nach insgesamt 12 Wochen, die ich in Kliniken verbrachte, die Psychosomatik.

Kleine Konflikte warfen mich sofort aus der Bahn

Ich fühlte mich stabil und gesund. Pustekuchen. Wenn mich das Burn-out zwei Dinge lehrte, dann war das zum einen Geduld und zum anderen, dass es meistens anders kommt, als man denkt. Die fest geplante Wiedereingliederung trat ich nie an. Ich habe viel, viel länger gebraucht als gedacht, um auch nur in meinem beschaulichen Alltag mit Haushalt, Arztterminen, Sport und Yoga anzukommen. Selbst kleine Konflikte warfen mich sofort aus der Bahn. An Arbeit war lange nicht zu denken.

Ich war einfach nicht stabil genug, nicht einmal für zwei Stunden am Tag. Schließlich unterschrieb ich nach neun Monaten Krankschreibung einen Aufhebungsvertrag. Die Personaldecke sollte ausgedünnt werden. Ich war eines der ersten "Opfer".

Heute bin ich wirklich wieder gesund, belastbar und fit. Die Ausbildung zur Physiotherapeutin ist auch anstrengend, ein Vollzeitjob. Aber es geht wieder, und es geht gut. Ich kann so wie früher, wenn ich will. Das aber ist der wichtige Unterschied. Heute frage ich mich vorher, ob – was auch immer gerade ansteht – es es sein muss, meine Belastbarkeit vollständig auszureizen. Überraschenderweise fällt mir die Antwort meistens leichter als gedacht. Ganz wenige Menschen oder Dinge sind mir so wichtig, dass ich mich für sie aufreiben will.

Lest hier den ersten Text von Sophie für NEON: Mein Leben lag in Scherben – dennoch war das Burn-out das Beste, was mir je passiert ist.


kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(