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Twitter-Thread: Depressionen bedeuten nicht nur Trauer: Dieses Symptom wird häufig unterschätzt

Depressionen zu haben, bedeutet nicht nur, dass Betroffene traurig sind. Tatsächlich zeichnet sich die Erkrankung durch viele Symptome aus, die den Alltag zu einem einzigen Minenfeld machen – und dabei schwer unterschätzt werden.

Depressionen

Dass wir nach wie vor dringend mehr Depressionen-Aufklärung brauchen, ist bekannt. Menschen, die unter Depressionen leiden, werden gerne dazu angehalten, sich einfach zusammenzureißen oder sich "nicht so anzustellen". Während uns bei einer einfachen Erkältung zahlreiche Ärzte und Medikamente innerhalb kürzester Zeit zur Verfügung stehen, kann die Suche nach dem richtigen Therapeuten und der benötigten Finanzierung für Depressionserkrankte dank eines bürokratischen Wirrwarrs zur absoluten Tortur werden. Das wäre in etwa so, als würde man einen Patienten mit gebrochenem Bein dazu zwingen, erst einmal in den nächsten Ort zum Arzt zu humpeln. Macht ja auch keiner.

Junge Frau sieht traurig aus

Mit Depressionen können sich vermeintlich kleine Aufgaben zu einem riesigen Problem entwickeln

Pexels

Auf Twitter macht nun ein Thread die Runde, der das Problem sehr anschaulich beschreibt. Userin Molly Backes schreibt: "Wenn von Depression berichtet wird, geht es immer nur um das Gefühl der Trauer, aber niemand erwähnt das eine fiese Symptom, das jeder mit Depressionen nur allzu gut kennt: die nicht zu bewältigende Aufgabe."

Die nicht zu bewältigende Aufgabe, schreibt sie, könne alles sein: "Zur Bank gehen, ein Rezept zur Apotheke bringen, das Bett machen, E-Mails checken, eine Rechnung bezahlen." Von außen betrachtet würde das plötzliche Unvermögen, diese Aufgabe zu bewältigen, vermutlich keinen Sinn ergeben – und doch sei es sehr real.

"Depressionen sind ein Arschloch"

Ein wahrscheinlich nur gut gemeintes "Aber wenn du es einfach machen würdest, wärest du in 20 Minuten damit fertig", sei dabei wenig hilfreich: "Diese Unterhaltung findet ja schon in Dauerschleife in deinem Kopf statt. Und dazu kommt dann noch die NOCH hilfreichere zweite Stimme, die dich permanent daran erinnert, dass du ein nutzloser Verlierer bist, weil du nicht mal diese eine super leichte Sache gebacken kriegst."

Um die Dinge noch ein bisschen komplizierter zu machen, sei es natürlich auch nicht immer die gleiche Aufgabe, die man nur schwer bewerkstelligen könne – nein, nein, die würde sich immer wieder ändern. "Am einen Tag könnte es sein, dass dir ein Anruf schwer fällt. Da kannst du vielleicht eine Mail schreiben. Beim nächsten Mal geht das mit den E-Mails nicht. Und wenn du das endlich alles schaffst, kannst du auf einmal den Abwasch nicht mehr machen."

Fast 18.000 Likes hat ihr Tweet bereits gesammelt, rund 8.000 Menschen teilten ihn mit ihren Followern. Am wichtigsten sei es, rät Molly Backes zu guter Letzt, sich selbst nicht allzu sehr in die Mangel zu nehmen. "Wenn du zur Zeit mit einem oder mehreren nicht zu bewältigenden Aufgaben kämpfst, geh schonend mit dir um. Du bist nicht nutzlos, Depressionen sind ein Arschloch. Diese Aufgaben sind normalerweise so albern, dass es uns peinlich ist, um Hilfe zu bitten – aber die Menschen, die uns lieben, werden kein Problem damit haben, zu helfen."

jgs
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