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"MeeTwo" Schule, Familie, Sex – Diese Probleme treiben Jugendliche wirklich um

Junger Mann
Die Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenenleben kann für viele Teenager zur Qual werden
© Jesús Rodríguez / Unsplash
Die Zeit zwischen Kindheit und Erwachsenenalter kann für Jugendliche sehr verwirrend sein. Eine britische App will ihnen mit Hilfe von Psychologie-Studenten helfen, sie besser zu navigieren. 

Man mag sich noch so viel darüber lustig machen, dass sich für Teenager gerne jede kleine Krise wie ein absoluter Weltuntergang anfühlt – Hormone sind ein Teufelszeug –, aber tatsächlich kann diese Zeit, in der man kein Kind mehr ist, aber auch noch lange nicht erwachsen, ihre ganz eigenen Tücken mit sich bringen. Das wird besonders dann schwierig, wenn ein junger Mensch kein ausreichendes Support-System um sich herum hat, das ihn dabei unterstützen kann.

In Großbritannien will hier eine App namens "MeeTwo" helfen. Dort können Teenager anonym ihre Fragen stellen, die dann von anderen Jugendlichen und Psychologie-Studenten beantwortet werden. 

Suzi Godson, Co-Gründerin der App, verriet der britischen "BBC" nun, welche Probleme Teenager besonders umtreiben.

#1 Familie

"Familie ist ein großes Thema", sagt Godson. "Und etwas, das Eltern nur ungern thematisieren. Wir bekommen viele Fragen über Konflikte zu Hause – von Kindern, die ihre Mutter im Bett mit einem anderen finden, bis Missbrauch." Außerdem ginge es viel um instabile Strukturen in Patchwork-Familien und Misshandlungen von Geschwistern.

#2 Freunde

Freundschaften seien ein viel größerer Einfluss auf Jugendliche als Eltern und Familie, erzählt Suzi Godson. "Sie sind zwar ein Support-System und ein Wegweiser, aber auch Grund für sehr viel Stress." Mädchen seien hier besonders schwierig, weil sich Bündnisse genau so schnell auflösen würden, wie sie geschlossen wurden und sich immer jemand ausgeschlossen fühlen würde.

Auch Schüchternheit sei ein großer Faktor – daran erinnert sich wahrscheinlich jeder aus seiner Teenager-Zeit – und "niemand weiß so richtig, was denn jetzt 'normal' ist. Viele der Fragen laufen im Grunde darauf hinaus, dass jemand wissen will, ob er 'komisch' ist." Die Versicherung der anonymen Community, dass es vielen anderen genau so geht, könne da "deeskalierend" wirken.

#3 Sex und Beziehungen

Haben wir nicht alle die BRAVO und sämtliche andere Zeitungen verschlungen, heimlich Dr. Sommer gelesen und uns gefragt, wann es denn bei uns auch endlich losgeht? Und ob wir wohl jemals jemanden davon überzeugen können, sich in uns zu verlieben?

"Viele Fragen drehen sich darum, dass Jugendliche wissen wollen, wieso sie der oder die einzige sind, der noch nicht geküsst wurde." Auch das Mündigkeitsalter sei ein Thema und Situationen, in denen sich Teenager von Menschen unter Druck gesetzt fühlen, etwas zu tun, wofür sie noch nicht bereit sind.

Besonders schockierend seien für sie die sehr simplen Fragen zu Sexualität und dem eigenen Körper, sagt Godson. "Sie fragen Dinge über ihre erste Periode, oder wollen wissen, was Masturbation ist. Einige Eltern weigern sich, diese Fragen zu beantworten und zu seinem Lehrer will damit auch niemand gehen." 

#4 Schule

Neben der Probleme mit Freunden in der Schule oder Leistungsdruck, der von Eltern ausgeübt wird, würden sich viele Fragen mit Prüfungsstress beschäftigen. "Und zwar nicht nur während der GCSE-Phase [englisches Equivalent zum Realschulabschluss, Anm. d. Red.] – Arbeiten und Tests gibt es das ganze Jahr über." Für akademisch veranlagte Teenager sei das zwar kein Problem. Aber für diejenigen, die ein Problem damit hätten, sich hinzusetzen und zu lernen, sei es "jedes Mal wieder eine neue Chance, zu scheitern."

#5 Angst und innere Unruhe

Da die App häufig Kindern und Jugendlichen empfohlen werde, die sich bereits bei der psychiatrischen Kinder- und Jugendhilfe des Nationalen Gesundheitsdienstes "NHS" gemeldet haben, seien Angstzustände und Panikattacken ebenfalls ein häufig besprochenes Thema. 

Aber auch ohne diese Empfehlungen gebe es genug Fragen rund um Unsicherheiten mit Familie, Freunden oder in der Schule. "Viele von ihnen erzählen uns, dass sie einfach eine generelle innere Unruhe verspüren", so Suzi Godson.

jgs

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